Lieferwagen rast in Menschenmenge in Barcelona - Mehrere Verletzte

Lieferwagen rast in Menschenmenge in Barcelona - Mehrere Verletzte
+
Seniorin am Steuer: Zahlen von Polizei und Führerscheinstelle legen nahe, dass die Unfälle durch mangelnde Fahrtauglichkeit älterer Menschen im Landkreis zunehmen.

Beunruhigende Tendenz

Unsere Zahlen belegen: Senioren am Steuer sind gefährlich

  • schließen

Vor Kurzem legte eine Rentnerin (76) eine Chaosfahrt quer durch Miesbach hin. Seitdem wird das Thema intensiv diskutiert. Unsere Recherche endet mit einem besorgniserregenden Ergebnis.

Landkreis – Wer den Führerschein hat, hat ihn im Normalfall auf Lebenszeit. Eine Fahrtauglichkeitsprüfung für Senioren gibt es in Deutschland bislang nicht. Forderungen danach werden aber immer wieder laut. Vor allem, wenn ein älterer Autofahrer einen Unfall verursacht. So geschehen am vergangenen Donnerstag, als eine 76-Jährige in Miesbach Gas und Bremse ihres Opels verwechselte und dabei zwei Personen und sich selbst verletzte. Auf der Facebook-Seite des Miesbacher Merkur entzündete sich daraufhin eine Diskussion über das Risiko von Senioren am Steuer. Das Meinungsbild war gespalten: Während die einen den sofortigen Entzug des Führerscheins forderten, plädierten andere dafür, älteren Autofahrern ihre Selbstbestimmtheit zu lassen.

Eine pauschale Antwort auf diese sensible Frage gibt es bislang nicht. Die Polizei prüft aber bei jedem Unfall, ob dieser möglicherweise durch mangelnde Fahrtauglichkeit verursacht wurde. „Dann melden wir das an die Führerscheinstelle am Landratsamt“, erklärt der stellvertretende Dienststellenleiter der Miesbacher Inspektion, Reinhard Schuster. Dies geschehe auch, wenn Zeugen von einem Auto berichten, das in Schlangenlinien über die Straße kurve oder mehrfach den Randstein touchiere. Verhaltensweisen also, die auf einen „grundlegenden Mangel hinsichtlich der Fahreignung“ hindeuten, wie Landratsamts-Sprecher Birger Nemitz erklärt.

Dieser Mangel könne nicht nur durch körperliche oder geistige Einschränkungen – wie eben Seh-, Hör- oder Reaktionsprobleme bei Senioren – sondern zum Beispiel auch durch den Konsum von Rauschmitteln oder Medikamenten verursacht werden. Um den Sachverhalt aufzuklären, würde die Führerscheinstelle die betroffenen Autofahrer zum Gespräch einladen oder ein hausärztliches Attest einfordern. Nach ihrem persönlichen Eindruck könnten die Mitarbeiter dann entscheiden, ob weitere Schritte notwendig sind. Das Spektrum reiche von der Forderung eines Facharztgutachtens bis zur Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) mit Fahrverhaltensbeobachtung.

Tatsache ist laut Nemitz, dass die Fallzahlen „im Negativbereich seit mehreren Jahren stark und kontinuierlich steigen“. So hätten sich die Führerscheinentzugsverfahren innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt. Auch wenn dafür nicht nur Senioren verantwortlich sind: Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland rechnet die Behörde, dass die „ebenfalls stark ansteigende Zahl der Überprüfungsfälle bei älteren Fahrerlaubnisinhabern weiterhin stetig zunehmen wird“.

Die Statistik der Polizei scheint diese Vermutung zu bestätigen. Seit 2012 hat sich die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Senioren im Landkreis (inklusive Autobahn) Jahr für Jahr erhöht. 259 Mal war 2016 ein über 65-Jähriger der Unfallverursacher – ein Plus von mehr als 32 Prozent im Vergleich zu 2012. Pauschale Schlüsse will Verkehrssachbearbeiter Alfred Christl daraus jedoch nicht ziehen: „Für eine genaue Analyse müsste man die demografische Entwicklung der Bevölkerung und den Fahrzeugbestand berücksichtigen“, sagt er.

Dennoch hat das Polizeipräsidium Oberbayern Süd ein Präventionsprogramm aufgelegt, wie Schuster erklärt. „Da werden Senioren nach Unfällen angeschrieben und zu einem freiwilligen Seminar zum Auffrischen der Verkehrsregeln eingeladen.“ Ginge es nach ihm, sollte es – wie bei Berufskraftfahrern – einen verpflichtenden und regelmäßigen Gesundheitscheck geben. „Das“, betont der Vizeleiter der Inspektion, „ist aber meine persönliche Meinung.“

sg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rettungsversuch: Online-Petition für Miesbacher Warmfreibad
Wo Geld fehlt, ist Kreativität gefragt. Das gilt auch für die Sanierung des Miesbacher Warmfreibads. Der Förderverein hat nun eine Online-Petition gestartet. Hier geht‘s …
Rettungsversuch: Online-Petition für Miesbacher Warmfreibad
Einbruch beim SV Warngau: Alles weg - Verein am Ende
Beim SV Warngau wurde eingebrochen: Die Diebe klauten zwei Rasenmäher, den Vereinsbus, ein Dieselfass, ein Kinderspielhaus und zehn Kästen Bier. Der Schaden ist hoch. 
Einbruch beim SV Warngau: Alles weg - Verein am Ende
Unbekannter brettert in Gartenzaun - und flüchtet
Ein Haushamer (58) erlebte am Dienstag eine böse Überraschung: Ein Unbekannter ist in seinen Gartenzaun gefahren und dann weiter - ohne sich zu melden.
Unbekannter brettert in Gartenzaun - und flüchtet
Schnelles Geld dank Mehrfach-Verkauf
Den Käufern blieb er die Ware schuldig, dem Vermieter die Miete: Ein Fischbachauer hat gleich mehrere Personen geprellt. Am Amtsgericht Miesbach kassierte er dafür nun …
Schnelles Geld dank Mehrfach-Verkauf

Kommentare