+
Frischer geht es kaum: Auf dem Miesbacher Wochenmarkt können sich die Verbraucher mit allerhand schmackhaftem Grünzeug eindecken.

Konferenz „Invest in Bio + Regio“ zeigt Möglichkeiten auf

So kommen Verbraucher und Landwirt zusammen

  • schließen

Wer weiß, wo sein Essen herkommt, der zahlt auch mehr dafür. Wie sich dieses Erfolgsrezept in die Tat umsetzen lässt, wird dieser Tage bei einer Konferenz im Waitzinger Keller in Miesbach besprochen. 

Bei der Konferenz „Invest in Bio + Regio“ im Waitzinger Keller in Miesbach wurden Konzepte vorgestellt, wie sich Landwirte und Konsumenten näher kommen – und so gemeinsam zum Erhalt der kleinbäuerlichen Kulturlandschaft beitragen können.

Miesbach – Ganze Schubkarren voll frischer Zucchini kippte Gärtner Sebastian Girmann früher auf den Komposthaufen. Und das nur, weil sie für die Supermarktkiste zu krumm oder zu lang geraten waren. 30 Prozent Ausschuss bei jeder Ernte waren die Regel. „Da habe ich mir gedacht, das kann doch nicht sein“, sagt Girmann. Zwei Jahre später steht er nun mit seinem Kollegen Nick Fischer bei der Konferenz „Invest in Bio + Regio“ auf der Bühne des Waitzinger Keller in Miesbach und erklärt, dass ihm die Optik seines Gemüses heute ziemlich egal ist. Die 150 Haushalte, die die jungen Männer mit ihrer Genossenschaftsgärtnerei Biotop Oberland mit Sitz in Bad Heilbrunn beliefern, sehen das ganz genauso. Das wissen die Gründer, weil sie sich regelmäßig mit ihren Kunden – nein, Mitgliedern – über ihre Arbeit austauschen. „Wir versuchen, alles zu erklären“, sagt Girmann. „Das sorgt für Verständnis.“

Dieses Erfolgsrezept eines engen und persönlichen Kontakts zwischen Erzeuger und Verbraucher zog sich wie ein roter Faden durch die Vorträge beim Auftakt zur zweitägigen Konferenz. Diese ist Teil einer insgesamt siebenteiligen Veranstaltungsreihe, die die Standortmarketinggesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach über das Leader-Kooperationsprojekt „da und dort“ gemeinsam mit 13 „Zukunftsorten“ im Nachbarland Österreich auf die Beine gestellt hat. Ziel ist es, die durch Großkonzerne mehr und mehr bedrohte, kleinbäuerliche Landwirtschaft zu erhalten und damit auch die hiesige Kulturlandschaft zu schützen, erklärte SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid. „Wir wollen uns gegen die Marktbereinigung wehren – auf intelligente Art.“

Moderatorin Petra Wähning nahm dabei in erster Linie die Verbraucher in die Pflicht – und damit auch sich selbst. Auch sie sei als Städterin lange Zeit allenfalls über ihren Wunsch nach gesundem Essen mit landwirtschaftlichen Produkten in Kontakt gekommen, berichtete die Soziologin. Heute hilft die „Ausheimische“ mit der Genuss und Invest GmbH landwirtschaftlichen Betrieben, die sich vom Weltmarkt lossagen wollen. Ein auch im Landkreis Miesbach schon erfolgreich praktiziertes Mittel sind die sogenannten „Genussscheine“. Das Prinzip ist simpel: Verbraucher stecken ihr Geld in einen örtlichen Bauernhof – direkt und ohne Umweg über eine Bank. Ihre Rendite erhalten sie in Form von Waren. Der Landwirt bekommt damit nicht nur ein günstiges Darlehen, sondern auch eine Wertschätzung für seine Erzeugnisse. „Wo ein persönlicher Kontakt besteht, gönnt man dem anderen ein gutes Leben“, sagte Wähning.

Dass auch Banken nicht zwangsläufig nur an die Gewinne auf dem Kapitalmarkt denken, stellte Hubert Stehr, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank im Oberland, heraus. In diesem Herbst will die Genossenschaftsbank eine eigene Crowdfunding-Plattform ins Internet stellen – und damit zum Beispiel Vereinen und anderen Initiativen bei der Sammlung von Spenden für kleinere Projekte helfen. „Für uns ist das letztlich eine weitere Möglichkeit, die genossenschaftliche Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen in die Tat umzusetzen“, erklärte Stehr.

Mit der Onlineplattform „Wirt sucht Bauer“ für Regionalprodukte in der Gastronomie und dem Onlinedirektvermarkter Amaregio stellten sich im Laufe des Nachmittags noch weitere Initiativen vor, die sich für kürzere Wege zwischen Erzeuger und Verbraucher stark machen. Dass das auch wirtschaftlich zum Erfolg führen kann, zeigt das Biotop Oberland. Wegen der großen Nachfrage sind dem Team die 0,5 Hektar großen, von Gärtnereien in Bad Heilbrunn und Waakirchen gepachteten Flächen längst zu klein geworden. Im Isartal will sich die Genossenschaft nun einen eigenen Acker kaufen. Am Grundprinzip wird sich aber nichts ändern, verspricht Girmann: „Alles was nicht faul ist. packen wir in die Kiste.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Trauerfeier für den ehemaligen Pfarrer Elmar Mayr in Bayrischzell
Viele Bürger besuchen die Trauerfeier für den ehemaligen Bayrischzeller Pfarrer Elmar Mayr. Nach einem Gottesdienst und einem Marsch durch den Ort wurde er neben der …
Trauerfeier für den ehemaligen Pfarrer Elmar Mayr in Bayrischzell
Rettungsversuch: Online-Petition für Miesbacher Warmfreibad
Wo Geld fehlt, ist Kreativität gefragt. Das gilt auch für die Sanierung des Miesbacher Warmfreibads. Der Förderverein hat nun eine Online-Petition gestartet. Hier geht‘s …
Rettungsversuch: Online-Petition für Miesbacher Warmfreibad
Einbruch beim SV Warngau: Alles weg - Verein am Ende
Beim SV Warngau wurde eingebrochen: Die Diebe klauten zwei Rasenmäher, den Vereinsbus, ein Dieselfass, ein Kinderspielhaus und zehn Kästen Bier. Der Schaden ist hoch. 
Einbruch beim SV Warngau: Alles weg - Verein am Ende
Unbekannter brettert in Gartenzaun - und flüchtet
Ein Haushamer (58) erlebte am Dienstag eine böse Überraschung: Ein Unbekannter ist in seinen Gartenzaun gefahren und dann weiter - ohne sich zu melden.
Unbekannter brettert in Gartenzaun - und flüchtet

Kommentare