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Müll, Lärm und jede Menge Schadstoffe: Im Zuge der Feinstaub-Diskussion wächst die Kritik am Feuerwerk zu Silvester. Miesbachs Stadtrat appelliert nun an die Bürger, es weniger oder am besten gar nicht krachen zu lassen. 

„Wir können nichts tun“

Silvester mit Raketen und Knallerei? - Miesbacher Stadtrat würde gerne aufs Feuerwerk verzichten

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Der Miesbacher Stadtrat würde gerne aufs Feuerwerk verzichten, doch rechtlich umsetzen lässt sich das nicht. Ein Appell an die Vernunft der Bürger scheint nun der letzte Ausweg zu sein.

Miesbach – Der Jahreswechsel 2017/18 hat Spuren hinterlassen. Das öffentliche Feiern und Knallen sei damals ausgeartet, stellte Inge Jooß (SPD) nun im Stadtrat fest. Dies solle sich nicht wiederholen, und deshalb stellte die Kulturreferentin die Frage in den Raum, ob man diesmal nicht sogar die Innenstadt fürs Raketenabfeuern sperren sollte. „Es gibt Familien, die das stört. Dazu die Angetrunkenen, die Feinstaubbelastung, die Müllberge, die verschreckten Tiere und nicht zuletzt das Geld. Wir sollten als Stadtrat an die Rücksichtnahme der Leute appellieren.“ Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) stimmte ihr zu, stellte aber fest: „Wir können nichts tun.“

Bereits bei der Bürgerversammlung im April dieses Jahres war die Frage an die Stadt herangetragen worden, ob sie das Böllern zu Silvester nicht verbieten könne. „Die Stadt hat aber keine rechtliche Handhabe, da es sich um ein Bundesgesetz handelt“, wiederholte Pongratz das Ergebnis.

Markus Seemüller (FW) begrüßte den Vorstoß von Jooß: „Ein Appell wäre richtig und wichtig, aber ich glaube nicht, dass das etwas bringen wird.“ Deshalb sei es seiner Meinung nach sinnvoller, ein verbot zu erzwingen. „Der Atemschutz ist ein hohes Gut in der EU. Vielleicht sollte die Stadt mit dem Landratsamt Kontakt aufnehmen, ob man auf diesem Weg etwas erreichen kann“, regte der Landwirt an. „Denn es ist dekadent, was hier passiert. Meine Rindviecher fangen an Silvester, regelmäßig zu spinnen an.“ Alfred Mittermaier (CSU) unterstützte diese Idee: „Vielleicht kann man es auch mit unseren historischen Gebäuden – dem Himmisepp am Unteren Markt und dem Piazetta am Oberen Markt – dass dort nicht geschossen werden darf.“

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Geschäftsleiter Gerhard Führer erteilte diesem Ansinnen jedoch eine Absage: „Das ist nicht durchführbar. So kurz vor Silvester bekommen wir keine Auskunft mehr von einer Fachstelle.“ Und Bürgermeisterin Pongratz gab zu bedenken, dass es kaum Möglichkeiten gebe, ein Verbot zu kontrollieren und Verstöße zu ahnden. Zuvor hatte bereits Florian Ruml (FW) sein Veto gegen eine Beschlussfassung bezüglich eines zu prüfenden Verbots eingelegt: „Ich bin aus rechtsstaatlichen Gründen dagegen. Dann machen wir halt erst etwas fürs nächste Jahr.“

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Zum Beschluss kam es aber dennoch, wenn auch nur darüber, dass die Stadt Miesbach einen Appell an ihre Bevölkerung richtet, an Silvester nur maßvoll Raketen abzuschießen. Diese Empfehlung fiel einstimmig aus.

Stadt ruft zur Rücksichtnahme auf

Die Stadt hat indes reagiert und einen Appell auf ihrer Homepage www.miesbach.de veröffentlicht. Darin werden die Bürger „zur Mäßigung beziehungsweise zum freiwilligen Verzicht“ beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern aufgerufen. Zudem weist die Verwaltung darauf hin, was beim Abbrennen von Feuerwerk zu beachten ist: Demnach ist Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Kinder- und Altersheimen sowie Bereichen mit großen Menschenansammlungen untersagt. Außerdem appelliert die Stadt an die Bürger, beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern zurückhaltend und rücksichtsvoll zu handeln – nicht nur im Hinblick auf die Gesundheit der Mitmenschen, sondern auch hinsichtlich von Natur- und Umweltschutz.

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