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War sie zu zurückhaltend? Wirtschaftsministerin und CSU-Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner musste Markus Söder den Vortritt lassen. 

Bedauerlich bis bizarr

So reagiert der Stimmkreis auf Aigners Ausscheiden aus dem CSU-Machtkampf

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Der Machtkampf in der CSU ist entschieden, Ilse Aigner ist aus dem Rennen. Die Reaktionen im Landkreis reichen von Bedauern bis zur Kritik am Vorgehen der Parteispitze.

Landkreis – Der Machtkampf in der CSU ist entschieden. Markus Söder soll Horst Seehofer als Ministerpräsident beerben (wir berichteten). Ilse Aigner ist damit aus dem Rennen. Für viele Beobachter nicht überraschend, ist es doch zuletzt eher ruhig geworden um die Führungsambitionen der Wirtschaftsministerin aus dem Stimmkreis Miesbach. Und das, obwohl sie lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für Seehofers Nachfolge gehandelt wurde. Wir haben Politiker und Mitglieder verschiedener Parteien aus dem Landkreis um eine Einschätzung gebeten.

Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) gibt zu, dass er sich eine andere Entscheidung gewünscht hätte. „Ich bedauere es, dass Ilse Aigner Markus Söder den Vortritt gelassen hat“, sagt Hagn. Er schätze die „unaufgeregte und verlässliche Art“ der Wirtschaftsministerin sehr. „Ich hoffe, dass sie stellvertretende Ministerpräsidentin bleibt“, sagt Hagn. Erleichtert ist der CSU-Ortsvorsitzende, dass die Personaldebatte beendet ist. Dennoch hätten die Mitglieder des Ortsverbands den Umgang Seehofers mit Aigner kritisch gesehen. Jetzt würden sie sich einen „gescheiten Wahlkampf“ wünschen. Zuerst aber gelte es, den Landesparteitag abzuwarten. „Ein Ministerpräsident wird nicht in kleiner Runde bestimmt.“

Darauf verweist auch Thomas Danzer, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Miesbach aus Hausham. Das letzte Wort habe 2018 der Wähler. „Auch die SPD hat gute Landtagsabgeordnete“, sagt Danzer, der durch einen Ministerpräsidenten Markus Söder den Einfluss des Landkreises deutlich geschwächt sieht. „Herr Söder hat andere Seilschaften“, sagt Danzer. Eine zweite Chance für Aigner im Fall eines Scheiterns von Söder sieht Danzer nicht. „Da ist sie zu spät dran. So ein Theater kann sich selbst die CSU nicht zwei Mal leisten.“

Kein gutes Haar am Vorgehen der CSU-Spitze lässt die FDP-Kreisvorsitzende Ursula Lex. In selbstherrlicher Manier habe man Söder zum Ministerpräsidenten gekürt, ohne das Wahlergebnis zu kennen. „Das ist kein Politikstil“, schimpft Lex. Dass Aigner den Kürzeren gezogen hat, findet die FDP-Kreisvorsitzende schade. „Sie ist eine sympathische Frau.“ Vielleicht habe sie aber gerade deshalb keine Chance gehabt. „Frauen haben es schwer gegen die Alphatiere in der CSU“, sagt Lex. Ihre bisweilen eher zögerliche Art sei Aigner zusätzlich zum Verhängnis geworden.

So weit will Robert Wiechmann, Kreisrat der Grünen und Dritter Bürgermeister in Holzkirchen, nicht gehen. „Ich kenne Frau Aigners Beweggründe nicht“, sagt Wiechmann. Sehr wohl eine Meinung hat der Grünen-Politiker zum Vorgehen der CSU-Spitze – und eine sehr klare noch dazu. Als „bizarr und befremdlich“ bezeichnet er die fast „dynastisch“ anmutende Entscheidung und Bekanntgabe von Seehofers Thronfolger. Dies habe ihn eher an ein „Kleinsultanat“ als an eine Demokratie erinnert. Zur Personalie Söder hält sich Wiechmann bedeckt. Er sagt nur: „Er ist ein angenehmer Gegner für uns.“

Michael Pelzer, Kreisrat der Freien Wähler und Altbürgermeister aus Weyarn, tut sich schwer, der Entscheidung pro Söder etwas positives abzugewinnen. Eine Ministerpräsidentin Aigner wäre ein „Glücksfall für die bayerische Politik“ gewesen, meint Pelzer. „Sie führt Menschen zusammen und ist geerdet.“ Gerade dies sei in Zeiten des Vertrauensverlusts vieler Bürger in die Politik wichtiger als Ellenbogen und Durchsetzungskraft. Dass die Wahl nun auf Söder gefallen sei, zeige, „dass die CSU bei der Auswahl von Politikern leider auf die falschen Eigenschaften setzt“.

Eher nüchtern als euphorisch sieht Verena Assum, Kreisvorsitzende der Jungen Union (JU), das Ergebnis der Personaldebatte in der CSU. „Das ist ein Vorschlag, mit dem man arbeiten kann“, sagt Assum. „Söder hat es im Kreuz.“ Sie sei aber auf das „Wie“ gespannt. Die JU-Kreisvorsitzende spielt dabei auf Söders Ankündigung an, als Teamspieler agieren zu wollen. Also die Rolle zu spielen, die bislang eher Aigner zugesprochen wurde.

„Sie ist eben keine Selbstdarstellerin“, sagt Assum über die Wirtschaftsministerin. Ein Grund, warum sie sich letztlich nicht gegen Söder durchsetzen konnte? Nein, meint Assum. Aigner habe sich im Sinne einer guten Zusammenarbeit in der CSU bewusst zurückgenommen. Einen Machtverlust für Aigner fürchtet die JU-Kreisvorsitzende nicht: „Man kann auch viel erreichen, wenn man nicht in erster Reihe steht. Gerade bei Sachthemen.“

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