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Wichtige Lebensader für einen modernen Landkreis: Wenn kein Strom mehr durch die Leitungen fließt, ist die Infrastruktur schon nach wenigen Tagen gefährdet. 

Richtig schlimm wird es ab Tag 3...

Spannende Simulation: So dramatisch wäre ein mehrtägiger Blackout im Landkreis

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Stromausfall - das klingt zunächst harmlos. Doch was passiert, wenn nach drei Tagen immer noch der Saft weg ist? Dazu wurde nun eine Simulation vorgestellt - mit schlimmen Details.

Landkreis – Lichter gehen aus, Fernseher und Computer schalten ab. Diese Bilder haben die meisten Menschen im Kopf, wenn sie an einen Stromausfall denken. Im Normalfall dauert so ein Ereignis hierzulande nur ein paar Minuten, im schlimmsten Fall auch wenige Stunden. Doch was passiert, wenn der Strom einmal länger weg bleibt? Und das nicht nur in einzelnen Straßenzügen oder Ortsteilen, sondern im gesamten Landkreis? Etwa durch eine Naturkatastrophe oder einen Terroranschlag verursacht? Dann spricht man gemeinhin von einem sogenannten Blackout. Und der kann schon nach vier Tagen katastrophale Folgen haben.

Ein mögliches Schadensprotokoll hat das Landratsamt Miesbach kürzlich ausgearbeitet. Anstoß war eine Aufforderung des Bundes an alle kommunale Gebietskörperschaften Deutschlands, ihre kritische Infrastruktur (KRITIS) zu durchleuchten, erklärte Christian Pölt, Leiter des Fachbereichs 24 Öffentliche Sicherheit und Gewerbe am Landratsamt, nun in der Sitzung des Kreisausschusses. „Es geht darum, mögliche Schwachpunkte aufzudecken und sie auszubessern, um länger autark arbeiten zu können“, so Pölt.

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Die Simulation gleicht dabei fast einem Katastrophenfilm. Nur, dass sie nicht der Fantasie eines Drehbuchautors entsprungen ist, sondern auf wissenschaftlich fundierten Daten beruht. Und die besagen, dass sich der Landkreis bereits nach drei Tagen ohne Strom in einer äußerst kritischen Lage befindet. Mit jeder weiteren Stunde dreht sich die Spirale immer schneller, Menschen sterben, Tiere verenden, die Sachschäden explodieren.

Der erste Einschnitt erfolgt bereits nach zwei Stunden. Das Mobilfunknetz bricht zusammen, weil die Masten keinen Saft mehr haben. „Dann sind auch keine Notrufe mehr möglich“, erklärte Pölt. Heißt: Schon jetzt befinden sich Menschen in ernster Gefahr. Weil die Kassensysteme nicht mehr funktionieren, liegt zudem ein Großteil des Einzelhandels lahm. Ganz zu schweigen von produzierenden Firmen. Ihnen drohen mitunter sogar Vertragsstrafen, wenn sie nicht rechtzeitig liefern können – und damit ein wirtschaftlicher Schaden in Millionenhöhe.

Weitere Stunden später steht auch die Wasserversorgung vor dem Zusammenbruch. Ohne Strom können die Brunnen und Pumpen nicht mehr arbeiten. Der Wasserspiegel sinkt, Keime gelangen in die Rohre. In die Gasleitungen hingegen dringt Luft ein, wodurch Heizungsanlagen ihren Betrieb verweigern können.

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Nach 72 Stunden hat die Lage dann im großen Stil existenzgefährdende Ausmaße erreicht. Weil Melkmaschinen und Stall-Belüftungssysteme still stehen, verenden landwirtschaftliche Nutztiere in großer Zahl. Auch die Notversorgung des Krankenhauses Agatharied kapituliert. Beatmungs- und Dialyse-Geräte fallen aus, komplizierte Operationen können nicht mehr durchgeführt werden, schilderte Pölt. Lebensgefahr für eine große Zahl von Patienten.

Bei 96 Stunden – also vier Tagen – zieht das Landratsamt eine vorläufige Bilanz des Blackouts. Die Zahlen machen fallen dramatisch aus: 880 Tote, 88 Millionen Euro Schaden. Davon 54 Millionen in der Landwirtschaft, acht Millionen in der Wasserinfrastruktur, 1,5 Millionen an Industrieanlagen. Hinzu kommen die Schäden durch die Produktionsausfälle, die sich im Dienstleistungssektor auf 15 Millionen, in der Industrie auf rund 6,5 Millionen und in der Landwirtschaft auf eine Million Euro belaufen.

Damit es am Ende nicht so weit kommt, hat der Landkreis eine umfangreiche Liste an Handlungsempfehlungen erhalten. Die Bandbreite reicht von einer „Härtung“ der Notstromversorgung mit Betankungskonzepten für Aggregate bis zum Aufbau eines ausfallgeschützten Kommunikationssystems. Jede Investition zahle sich durch den Zugewinn an Sicherheit und damit durch weniger Schaden wieder aus. „Wir werden das 2019 in Abstimmung mit den Gemeinden angehen“, versprach Pölt.

Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) betonte, dass der Landkreis auch heute schon gut vorbereitet ist. Das habe nicht zuletzt der K-Fall in Zusammenhang mit dem Schneechaos im Januar gezeigt (siehe Kasten). „Wenn wir zusammenstehen, können wir alles meistern“, sagte Rzehak. „Der Landkreis ist in sicheren Händen.“

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