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Da geht noch mehr: Fotovoltaik- und Solarthermieanlagen sind im Landkreis – hier ein Luftbild bei Warngau – schon recht verbreitet. Das Potenzial ist aber noch erheblich größer.

Landkreis stellt Potenzialkataster zur Verfügung

Wirtschaftlich oder nicht? Online-Plattform soll Fragen zu Solaranlagen beantworten

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Lohnt sich eine Solaranlage? Um diese Frage zu beantworten, genügt bald ein kurzer Blick ins Internet. Der Landkreis will hier eine Plattform bereitstellen.

Landkreis – Oben brutzelt die Sonne ungenutzt aufs Dach, unten das Spiegelei in der Pfanne – mit Strom aus der Steckdose. Nicht nur aus Sicht der Ökobilanz ein ungutes Verhältnis, sondern oft auch im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit. Denn wer die Gratis-Energie vom Himmel einfängt, braucht sie nicht teuer aus dem Netz einkaufen. Die erforderliche Technik ist längst gut etabliert: Fotovoltaik. Und doch ist sie im Landkreis noch nicht wirklich verbreitet.

Gerade einmal 5,8 Prozent der Dachflächen waren zum Zeitpunkt der letzten Erhebung 2014 mit den stromerzeugenden Modulen bedeckt, erklärte Elisabeth Freundl von der Energiewende Oberland (EWO) kürzlich im Umweltausschuss des Kreistags. Dabei schlummere gerade hier noch viel Potenzial, um die Klimaziele des Landkreises zu erreichen. „Über Fotovoltaik könnten wir einiges abdecken“, sagte Freundl. Eine Anlage auf jedem zweiten Dach (also eine Quote von 54,3 Prozent) würde reichen, um im Jahr 2035 autark von fossilen Stromquellen zu werden.

An der Optik der glänzenden Platten störe sich mittlerweile kaum mehr jemand, meinte die EWO-Expertin. Da die Module auf bereits bestehenden Häusern montiert würden, würden sie keine Landschaftsveränderungen verursachen. Nicht zuletzt deshalb genieße Fotovoltaik die größte Akzeptanz in der Bevölkerung. „Das tut keinem weh“, so Freundl.

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Ein größerer Hemmschuh ist da die Wirtschaftlichkeit – beziehungsweise ihre Berechnung. Da sind die Hausbesitzer bislang auf externe Berater angewiesen. In anderen EWO-Landkreisen genügt stattdessen ein Blick ins Internet. In einem Solarpotenzialkataster ist jedes Dach erfasst. Nach nur wenigen Mausklicks erhält der Nutzer eine erste Aussage, ob sich eine Fotovoltaik- oder Solarthermie-Anlage für seinen Haushalt rentieren würden.

Höchste Zeit, so etwas auch im Landkreis Miesbach anzubieten, fanden die Gemeinde- und Stadträte im Tegernseer Tal und machten sich in einem Schreiben an Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) dafür stark. Bei Freundl rannten die Kommunalpolitiker damit offene Türen ein: „Das steht schon lange im Klimakonzept“, sagte sie.

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Trotz der einfachen Handhabung mittels interaktiver Karten seien die Ergebnisse der Analyse des Solarpotenzialkatasters sehr genau, erklärte die neue Klimaschutzmanagerin des Landkreises, Mona Dürrschmidt (siehe Kasten). Nicht nur Sonneneinstrahlung und Schattenwurf auf den Dächern würden eingerechnet, sondern auch empirische Wetterdaten. Kombiniert mit Informationen aus dem Liegenschaftsverzeichnis und von 3D-Modellen des Vermessungsamtes ergebe sich ein umfassendes Bild über die Energieausbeute am jeweiligen Standort.

Um die Wirtschaftlichkeit berechnen zu können, würden die Interessenten auch nach Fakten wie Personen, E-Autos oder Stromspeicher im Haushalt befragt. Gerade letzteres wird angesichts der in den vergangenen Jahren stark gesunkenen Einspeisevergütung immer wichtiger.

Für die Bürger ist die Nutzung des Solarpotenzialkatasters gratis. Den Landkreis werde die Anschaffung 13 100 Euro gekostet, erklärte Dürrschmidt. Noch vor ein paar Jahren wären rund 100 000 Euro fällig geworden, fügte Freundl an. Hinzu kämen jährliche Instandhaltungskosten von 1800 Euro sowie eine Pauschale von 500 Euro für die Bereitstellung der Daten vonseiten des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung hinzu. Die Energiewende-Expertin und die Klimaschutzmanagerin baten den Umweltausschuss, dem runden Tisch für den Kreishaushalt 2020 die Bewilligung der Einmalkosten zu empfehlen. Die laufenden Summen könne man über das Budget des Klimaschutzbeirats abrechnen.

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Im Gremium erhielt das Kataster einhellige Zustimmung. Es sei gut, die Dächer wieder verstärkt in den Fokus zu nehmen anstatt Freiflächen „zuzupflastern“, fand Michael Lechner (Freie Wähler). Als „Katalysator“ für den Klimaschutz im Landkreis bezeichnete Thomas Mandl von der SPD die Idee. „Das macht die Verbraucher mündiger.“ Gerhard Waas von den Grünen empfahl aber, die Nutzer des Katasters auf eine professionelle Folgeberatung hinzuweisen.

Dies sei bereits vorgesehen, antwortete Freundl. Man werde einen Link zum Solarcheck der Verbraucherzentrale einbauen. Nicht nur deshalb war Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) überzeugt: „Das ist ein weiterer Schritt Richtung Energiewende. Und das ist jeden Euro wert.“

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