Christine Reitmeier, Liza Sarah Riemann
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Harte Probe für eine innige Beziehung: Christine Reitmeier (r.) und Liza Sarah Riemann zeigen im Theaterstück „Ich erinnere mich genau“, wie die Demenzerkrankung der Mutter das Verhältnis zur Tochter beeinflusst. Das Stück ist im evangelischen Gemeindehaus in Miesbach zu sehen.

„Wir erzählen keine Fachliteratur nach.“

Spannendes Projekt: Apostelkirche präsentiert Theaterstück über Demenz

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Komödie oder Drama? Ein Theater über Demenz lässt sich in keine Schublade stecken. Genau deshalb lädt die evangelische Kirchengemeinde Miesbach zum Themenabend ein.

Miesbach – Auf das große Vergessen ist niemand vorbereitet. Weder die Betroffenen selbst noch die Angehörigen. Denn eines kann selbst der beste Ratgeber nicht vermitteln: die hohe emotionale Belastung, die eine Demenzerkrankung mit sich bringt. Wie sehr das Thema die Menschen bewegt, hat nicht zuletzt der Kinoerfolg von Til Schweigers Tragikkomödie „Honig im Kopf“ gezeigt. Christine Reitmeier und Liza Sarah Riemann gehen noch einen Schritt weiter. Sie bringen den vergeblichen Kampf um die eigenen Erinnerungen auf die Bühne. „Ich erinnere mich genau“, heißt das Zwei-Personen-Stück aus der Feder von Brian Lausund, das die beiden Schauspielerinnen des Kleinen Ensembles am Freitag, 16. März, in der evangelischen Apostelkirche in Miesbach aufführen.

„Das ist ein relevantes Thema, das die Menschen weit über die Gemeindegrenzen hinaus beschäftigt“, sagt Martin Reents, der das Theater für den Themenabend „Demenz“ der evangelischen Kirchengemeinde in die Kreisstadt geholt hat. Über einen Zeitungsartikel, den er im Urlaub in Franken gelesen habe, sei er erstmals auf das Stück aufmerksam geworden. „Da habe ich mir gleich gedacht, dass das zu uns passt“, sagt Reents. Quasi als Fortschreibung der erfolgreichen Reihe „Kino in der Kirche“ folge nun das „Theater in der Kirche“.

Die beiden Schauspielerinnen begrüßen das. Bereits zwei Mal haben sie ihr Stück in einem Gotteshaus gezeigt. „Und es war immer eine ganz besondere Atmosphäre“, schwärmt Reitmeier. Es sei gut, wenn auch die Kirchen dabei helfen würden, solche Themen aufzugreifen und publik zu machen. Gerade ein Theater biete die Möglichkeit, den Zuschauern auch die Gefühlsebene der Erkrankung zu vermitteln.

Auf künstlerische Übertreibungen verzichten Reitmeier und Riemann ganz bewusst. „Das Stück ist eine sehr realistische Darstellung“, sagt Reitmeier. Eine liebevoll erzählte Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die durch die Demenz-Erkrankung der Mutter Martha (Reitmeier) auf die Probe gestellt wird. Denn Tochter Hannah (Riemann) entscheidet sich im anfänglichen Optimismus dafür, ihre Mutter selbst zu pflegen. Bald erleben die beiden das gesamte Spektrum der Emotionen. Von humorvollen-komischen Momenten bis hin zum bitteren und traurigen Ende. „Und immer sehr berührend“, sagt Reitmeier. Trotz der verblassten Erinnerung der Mutter finden die beiden einen Weg, versöhnlich voneinander Abschied zu nehmen. Eines ist den Schauspielerinnen aber wichtig: Sie haben nicht den Anspruch, medizinisch absolut exakt zu sein. „Wir erzählen keine Fachliteratur nach“, sagt Reitmeier.

Damit der medizinische Part beim Themenabend nicht zu kurz kommt, planen die Organisatoren vor dem Theater eine Infoveranstaltung im evangelischen Gemeindehaus. Hier werden Dr. Monika Singer, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie in der kbo Lech-Mangfall-Klinik in Agatharied, und Monika Bürger von der Fachstelle für pflegende Angehörige beim BRK-Kreisverband Miesbach auf Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Hilfsangebote für Demenzkranke und ihre Familien eingehen. Im Anschluss an die Impulsvorträge bleibt Zeit für Fragen aus dem Publikum, ehe eine lockere Gesprächsrunde im Foyer folgt.

Die Kombination aus fachlichem Teil und Theater stößt auch bei Bürger auf Begeisterung. „Das ist eine gute Gelegenheit, Demenz auch Nichtbetroffenen und Laien näher zu bringen“, sagt sie. Auch sie wollte das Theater bereits in den Landkreis holen. Dass es der evangelischen Gemeinde jetzt geglückt ist, freut Bürger umso mehr. Bei aller Tragik erzähle das Stück das Thema ab und an auch mit einem Augenzwinkern. „Aber ohne es zu verharmlosen.“

Der Themenabend Demenz

findet am Freitag, 16. März, in der evangelischen Kirche in Miesbach statt. Die Informationsveranstaltung im Gemeindehaus beginnt um 18.30 Uhr. Um 19.30 Uhr schließt sich die Gesprächsrunde im Foyer an. Der Vorhang für das Theater in der Kirche hebt sich um 20 Uhr. Es ist möglich, auch nur einen Teil des Abends zu besuchen. Der Eintritt ist frei.

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