Rückblick und Ausblick: Die Erkenntnisse aus dem Corona-Winter haben unter anderem Katharina Wallner und Harald Gmeiner besprochen.
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Rückblick und Ausblick: Die Erkenntnisse aus dem Corona-Winter haben unter anderem Katharina Wallner und Harald Gmeiner besprochen.

„Wintersport ist diverser geworden“

Skitouren: Fachleute sehen viel Lenkungsbedarf beim neuen Massenphänomen

  • VonHeidi Siefert
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Das Tourengehen erlebte im Lockdown-Winter einen Aufschwung. Wie kann der Landkreis den Ansprüchen der Tourengeher begegnen? Das haben Fachleute nun diskutiert.

Landkreis – Das immer beliebtere Tourengehen erlebte im Lockdown-Winter einen enormen Aufschwung. Doch wie begegnet man vor Ort der zunehmenden Zahl von Menschen, die andere Ansprüche haben als der klassischen Skigast? Das diskutierte jetzt in München eine Expertenrunde zum Thema „Pistenskitouren – wie Lenkungskonzepte in bayerischen Skigebieten aussehen können“. Mit dabei: Katharina Waller, Prokuristin der Bergbahnen Sudelfeld, und Harald Gmeiner, Vorstand der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS).

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Tourenspezialist Dynafit hatte anlässlich der Eröffnung seines Ladens in der Münchner Frauenstraße Praktiker eingeladen, um zu erfahren, wie sie dem Trend begegnen. Die Praxis, so Thomas Hettegger, Vorstand der Berchtesgadener Bergbahnen AG, zeige schon lange „dass man intelligente Lösungen finden muss“, um die Menge zu kanalisieren. Am Jenner wird es deshalb heuer erstmals eine Aufstiegsspur geben. Dazu kostenloses Parken an der Bergbahn-Talstation, um den Lift für jene attraktiver zu machen, die erst ab der Mittelstation aufsteigen wollen. Grundsätzlich „haben wir eine super spannende Saison vor uns“, waren sich die Gesprächspartner einig.

Wer wird was machen? Der rapide angestiegenen Nachfrage nach Skitourenausrüstung habe man im Vorjahr nicht nachkommen können, berichtete Extremskibergsteiger und Dynafit-Markenmanager Benedikt Böhm. Insbesondere Tourengehen mit Familie sei explodiert und in seinen Augen ein Bereich, der wegen seines Erlebnis-Charakters auch bleiben werde, wenn die Lifte wieder laufen. Grundsätzlich rechnete man in der Runde mit mehr Vielfältigkeit, was Erhebungen der Uni Innsbruck untermauert hätten, nach denen 45 Prozent der Pisten-Tourengeher diese auch regulär nutzen. „Wintersport ist diverser geworden“, stellte auch Gmeiner fest. So würden sich grundsätzlich mehr Menschen gern in der Natur bewegen.

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Wie, dafür gebe es immer mehr Möglichkeiten. Das zunehmend beliebte Skibergsteigen ist eine davon. Im Gegensatz zum klassischen Tourengeher schätzen Anhänger von Pistenskitouren die Annehmlichkeiten präparierter Pisten und erschlossener Gebiete. Auch das konnte Böhm mit den Erfahrungen der Hersteller unterfüttern. Mehr als 50 Prozent der Kunden zögen den präparierten Pistenrand zum Aufstieg vor. So müssten sie sich nicht mit alpinen Gefahren beschäftigen. Dazu seien Skibergsteiger nicht zwangsläufig gute Skifahrer, oft überfordere sie die Abfahrt im nicht präparierten Gelände. Viele träten den Weg ins Tal deshalb gerne im Lift an.

Eine Möglichkeit, die es bei den seit vielen Jahren angebotenen Tourenabenden am Sudelfeld zwar nicht gibt. Doch sowohl die Abende als auch die seit 2015 etablierte Tourenpiste erfreuten sich großer Begeisterung, berichtete Wallner in der Gesprächsrunde. Insbesondere die abendlichen Aktivitäten versuche man so zu kanalisieren. Auch die Tourengeher-Tickets für 30 flexibel nutzbare Liftstunden in der Saison würden gut angenommen.

Im Preis von 210 Euro sind auch die heuer erstmals erhobenen Parkgebühren inkludiert. Mit einer Tagesparkgebühr von fünf Euro reagiert man am Sudelfeld vor allem auch auf die Tourengeher, zumal Parkraum begrenzt ist und sein Unterhalt mit fünf Prozent der Skigebietskosten durchaus einen beträchtlichen Posten ausmache. Verglichen mit 15 Euro in Oberammergau ein Schnäppchen. Und doch seien Tourengeher in der Aktiv-Arena am Kolben durchaus bereit, am Parkautomaten für Infrastruktur und Pistenpflege zu bezahlen, wie Geschäftsführer Klement Fend berichtete. Bereits vor zwölf Jahren setzten die Oberammergauer auf den Trend Skibergsteigen.

„Kanalisieren und organisieren“ ist auch das Credo Gmeiners angesichts einer ständig wachsenden Zahl von Tourengehern, auf die man im Landkreis mit Rangern sowie den Aufstiegsrouten des DAV begegnet. Aktuell gebe es 28 entsprechend beschilderte Aufstiegsrouten, wie Pressesprecher Thomas Bucher ergänzte. In absehbarer Zeit sollen sie in allen 48 bayerischen Skitourengebieten ausgewiesen werden. „Je mehr Leute wir haben, desto mehr Lenkungsbedarf gibt es“, sagte Bucher, der sich optimistisch ob der Lösbarkeit der Probleme äußerte. Grundsätzlich seien Tourengeher wie Skibergsteiger Menschen, die man mit Argumenten durchaus überzeugen könne. Resistent sei nur ein Bruchteil.

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