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SMG sagt beim Wirtschaftsempfang „Servus Zukunft“ - Was das bedeutet

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Von: Stephen Hank

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Angeregte Gespräche: das Publikum in der Tenne auf Gut Kaltenbrunn. Dort fand der offizielle Teil statt. © Thomas Plettenberg

Miesbach setzt auf Innovation. „Servus Zukunft“ heißt eine neue Kampagne, die die SMG beim Wirtschaftsempfang ankündigte. Soviel vorweg: Das Konzept passt auf einen Bierdeckel.

Landkreis – Später am Abend, als sich der ehemalige Rinderstall auf Gut Kaltenbrunn langsam leerte, zog Klaus-Dieter Graf von Moltke zufrieden Bilanz. „Die bisher beste Veranstaltung“, konstatierte der Aufsichtsratsvorsitzende der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG). „Atmosphäre, Stimmung, Redner – einfach toll.“ Erstmals machten Landkreis, SMG und Unternehmerverband (UVM) mit ihrem Wirtschaftsempfang nicht in Miesbach Station, sondern auf Gut Kaltenbrunn. Auch ein wenig Aufbruchstimmung und Weiterentwicklung sollte das signalisieren, hatte Moltke schon in seiner Begrüßung betont: „Als Wirtschaftsverband sind wir im ganzen Landkreis präsent.“

Tatsächlich hat sich der Empfang mittlerweile zu einer hochkarätigen Veranstaltung mit prominenter Besetzung gemausert. Die Entwicklung erinnert ein wenig an die SMG selbst. Vor zehn Jahren als Ein-Mann-Betrieb und Randerscheinung gestartet, ist sie inzwischen zur „echten Entwicklungsgesellschaft“ geworden. „Wir verstehen uns als beratende, dienstleistende Gesellschaft“, sagte Moltke. Landrat Wolfgang Rzehak untermauerte das: „Ein innovatives und kreatives Team. Andere Landkreise merken gar nicht, dass der SMG so wenig Geld zur Verfügung steht.“

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Angeregte Gespräche: das Publikum in der Tenne auf Gut Kaltenbrunn. Dort fand der offizielle Teil statt. © Thomas Plettenberg

Als Wirtschaftsförderer stecke man mittlerweile freilich in einem Dilemma, gestand Geschäftsführer Alexander Schmid. Stau, Zuzug, Flächenverbrauch – davor bleibe auch der Landkreis nicht verschont. Die SMG werde deshalb fortan nur noch auf Qualität, nicht mehr auf Quantität setzen. Unter dem Schlagwort „Servus Zukunft“ (www.servuszukunft.de) wolle man die Innovationsfähigkeit steigern, Aufbruchstimmung erzeugen und insbesondere jungen Leuten mit frischen Ideen mehr Raum geben. „Es soll ein Schulterschluss kluger Köpfe sein“, sagte Schmid. „Wir wollen offen sein für neue, mutige Lösungen.“

Neue, mutige Lösungen – die hatte in seiner Zeit als CDU-Finanzexperte im Bundestag auch Friedrich Merz gefordert. Seiner Ansicht nach sollte jeder Deutsche seine Steuererklärung auf einem Bierdeckel erledigen können.

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Hielt die Festrede: der Vorsitzende der Atlantik-Brücke und frühere CDU-Finanzexperte Friedrich Merz. © Thomas Plettenberg

Eine Steilvorlage für die SMG, die auf Gut Kaltenbrunn nun ihrerseits Bierdeckel verteilte. Auf der Vorderseite die Vision, wie’s „Gemeinsam ins Oberland von morgen“ gehen kann, auf der Rückseite die Aufforderung, seine eigene Rolle zu definieren.

Ideenschmied, Netzwerker, Mentor – der 61-jährige Merz dürfte für sich mehrere Beschreibungen in Anspruch nehmen. In einem fesselnden Vortrag ging der Vorsitzende des gemeinnützigen Netzwerks Atlantik-Brücke auf die transatlantischen Beziehungen in Zeiten von Brexit und Trump und die künftige Rolle Deutschlands und Europas in der Welt ein. „Im Augenblick verschieben sich politisch und ökonomisch die Zentren auf dieser Welt“, sagte Merz. In einigen Jahren, wenn die Weltbevölkerung zehn Milliarden Menschen umfasst, werden neun Milliarden außerhalb Amerikas und Europas leben. „Wir werden uns in diesem Koordinatensystem anders und neu positionieren müssen.“

Nach Merz’ Worten gehe es dabei nicht nur um Ökonomie. „Die Zahl der Menschen in freien Gesellschaften nimmt ab“, stellte er fest. „Und das mitten in Europa.“ Der Ex-Politiker forderte, für das einzutreten, was eine offene Gesellschaft ausmacht. „Die Angst um die eigene Identität ist schon auch berechtigt“, sagte Merz. Man müsse sich deshalb der Diskussion und den Herausforderungen, die die Einwanderung mit sich bringt, offen und tolerant stellen.

Sorgenvoll in die Zukunft blicke er trotzdem nicht, antwortete Merz auf eine entsprechende Frage von Moderator Stefan Scheider. „Man muss sich mit der Lage beschäftigen und die richtigen Konsequenzen ziehen“, riet er. Als ersten Schritt hatte er fürs Publikum im Saal einen praktischen Ratschlag parat: „Hört mit dieser ewigen Maulerei über Europa auf!“

sh

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