Viel Energie von oben: Die Solaranlage auf der Destillerie Lantenhammer war die leistungsstärkste, die im Jahr 2020 im Landkreis Miesbach in Betrieb gegangen ist.
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Viel Energie von oben: Die Solaranlage auf der Destillerie Lantenhammer war die leistungsstärkste, die im Jahr 2020 im Landkreis Miesbach in Betrieb gegangen ist.

Fachfirmen im Corona-Jahr 2020 gut ausgelastet

Solar-Boom im Landkreis Miesbach: Jährlicher Zubau mehr als verdoppelt

Für die Solar-Firmen im Landkreis scheint die Pandemie ihr gutes zu haben. 2020 war ein erfolgreiches Jahr aus Sicht der Fotovoltaik-Branche.

Landkreis – Fotovoltaik boomt, womöglich auch wegen Corona. Im Landkreis Miesbach ist die Zahl der neu installierten Anlagen im Jahr 2020 in die Höhe geschnellt. Waren es in den Jahren zuvor noch 121 beziehungsweise 126 gewesen, gingen im Corona-Jahr 298 Anlagen ans Netz. Das geht aus Zahlen der Bundesnetzagentur hervor. Die sind verlässlich, weil es inzwischen eine Meldepflicht gibt beziehungsweise ohne Anmeldung weder Förderung noch Einspeisevergütungen fließen.

Solar-Boom im Landkreis Miesbach: Jährlicher Zubau mehr als verdoppelt

Gute Erntemöglichkeit: Das Solarpotenzialkataster weist die Gebäude des Landratsamts Miesbach als gut geeignet für Solaranlagen aus. Je dunkler das Rot, desto höher die Sonneneinstrahlung. Auf dem Dach des Ausländeramts (oben l.) wird tatsächlich bereits Strom geerntet.

Die Nummer eins im Landkreis ist die größte Kommune Holzkirchen. 43 neue Anlagen sind vergangenes Jahr in Betrieb gegangen, wie die Gemeindewerke bestätigen. Weitere vier fallen in den Zuständigkeitsbereich der Bayernwerke, die das Netz etwa in Hartpenning oder Teilen Föchings betreiben. Gemessen an der Gemeindegröße ist Fischbachau weit vorne dabei. 49 neue Anlagen den vergangenen drei Jahren bedeuten Platz drei im Landkreis-Ranking. Auch dort gab es 2020 einen gewaltigen Schub: 29 neue Anlagen verzeichnet die Bundesnetz-Agentur. Zuvor waren es neun beziehungsweise elf gewesen.

Die Gründe für den Solar-Boom sind vielfältig. Thomas Grassinger, Geschäftsführer der Firma Elektro Solar Service (ESS) in Otterfing, glaubt: „Viele wollen unabhängiger werden.“ Etwa vom ständig steigenden Strompreis. Im vergangenen Jahr könnte auch die Corona-Pandemie eine Rolle gespielt haben. Viele Menschen hatten etwa wegen Kurzarbeit mehr Zeit und sich da um das eigene Zuhause gekümmert. Womöglich hat auch die Angst vor einer Inflation eine Rolle gespielt, mutmaßt Grassinger. Und auch der Umweltgedanke. Jedenfalls haben die Elektrofachfirmen gut zu tun. „Wir können uns nicht beschweren“, sagt Grassinger. Wer sich heuer eine Fotovoltaik-Anlage aufs Dach bauen lassen möchte, hat womöglich schlechte Karten. Termine sind rar.

Solar-Boom im Landkreis Miesbach: Fachfirmen im Corona-Jahr 2020 gut ausgelastet

Die durchschnittliche Nettonennleistung der neuen Anlagen liegt bei etwas über zehn Kilowatt. Damit, so sagt Grassinger, lassen sich bei ertragreicher Süd-Ausrichtung im Jahr um die 10 000 Kilowattstunden Strom erzeugen – deutlich mehr als ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt benötigt. Wobei üblicherweise mehr als die Hälfte des Stroms eingespeist wird. Der Eigenverbrauch, so der ESS-Chef, bewege sich üblicherweise bei 30 bis 40 Prozent. Steigern kann man den Anteil, in dem man große Stromverbraucher wie Waschmaschinen und vor allem Wäschetrockner in den Nachmittagstunden betreibt – natürlich nur bei Sonnenschein. Eine Start-Zeit-Vorwahl gehört bei den Geräten längst zum Standard.

OrtSumme201820192020
Holzkirchen101312347
Miesbach53131228
Fischbachau4991129
Gmund416926
Schliersee417727
Hausham379919
Weyarn3512815
Rottach-Egern3141215
Otterfing294322
Waakirchen295816
Irschenberg226412
Warngau224711
Valley162410
Kreuth12417
Bad Wiessee11254
Tegernsee10325
Bayrischzell6015

Das erhöhte Interesse hatte sich schon Anfang des Jahres abgezeichnet. So sprach die Klimaschutzmanagerin des Landkreises, Veronika Halmbacher, in ihrem Zwischenbericht im Umweltausschuss des Kreistags davon, dass die Energieberatungstermine, die die Verbraucherzentrale einmal monatlich im Landratsamt anbietet, sehr gut angenommen würden. Und seit September ist das Solarpotenzialkataster (www.solare-stadt.de/kreis-miesbach) online. Dort lässt sich für jedes Hausdach im Landkreis ablesen, ob die Fläche für eine Sonnenernte geeignet ist.

Die Solarenergie als eine Säule der Energiewende ist nach einer jahrelangen Flaute wieder etwas in Schwung gekommen. 2009 bis 2012 waren regelrechte Boomjahre. Damals war es die attraktive Einspeisevergütung. Jetzt gehören Fotovoltaikanlagen fast schon zum Standard bei Neubauten – und gebaut wurde und wird momentan bekanntlich viel. Zudem sind, so heißt es seitens der Bürgerstiftung Energiewende Oberland, die Preise für die Module gesunken.

Und wer baut da? In erster Linie sind es Privatpersonen, aber auch Firmen. Gebietskörperschaften waren in den vergangenen drei Jahren zurückhaltend. In der Liste der Bundesnetzagentur tauchen auf: die Stadt Miesbach (Bauhof), die Gemeinden Weyarn (vier Anlagen), Warngau und Valley, die Gemeindewerke Holzkirchen (Frischeküche), das E-Werk Tegernsee (fünf Anlagen) und das Landratsamt (Realschule Miesbach).

von Daniel Krehl

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