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Bewährungsstrafen für Bromme und Kreidl

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Von: Stephen Hank, Nina Gut

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Prozessende in Sicht: Auf Ex-Landrat Jakob Kreidl (l.) und Ex-Kreissparkassen-Vorstand Georg Bromme (r.) und deren Anwälte wartete gestern der nächste Verhandlungstag. Das Landgericht will das Verfahren kommende Woche abschließen.
Ex-Landrat Jakob Kreidl (l.) und Ex-Kreissparkassen-Vorstand Georg Bromme (r.) am 9. Mai mit ihren Anwälten auf dem Weg in den Gerichtssaal. © tp

Der Sparkassenprozess ist zu Ende: Das Landgericht München hat Jakob Kreidl zu elf Monaten, Georg Bromme zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Miesbach/München ‒ Georg Bromme (73) und Jakob Kreidl (69) eilten mit gesenkten Köpfen davon und wollten sich nicht mehr äußern. „Nein“, winkte Kreidl ab, „ich bitte um Verständnis nach acht Jahren.“ Nun ist der Prozess um die Miesbacher Sparkassenaffäre also nach langen Jahren vorbei. Der ehemalige Bank-Chef Bromme wurde vom Landgericht München II wegen Untreue in 30 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Der frühere CSU-Landrat Kreidl (69) erhielt wegen Untreue in 20 Fällen eine Bewährungsstrafe von elf Monaten. Als Bewährungsauflage muss Bromme 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten, Kreidl 200.

Richter fällen ähnliches Urteil wie ihre Kollegen 2019

Damit ist das Urteil ganz ähnlich ausgegangen wie im ersten Prozess 2019. Damals waren Bromme und Kreidl wegen Untreue zu Bewährungsstrafen von eineinhalb Jahren beziehungsweise elf Monaten verurteilt worden. Doch Bromme und die Staatsanwaltschaft legten Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) ein. Der bestätigte die Verurteilung in weiten Teilen. Einiges im Urteil hob er aber auf. In der Neuauflage ging es nun vor allem um luxuriöse Geschenke und Reisen mit Arbeitskollegen.

Bei Kreidl ändert sich nun bei der Strafhöhe nichts, bei Bromme liegt die Strafe um zwei Monate höher. Die Strafe des Ex-Sparkassenchefs erhöhte sich vor allem deshalb, weil er als Amtsträger handelte. Der Vorstand einer Sparkasse kommt nämlich einem Behördenleiter gleich. Das hatte das Gericht im ersten Prozess nicht gewürdigt. Auch sei die Initiative für all die Wohltaten vom Banker ausgegangen, der sich gerne als „spendabler Geschäftsherr“ geriert habe. Letzteres wiederum war ein Pluspunkt für Kreidl.

„Zu sparsamem Wirtschaften verpflichtet“

Das Gericht habe die Überzeugung gewonnen, „dass beide sich bewusst waren, dass sie als Organe der Sparkasse verpflichtet waren, sparsam zu wirtschaften“, sagte die Vorsitzende Renate Partin in ihrer Urteilsbegründung. Es habe sich bei den Geschenken und Reisen um Ausgaben gehandelt, die keinen Zweck für die Sparkasse hatten. Es habe auch keinen sozialen Anlass gegeben, solche Präsente zu verteilen. Auch die luxuriöse Ausstattung für Kreidls Büro im Landratsamt sei „nicht für repräsentative Zwecke der Sparkasse“ geeignet gewesen. Ebenso war ein neuer Aktenkoffer für die Dienstausübung nicht nötig.

24-teiliges Hirschbesteck für 1400 Euro

Die Vorsitzende dröselte schließlich auch alle „Gelegenheitsgeschenke zu Geburtstagen und Weihnachten“ auf. Meistens seien diese 200 bis 300 Euro wert gewesen. Doch es habe etwa auch ein 24-teiliges Hirschbesteck für 1400 Euro gegeben. Der Wert sei für einen Beschenkten oft schwer einzuschätzen. Aber Kreidl hätte auch hier „ansatzweise nachvollziehen können, dass es mindestens mehrere Hundert Euro wert war“. „Beide Angeklagte hatten wohl schon gewisse Zweifel, ob das noch sozial adäquat ist.“ Sprich: Der Unrechtscharakter war ihnen bewusst.

Partin erwähnte auch noch eine Spende an den Tiroler Jagdverband, in dem Bromme seit 1994 Mitglied ist. Zum einen verstoße die Spende gegen das Regionalprinzip. Zudem sei dem Verein gar nicht klar gemacht worden, dass die Spende von der Sparkasse komme und nicht von Bromme persönlich.

Banker hat bei Feier und Geburtstagsfeier Schwelle von 50.000 Euro überschritten

Bei der Strafzumessung fielen beim Ex-Banker dann noch zwei Punkte besonders ins Gewicht. Bei einer Geburtstagsfeier (53.000 Euro) und einer Bürgermeisterfahrt in die Schweiz (85.000 Euro) überschritt er die Schwelle von 50 000 Euro und richtete damit „erheblichen Schaden“ an. Bei Kreidl dagegen herrsche eine „andere Ausgangslage“, sagte die Richterin. Er bekam einen durchweg gemilderten Strafrahmen, da er die Geschenke „rein annahm“.

Verteidiger mit Urteil zufrieden: „maßvoll und vernünftig“

Die Verteidiger waren am Ende zufrieden mit dem Urteil. Brommes Anwalt Robert Jofer bezeichnete es als „nicht überraschend“. Im Vergleich zu den überzogenen Forderungen der Staatsanwaltschaft sei es „maßvoll und vernünftig“ ausgefallen. Kreidls Anwalt Klaus Leipold hielt die Entscheidung für ausgewogen: „Ich bin zufrieden und einverstanden.“ Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.


Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag für Bromme zweieinhalb Jahre Haft und für Kreidl eine 15-monatige Bewährungsstrafe gefordert. Die Verteidigung plädierte für beide Angeklagte auf Bewährungsstrafen, für den ersten auf 15 Monate, für den zweiten auf neun Monate. Strafmildern dürfte sich ausgewirkt haben, dass sich die beiden Angeklagten vor dem Verwaltungsrat, Bromme überdies vor dem Personalrat der Bank, entschuldigt haben.

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