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Opulent, witzig und jung: Das Ensemble des Freien Landestheaters hat die fast 100-jährige Operette „Der Vetter aus Dingsda“ modern inszeniert. 

Freies Landestheater Bayern

So macht Operette Freude: „Der Vetter aus Dingsda“ im Waitzinger Keller

Wie hübscht man eine fast 100-Jährige auf? Bei seiner Inszenierung von „Der Vetter aus Dingsda“ zeigt das Freie Landestheater, wie‘s geht. 

Miesbach – Wieder einmal demonstriert das Freie Landestheater Bayern, wie sehr es im Genre der Operette zu Hause ist: Mit dem Klassiker „Der Vetter aus Dingsda“ brachte des renommierte Ensemble das erfolgreiche Werk von Eduard Künneke auf die Bühne des Miesbacher Waitzinger Kellers – und erntete stürmischen Applaus. Im Jugendstiltheater der Kreisstadt zeigte sich erneut, wie geeignet der Saal für das Format der Operette ist. Mit Orchestergraben und geräumiger Bühne, auf der sich die Akteure nach allen Regeln der Kunst entfalten können. Rudolf Maier-Kleeblatt, Intendant und musikalischer Leiter, Regisseurin Julia Dippel und das gesamte Team nahmen das begeisterte Publikum mit auf eine zweistündige Reise voller berauschender Musik, hoher gesanglicher und schauspielerischer Qualität.

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Auf dem holländischen Landschlösschen de Weert wartet seit sieben Jahren die bald volljährige Waise Julia auf die Rückkehr ihres Vetters Roderich. Bevor dieser damals nach Batavia gegangen war, hatten sich beide ewige Treue geschworen. Julias Vormund Onkel Josse nebst Tante Wimpel fürchten den Augenblick, in dem Julia selbstständig über ihr Vermögen, von dem sie es sich in den letzten Jahren gut gehen ließen, verfügen kann. Um das Geld in der Familie zu halten, wollen sie ihren Neffen August, den sie kaum kennen, mit Julia verheiraten. Da taucht plötzlich ein Fremder auf, kurz darauf ein zweiter. Dass damit allerlei Verwicklungen verbunden sind – vor allem gefühlsmäßige – liegt auf der Hand. Sie werden genüsslich ausgespielt und „ausgesungen“. So erklangen neben vielen anderen bezaubernden Melodien Ohrwürmer wie „Onkel und Tante, ja, das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht“, „Ganz unverhofft kommt oft das Glück“ oder die Welterfolge „Strahlender Mond“ und natürlich „Ich bin nur ein armer Wandergesell“.

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Rudolf Maier-Kleeblatt und Julia Dippel verstehen es vortrefflich, den Charakter der Berliner Operette, die außer für Liebesseligkeit auch für Witz und Pfiff steht, zu erhalten und gleichzeitig an unsere Zeit anzupassen. Dies gelingt mit dem Konzept der Märchenstunde, vielen parodistischen Elementen und zeitgenössischen Anspielungen. Es galt, ein fast 100-jähriges Stück modern zu bekommen. „Früher haben die Leute über etwas anderes gelacht als heute“, sagt der Intendant. Aus Sicht des Dirigenten stellt er fest: „In Bezug auf Dynamik und Tempowechsel stellt das Stück hohe Anforderungen: Es läuft nicht gleichmäßig durch, es gilt, permanent Tempo herauszunehmen und wieder anzustoßen.“

Die Inszenierung der Operette besticht mit Revue-Charakter und Anklängen ans Märchen mit viel üppigem Leben und Schwung, aber auch innigen Momenten, mit überzeugenden Einzel-, aber auch beeindruckender Mannschaftsleistung und punktgenauem Zusammenwirken von Orchestermusik, Gesang und Schauspiel. Das Bühnenbild: eine Augenweide. Opulent in Ausstattung und Farbigkeit, ohne überladen zu sein, liebevoll und kunstvoll im Detail, ohne kitschig zu sein. Geschmackvoll und prächtig auch die Kostüme.

Wer die spritzige, witzige und junge Inszenierung eines Operetten-Klassikers noch sehen möchte, hat dazu am Donnerstag, 21. März, (19 Uhr) Gelegenheit.

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