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Das Musikkabarett-Trio Ciao Weiß-Blau mit (v.l.) Wolfgang Hierl, Tobias Öller und Erich Kogler feierte die Premiere seiner „Bayernregeln“.

Mit neuem Programm

So rockte Ciao Weiß-Blau den Waitzinger Keller

Miesbach - Das „Finale dahoam“ ging verloren, die „Premiere dahoam“ des Musikkabarett-Trios Ciao Weiß-Blau im Waitzinger Keller war ein Erfolg. Die Besucher waren begeistert.

Fußballfans werden sich erinnern: Das „Finale dahoam“ ging damals dramatisch unglücklich verloren. Ganz anders dagegen die „Premiere dahoam“ des Musikkabarett-Trios Ciao Weiß-Blau: In ihrem Heimspiel im Miesbacher Waitzinger Keller feierten Tobias Öller, Wolfgang Hierl und Erich Kogler einen Kantersieg mit – um im Beispiel zu bleiben – vielen spektakulären Toren und einer herausragenden Spielweise. Ciao Weiß-Blau entließen die 250 Besucher im verkürzten Saal beseelt und innerlich immer noch heftig klatschend nach Hause. „Bayernregeln“ heißt das neue Programm des Trios, die Assoziation mit Bauernregeln liegt nahe. 

Leadsänger Tobias Öller ist mehrfach ausgezeichneter Kabarettist

„Wenn ein Kind in Bayern lacht, ist es nicht auf dem G 8.“ Tobias Öller ist für die Songtexte und die Zwischenmoderationen verantwortlich. Der mehrfach ausgezeichnete Kabarettist ist ein Meister des gepflegten messerscharfen Worts, steht für intelligenten Wortwitz und beißende Satire. Er schaut genau auf die Menschen im Allgemeinen und die Bayern im Besonderen – und in ihr Innenleben. Was er ausgräbt, ist Stoff für hochklassiges Kabarett, das alles auf die Schippe nimmt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist: In dem konsumkritischen Song „Billiger“ geht es um Kinderarbeit und Umweltverschmutzung. Man könne vom Supermarkt auf das politische Geschehen in den USA schließen, wo man – leider – auch eine „Billiglösung“ bevorzugte. 

Dabei arbeiten die drei nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern mit feiner, spitzer Klinge. Sie singen über eine „Traumhochzeit“, die Begleitumstände des „Après-Ski“, die Folgen ungeschützten Verkehrs in „Bitte, bitte“, bayerisches Brauchtum im „Fensterlkönig“, die Regenbogenpresse in „Rätselheft“ und vieles mehr. Manchmal, wie beim „Lenze“, der verzweifelt die Frau fürs Leben sucht, schwingt Mitgefühl mit. Das tut der Vorstellung gut und die Gefahr, ins Seichte abzugleiten, kommt so erst gar nicht auf. „Irgendwann, Lenze, kommt die Richtige, dann passiert ois von alloa.“ 

Wolfgang Hierl und Erich Kogler sind beide Absolventen des Richard-Strauß-Konservatoriums

Ist Leadsänger Öller selbst eine Bank an der Rhythmusgitarre, so sorgen seine Musikerkollegen Wolfgang Hierl und Erich Kogler – beide Absolventen des Richard-Strauß-Konservatoriums und Meister an ihren Instrumenten – für die ausgefeilten Arrangements und das hohe musikalische Niveau. Mit ebenso gefühlvollen wie fetzigen Intros, Soli (mal rockig-druckvoll, mal spanisch anmutend, und eins erinnert an Santana) und Zwischenspielen auf der elektrischen und akustischen Gitarre, dem raffinierten Einbau des Loopers, der zuvor selbst erzeugte Rhythmen als Schleife wiedergibt, und seiner spielerisch leichten Performance zeigt Hierl seine Virtuosität. 

Kogler, der auch Leiter der Musikschule Tegernseer Tal ist, glänzt mit seinem unerschütterlichen Groove und seinem scheinbar mühelosen und lässigen Spiel auf dem Kontrabass, mit dem er – gezupft, gestrichen oder gar als Schlagzeug benutzt – geradezu verwachsen scheint. Sein sonorer Bass erdet den glasklaren dreistimmigen Gesang des Trios, seine Mimik und Gestik lassen den Zuhörer immer wieder schmunzeln. Oft überrascht das Trio mit plötzlichen, unerwarteten Tempo-, Rhythmus- und Lautstärkewechseln, sodass der dramaturgische Spannungsbogen zu keiner Zeit erlahmt.

Bei Ciao Weiß-Blau ergibt eins plus eins plus eins nicht drei, sondern mehr – viel mehr. Hier schlägt der Synergieeffekt voll zu, und hier haben sich drei leidenschaftliche Künstler zusammengetan, die sich mögen, perfekt harmonieren, ihren Spaß auf der Bühne auf das Publikum übertragen. Die drei sind auf dem besten Weg, das Bayernland von Miesbach aus musikkabarettistisch zu erobern.

Reinhold Schmid

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