Ökostrom-Anteil erstmals über 50 Prozent
+
Solaranlagen und Windräder erzeugen Ökostrom. Miesbach setzt jedoch aus Kostengründen weiterhin auf konventionell erzeugte Elektrizität.

Ausschreibung spaltet Gremium

Sparen oder Vorbild sein: Der Stadtrat Miesbach im Ökostrom-Zwiespalt

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
    schließen

Miesbach – Vorbild sein hat seinen Preis. Das hat nun im Miesbacher Stadtrat für einigen Redebedarf gesorgt. Denn die Stadt steht bei der Bündelausschreibung zur Stromversorgung vor der Wahl: Nimmt man billigen Normalstrom oder setzt man mit teurerem Ökostrom ein Zeichen? Eine Frage des Schwerpunkts.

Wer gemeinsam bestellt, kauft günstiger ein. Das gilt auch für elektrischen Strom. Deshalb übernimmt der Bayerische Gemeindetag gebündelt die Ausschreibung für seine teilnehmenden Kommunen. Miesbach beteiligt sich daran seit 2018. Und sah sich nun erneut mit einer Frage konfrontiert, die bereits vor drei Jahren für kontroverse Diskussionen gesorgt hatte.

Die Tarife, die es nun bestmöglich auszuhandeln gilt, gelten für drei Jahre, also von 2023 bis 2025. Zur Auswahl stehen herkömmlicher Normalstrom, der auch aus Kohle und Atomenergie gewonnen werden kann, sowie Ökostrom. Letzterer ist naturgemäß etwas teurer: In der Regel sind es etwa 0,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Gar 1,2 Cent pro kWh sind es, wenn der Ökostrom eine Neuanlagenquote umfasst. Dabei stammt ein Drittel davon aus Anlagen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Ein weiteres Drittel liefern Anlagen, die nicht älter als zwölf Jahre sind.

Zusatzkosten für Ökostrom

Für die Stadt bedeutet Ökostrom damit spürbare Mehrkosten. Basierend auf dem Verbrauch von 2019 – aktuell lässt sich die Kreisstadt von der Inn Energie GmbH in Simbach beliefern – sind das etwa 12 000 beziehungsweise 28 800 Euro pro Jahr – Geld, das einige nicht ausgeben wollen. Was nicht zuletzt daran gelegen haben mag, dass der Stadtrat kurz vor der Stromausschreibung seinen Haushalt 2021 und die damit verbundene Kreditaufnahme von über sieben Millionen Euro auf den Weg gebracht hatte.

Entsprechend klar lehnte Florian Ruml (FWG) die Ökostrom-Variante ab: „Grundsätzlich bin ich für die Energiewende, aber bei 7,4 Millionen Euro zusätzliche Schulden kann ich 84 000 Euro auf drei Jahre nicht vertreten. Wir finanzieren das, überspitzt gesagt, durch Schulden.“

Sparen und damit handeln

Bereits 2018 habe man sich für Normalstrom entschieden, verbunden mit dem Vorsatz, das gesparte Geld in Miesbach in die Energiewende zu stecken. „Das ist zwar passiert, aber nie ausdrücklich benannt worden“, stellte Ruml fest. „Diesmal müssen wir dem Bürger mitteilen, was wir vor Ort damit machen.“ So spare man langfristig.

Haushalt schränkt ein

Zuvor hatte Paul Fertl (SPD) die Ökostrom-Variante begrüßt: „Es steht uns gut zu Gesicht, dass wir Ökostrom einkaufen, wenn die EU den CO2-Ausstoß reduzieren will. Wir haben ja eine Vorbildfunktion.“ Markus Seemüller (FWG) ging sogar noch einen Schritt weiter. Er schlug vor, eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen mit dem Ziel, diese Mehrkosten pro Jahr vor Ort wieder einzusparen. Florian Hupfauer (FDP) beantragte dagegen, über drei Jahre je 12 000 Euro – entsprechend dem günstigeren Öko-Aufpreis – in Fotovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden zu investieren. Das Geld verbindlich in Miesbach zu investieren, unterstützte auch Dritter Bürgermeister Franz Mayer (CSU), der betonte: „Normalstrom ist das, was wir uns leisten können.“

Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) war das als Argument zu wenig. Sie verwies darauf, dass Miesbach für 28 000 Euro 960 Tonnen CO2 sparen könne – eine Menge, die sich kaum durch lokale Sparmaßnahmen erzielen lasse. An der Ablehnung der Ökostrom-Option änderte das jedoch nichts. Gegen die Stimmen der Grünen sowie von Florian Perkmann und Inge Jooß (beide SPD) wurde für Normalstrom entschieden. Allerdings sollen ab 2022 je 30 000 Euro pro Jahr für Energiesparprojekte im Haushalt berücksichtigt werden.

ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare