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Leerer Altar: Aushilfspfarrer werden in Miesbach wohl zur Dauerlösung.

Gläubige müssen vorerst weiter mit Aushilfen leben

Ordinariat stellt die Pfarrersuche für Miesbach ein

Miesbach - Seit dem Sommer steht Miesbach ohne Stadtpfarrer da - immer wieder mussten Aushilfspriester einspringen. Inzwischen arbeitet das Ordinariat aber an einer ganz anderen Lösung.

Wenn Mesnerin Brigitte Denz die Glocke zum Beginn des Gottesdienstes läutet, blicken die Miesbacher Kirchgänger gespannt in Richtung Sakristei. Wer wird diesmal die Messe halten? Einer der drei Aushilfspriester oder doch ein der Kreisstadt noch unbekannter Geistlicher? So oder so: Über einen Mangel an Abwechslung an Altar und Ambo konnten sich die Gläubigen in Miesbach in der Weihnachtszeit nicht beklagen. Kein Wunder, hat das Erzbischöfliche Ordinariat doch noch immer keinen Nachfolger für den im Sommer nach Neubiberg abgewanderten Stadtpfarrer Stefan Füger gefunden. 

„Wir haben unser Angebot an Gottesdiensten fast lückenlos aufrecht erhalten“

Die Auswirkungen auf die Kirchgänger halten sich noch in Grenzen. „Wir haben unser Angebot an Gottesdiensten fast lückenlos aufrecht erhalten“, sagt Haushams Pfarrer Michael Mannhardt, der den Pfarrverband Miesbach-Parsberg übergangsweise mitbetreut. Eine „meisterliche Gemeinschaftsleistung“, an der von den Pfarrsekretärinnen über die Pastoralreferenten bis hin zu den Diakonen und Aushilfspriestern alle ihren Anteil hätten. „Alle ziehen voll mit“, sagt Mannhardt. Auch die Planungen für das neue Miesbacher Pfarrheim würden weiter voranschreiten. Doch die Kräfte seien endlich, die Personaldecke dünn. So bestünde das Miesbacher Seelsorgeteam mit Diakon Franz Mertens und den beiden Pastoralreferenten Kathrin Baumann und Johannes Mehringer ausschließlich aus Teilzeitkräften. „Aufs Überstundenkonto darf derzeit keiner schauen“, sagt Mannhardt. 

Im Pfarrverband sind derzeit vor allem Flexibilität und Organisationstalent gefragt

Unermüdlich waren Mertens, Baumann und Mehringer bei den vielen Gottesdiensten der vergangenen Wochen im Einsatz. „Wir wollen in der Kirche präsent sein“, sagt Baumann. „Diese Kontinuität ist uns wichtig.“ Ein Anker in einer Zeit, in der im Pfarrverband vor allem zwei Dinge gefragt sind: Flexibilität und Organisationstalent. Mindestens vier Wochen im Voraus legen die Pfarreimitarbeiter das jeweilige Gottesdienst-Team fest. Die „normalen“ Sonntagsmessen teilen sich die Ruhestandspfarrer Josef Winkler aus Frauenried und Monsignore Erich Schmucker aus Birkenstein sowie Priester Dr. Georg Lichtenberg untereinander auf. „Wir setzen uns regelmäßig zusammen und sprechen das ab“, erklärt Baumann. Bei Taufen oder Trauungen springt auch mal Diakon Mertens ein, bei Beerdigungen ist Baumann selbst gefragt. Sollte es zu Engpässen kommen, biete man nach Möglichkeit eine Wort-Gottes-Feier mit Kommunionausteilung an, so wie an Heilig-Abend in Parsberg. 

„Miesbach braucht wieder einen festen Priester, der hier regelmäßig Gottesdienste abhält“

Richtig kompliziert wurde es dann von Weihnachten bis Heilig-Drei-König. Bereits zwei Monate im Voraus telefonierten sich die Pfarrsekretärinnen die Finger wund, um freie Priester nach Miesbach zu locken. Manchmal fast ein Ding der Unmöglichkeit, berichtet Baumann: „Jeder, der eine Messe halten kann, ist in diesen Zeiten vergeben.“ Doch der Einsatz zahlte sich aus. Mit Monsignore Thomas Schlichting und Pater Johannes Steinmeier aus München sowie dem Stellvertretenden Leiter des Münchner Priesterseminars, Benjamin Gnan, konnten sie alle wichtigen Gottesdienste besetzen. Zu einer Dauerlösung dürfe das aber nicht werden, meint Baumann. „Miesbach braucht wieder einen festen Priester, der hier regelmäßig Gottesdienste abhält.“ 

Mittlerweile ist die Stelle gar nicht mehr ausgeschrieben

Das ist derzeit jedoch mehr als unwahrscheinlich. Laut Mannhardt hat das Ordinariat die Stelle mittlerweile gar nicht mehr ausgeschrieben. Das wundert den Haushamer Pfarrer nicht. „Wenn so lange niemand angebissen hat, wäre es sehr überraschend, dass sich daran plötzlich etwas ändert.“ Dennoch sei dem Ordinariat die schwierige Lage in Miesbach bewusst. Inklusive dem Kardinal sei allen klar, dass man diese „Sondersituation“ zeitnah lösen müsse. Laut Mannhardt wird gerade überlegt, der Personalnot im Pfarrverband auch ohne neuen Pfarrer beizukommen. Welche Varianten dafür infrage kommen, kann Mannhardt noch nicht sagen. Eines steht für ihn aber fest: „Um einen neuen Mitarbeiter kommen wir eigentlich nicht herum.“

sg

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