Impfzentrum Hausham
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Freie Plätze gibt es mittlerweile genug: Die Nachfrage nach Terminen im Impfzentrum Hausham geht immer weiter zurück. Dabei wäre genug Impfstoff aller Hersteller verfügbar.

Leiterin des Impfzentrums im Interview

Sinkende Nachfrage nach Terminen: Impfzentrum plant „Happy Hour“

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Auch im Landkreis Miesbach stellt das Impfzentrum einen deutlichen Nachfragerückgang fest. Wie man darauf reagiert erklärt Beate Faus, Leiterin des Haushamer Impfzentrums, im Interview.

Landkreis – In der Volkswirtschaft würde man von einem negativen Nachfrageschock sprechen. War der Impfstoff gegen das Coronavirus vor wenigen Monaten noch ein knappes Gut, liegt er jetzt bisweilen wie Blei in den Kühlschränken. Auch im Landkreis Miesbach stellt das Impfzentrum einen deutlichen Rückgang bei den Terminbuchungen fest. Wie man darauf reagiert und ob es mobile Angebote braucht, erklärt Beate Faus, Leiterin des Haushamer Impfzentrums, im Interview.

Frau Faus, wann kann man sich im Landkreis Miesbach auch auf den Supermarktparkplätzen impfen lassen?

Beate Faus: Dazu wird es erst mal nicht kommen. Wir sind der Meinung, dass es nicht sinnstiftend wäre, eine doch sehr private, medizinische Maßnahme an einem so viel frequentierten Ort durchzuführen. Obendrein gehen wir nicht davon aus, dass eine solche Aktion viel Resonanz erfahren würde. Wir konzentrieren uns auf zielführendere Möglichkeiten.

Aber ist es nicht gerade jetzt, wo sich eine gewisse Impfmüdigkeit in der Bevölkerung breitmacht, notwendig, die Impfkampagne noch flexibler aufzustellen?

Beate Faus: Das mit Sicherheit. Die größte Hürde ist und war ja bislang die starre Terminvergabe, die zudem lediglich auf die Landkreisbevölkerung ausgelegt ist. Die Software des Freistaats gibt uns da kaum Möglichkeiten, besser auf individuelle und aktuelle Geschehnisse einzugehen. Mit der Plattform Terminland, die wir unter anderem für unsere Sonderaktion nutzen, haben wir deutlich bessere Erfahrungen hinsichtlich der Flexibilität gemacht. Hier können wir die Parameter selbst bestimmen. Zudem planen wir für Juli eine Impf-Happy-Hour. Da kann man zwischen 17 und 20 Uhr einfach vorbeikommen, ganz ohne Anmeldung. Details geben wir zeitnah bekannt. Des Weiteren ist eine Kooperation mit dem Krankenhaus Agatharied angedacht.

Für Patienten oder Besucher?

Beate Faus: Beides. Letztlich ist es ja auch naheliegend, die medizinische Expertise der Klinik zu nutzen, um den Menschen gleich vor Ort ein Impfangebot zu unterbreiten.

Leiterin des Haushamer Impfzentrums: Beate Faus.

Mobile Impfteams sind aber auch abseits von Supermärkten kein Thema für Sie?

Beate Faus: Doch. Wir möchten das aber gerne nachfragegesteuert planen. Wenn sich beispielsweise ein Verein bei uns meldet, der einen Impfaktionstag bei sich vor Ort durchführen will, stehen wir gern zur Verfügung. Da sind wir wirklich offen für fast alles. Auch, weil wir wissen, dass wir an dem Tag eine gewisse Zahl an Impfungen durchführen werden und sich der organisatorische Aufwand lohnt. Letztlich müssen wir dafür ja eine entsprechende Menge an Impfstoff bestellen, den wir auch verbrauchen wollen.

Wie sehen denn die Bestände aktuell aus? Haben Sie die Liefermenge wegen der sinkenden Nachfrage bereits reduziert?

Beate Faus: Auf jeden Fall. Für die kommende Woche beispielsweise sind wir sogar auf Null zurückgegangen. Einfach, weil wir noch unverbrauchte Reste im Kühlschrank haben. Die Sonderaktion ist aber natürlich abgedeckt.

Gibt es Ideen, wie sich die Impfbereitschaft generell wieder ankurbeln lässt?

Beate Faus: Als Impfzentrum des Landkreises möchten wir uns weiterhin neutral verhalten. Unsere Aufgabe ist es, jedem Bürger ein Angebot zu machen und die Vorteile einer Impfung aufzuzeigen. Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass wir den Leuten etwas aufdrängen wollen. Da, wo das automatische Einladungssystem Lücken aufweist, werden wir natürlich tätig. Das ist aktuell etwa bei rund 500 12- bis 16-Jährigen der Fall, die trotz Registrierung im Impfportal wegen der noch fehlenden Stiko-Empfehlung keinen Terminvorschlag bekommen haben. Wir haben sie dann von uns aus kontaktiert.

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Wären nicht auch die Schulen ein Ansatzpunkt?

Beate Faus: Die Abschlussschüler über 18 Jahre haben wir bereits über die Schulen angeschrieben. Der Rücklauf war aber nicht besonders hoch. Einfach weil die, die sich impfen lassen wollen, schon selbst tätig geworden sind. Entweder über ihre Registrierung beim Impfzentrum oder über ihren Hausarzt.

Wie geht es eigentlich mit dem Impfzentrum weiter, wenn die Nachfrage nicht mehr wirklich anspringt?

Beate Faus: Aktuell reicht unsere konkrete Planung bis Ende September. Ab dann versuchen wir, eventuelle Leerläufe mit einem Standby-Betrieb abzufedern, um keine Mitarbeiter umsonst vorhalten zu müssen. Wie lange es dann so weitergeht, steht noch nicht fest - hierzu warten wir zusätzlich auch auf Anweisungen der Regierung.

Abschließend eine Frage zur Statistik: Wissen Sie, wie viele Leute registriert sind, aber noch keinen Termin gebucht haben?

Beate Faus: Durch eine Änderung der Software hatten wir letzte Woche auf einmal eine enorme Schrumpfung von 4000 auf 600. Das liegt daran, dass das System nun jeden Account, der drei Aufforderungen verstreichen hat lassen, nach zehn Tagen ohne Login automatisch löscht. Damit soll vermieden werden, dass alle die, die sich mittlerweile schon beim Hausarzt impfen haben lassen und sich nicht selbstständig aus dem Portal abgemeldet haben, noch länger als Karteileichen geführt werden.

sg

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