Sorgerechts-Streit in Holzkirchen

Nach Gerichtsverhandlung: Verärgerung über Jugendamt

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Wut, Unverständnis, Enttäuschung: Im Jugendamt geht es emotional zu. Ein eskaliertes Gespräch landete kürzlich vor Gericht. Auch die Reaktionen darauf waren emotionsgeladen. Das Jugendamt Miesbach erklärt sich.

Miesbach – Ein Fall, der kürzlich am Miesbacher Amtsgericht verhandelt worden ist, hat zu Diskussionen im Internet geführt. Leser machten dort ihrem Ärger über Jugendämter im Allgemeinen Luft und kritisierten deren Entscheidungen. Zumeist kaum Berücksichtigung findet bei derartigen Diskussionen die Tatsache, dass den Entscheidungen rechtliche Vorgaben zugrunde liegen.

Im konkreten Fall war es darum gegangen, dass Werner N. aus Holzkirchen im Miesbacher Jugendamt die Nerven verloren hatte, weil er seine Stief-Enkeltochter nicht bei sich aufziehen darf. Die Hintergründe blieben unklar. Nur so viel steht fest: Der Mann ist sauer und kann das Vorgehen der Behörden nicht nachvollziehen.

Das Jugendamt kann sich zu dem Fall nicht konkret äußern. „Aus datenschutzrechtlichen Gründen“, wie Gerhard Brandl, stellvertretender Pressesprecher am Landratsamt, sagt. Er erklärt nur: „Tatsache ist aber, dass bei stabilen Familienverhältnissen keine Fremdunterbringung erforderlich gewesen wäre.“ Das Mädchen war damals in eine Pflegefamilie gebracht worden, nachdem die leibliche Oma gestorben war, bei der das Kind lebte. Dem Stief-Großvater Werner N. wurde es verwehrt, das Mädchen allein aufzuziehen.

Die Entscheidung liegt in solchen Fällen beim Familiengericht. Dass eine Person, die nicht mit einer anderen verwandt ist, für diese das Sorgerecht bekommen kann, „ist aber dem Grunde nach möglich“, sagt Brandl. Im konkreten Fall war es nach Ansicht der Verantwortlichen nicht geboten. In der Folge rastete Werner N. bei einem Gespräch im Jugendamt aus, drohte mit Mord und damit, das Amt in die Luft zu sprengen. „Es kommt leider immer wieder vor, dass Mitarbeiter verbale Attacken, Beleidigungen und Drohungen ertragen müssen“, sagt Brandl. Sogar tätliche Angriffe gebe es, wenn auch selten.

Hausverbot und – wie im Fall von Werner N. – eine Strafanzeige können die Folge sein. Meist würde es den Mitarbeitern aber gelingen, die Situation zu beruhigen. Brandl hat für die Ausraster einiger Betroffener eine Erklärung. Aufgabe des Jugendamts sei schließlich, eine Gefährdung des Kindeswohls abzuwenden, wenn die sorgeberechtigten Eltern dazu nicht selbst in der Lage sind. „Das erfordert zuweilen auch Eingriffe in das Elternrecht oder Maßnahmen gegen den Willen der Eltern.“ Oder eben der Großeltern.

Im Internet war Jugendämtern auch vorgeworfen worden, gegen die Wünsche von Kindern zu handeln. Brandl sagt hierzu, dass die Mitarbeiter des Jugendamtes regelmäßig mit jenen Kindern Kontakt haben, die in „fremde“ Obhut gebracht werden. Auch im konkreten Fall von Werner N. „Sie versuchen, den Wünschen des Kindes im vertretbaren Umfang nachzukommen“, erklärt Brandl. Die Enkelin von Werner N. lebt jetzt im Heim. Er hat angekündigt, dass er weiter darum kämpfen will, das Mädchen wieder zu sich zu holen.

Unterdessen hat sich bei unserer Zeitung allerdings auch eine Person aus dem Umfeld der Familie gemeldet. Diese findet, das Jugendamt habe in dem bekannt gewordenen Fall „absolut richtig“ gehandelt.  

nip / dak

Rubriklistenbild: © dpa

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