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Lange her: Jakob Kreidl in seinem Amtszimmer, damals noch als Landrat von Miesbach.

Fünf Jahre nach Aufdeckung

Sparkassen-Affäre um Ex-Landrat Jakob Kreidl: Jetzt startet endlich der Prozess

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Es geht um großzügiges Sponsoring und einen abgewählten Landrat der CSU: Die Miesbacher Sparkassenaffäre kommt fast fünf Jahre nach ihrer Aufdeckung Ende Oktober endlich vor Gericht.

München/Miesbach – Alles begann mit einem opulenten Fest: Zum 60. Geburtstag von Landrat Jakob Kreidl (damals CSU) öffnete die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee im August 2012, wie später bekannt wurde, das Füllhorn: Mehr als 77.000 Euro aus Bankmitteln steuerte sie zu den Feierlichkeiten bei. 

Als das im Januar 2014 ruchbar wurde, ging es Schlag auf Schlag: Bald standen auch andere seltsame Ausgaben der Bank in der Kritik: ungewöhnlich hohe Aufwandsentschädigungen für Verwaltungsräte, seltsames Sponsoring wie die Renovierung von Amtszimmern und Sitzungssälen sowie Ankäufe, die mit dem Geschäftsgebaren einer Sparkasse nicht recht in Einklang zu bringen waren. 

Geburtstag, Alm in Bayrischzell, Klosterbibliothek - all das orderte die Sparkasse

Unter anderem hatte die Sparkasse unter ihrem Vorstandschef Georg Bromme eine Alm in den Bergen bei Bayrischzell sowie das „immerwährende Nutzungsrecht“ für die renovierungsbedürftige Bibliothek (Psallierchor) im Tegernseer Kloster für Millionenbeträge gekauft.

Dieses Geschäftsgebaren wird nun zum Stoff für ein Strafverfahren. Am 24. Oktober beginnt nach Informationen unserer Zeitung der Prozess vor dem Landgericht München II gegen den ehemaligen Miesbacher Landrat Kreidl, den Ex-Sparkassenchef Bromme sowie fünf weitere Angeklagte wegen Untreue. 

Die Staatsanwaltschaft München II hat sich, wie bereits im März bekannt wurde, für zwei getrennte Anklageschriften entschieden: eines gegen die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen, neben Jakob Kreidl und Georg Bromme sind das der damalige Vize-Landrat Arnfried Färber und der derzeitige Sparkassen-Vorstandschef Martin Mihalovits sowie drei weitere ehemalige oder noch amtierende Vorstandsmitglieder. 

Eine zweite Anklageschrift ist gegen sechs minder schwer belastete Angeklagte verfasst worden, zumeist ehemalige oder noch aktive Mitglieder des Sparkassen-Verwaltungsrats. Dazu zählen neben dem Kreuther Rathauschef Josef Bierschneider und dem Weyarner Ex-Bürgermeister Michael Pelzer auch der derzeitige Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne).

Alle Infos und Recherchen zur Affäre Kreidl finden Sie unter Sparkassen-Affäre um Ex-Landrat Jakob Kreidl: Eine ausführliche Chronologie der Ereignisse seit Dezember 2013.

Noch ist keinem der 13 Beschuldigten die Ladung zur Verhandlung vor der Wirtschaftsstrafkammer unter Vorsitz von Richter Alexander Kalomiris zugestellt worden. „Von dem Termin ist mir noch nichts bekannt“, sagte Färber unserer Zeitung. „Die Ladung liegt mir noch nicht vor.“

Disziplinarverfahren stehen ebenfalls an

Neben dem Strafprozess lasten noch weitere Verfahren auf den Beschuldigten. So kommen auf Kreidl und Rzehak sowie weitere Beteiligte Disziplinarverfahren zu, deren Ausgang vom Urteil des Strafverfahrens abhängt. Der finanzielle Verlust, den die Sparkasse durch das Geschäftsgebaren der Vergangenheit erlitten hatte, ist mittlerweile zum Teil ausgeglichen. Einen Teil übernahm die Haftpflichtversicherung der Bank. Die Alm wurde verkauft. Nur das Nutzungsrecht für die baufällige Bibliothek will niemand haben – Bromme war das einst 1,5 Millionen Euro wert. Um diesen Verlust wenigstens zum Teil wieder gutzumachen, wurden alle Bücher zu Geld gemacht.

Bezahlt hat eine Hauptfigur der Affäre, Ex-Landrat Jakob Kreidl, auch auf andere Weise: Nachdem er im Dezember 2013, kurz vor Bekanntwerden der Vorwürfe, seinen Doktortitel wegen eines Plagiats verloren hatte, musste er unter dem Druck der Öffentlichkeit erst sein Amt als Präsident des Bayerischen Landkreistag aufgeben. Bei der Landratswahl Mitte März 2014 landete er mit 15,83 Prozent abgeschlagen auf Platz vier. Der 66-Jährige lebt zurückgezogen nahe Fischbachau.

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