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Sparkassenprozess: Bromme und Kreidl wollen sich entschuldigen - Ex-Bürgermeister sagt aus

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Von: Christian Masengarb

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In Pausen der Verhandlung am Mittwoch wirkten die Angeklagten Ex-Landrat Jakob Kreidl (l.) und Ex-Kreissparkassen-Vorstand Georg Bromme (r.), hier mit ihren Anwälten auf einem Archivbild, gut gelaunt. Ein ärztliches Attest bescheinigte Kreidl allerdings schwere Gesundheitsprobleme, die durch den Prozess entstanden sein sollen.
In Pausen der Verhandlung am Mittwoch wirkten die Angeklagten Ex-Landrat Jakob Kreidl (l.) und Ex-Kreissparkassen-Vorstand Georg Bromme (r.), hier mit ihren Anwälten auf einem Archivbild, gut gelaunt. Ein ärztliches Attest bescheinigte Kreidl allerdings schwere Gesundheitsprobleme, die durch den Prozess entstanden sein sollen. © Thomas Plettenberg

Ex-Sparkassen-Vorstand Georg Bromme und Ex-Landrat Jakob Kreidl werden sich bei der Kreissparkasse dafür entschuldigen, das Mitarbeiter unter Bromme gelitten haben.

Miesbach/München – Der ehemalige Weyarner Bürgermeister Michael Pelzer hat mit seiner Aussage im Sparkassenprozess vor dem Landgericht München II wenig Licht in die frühere Geschenkepraxis der Kreissparkasse gegenüber Mitgliedern ihres Verwaltungsrats bringen können. Präsente habe es nur bei der letzten Sitzung vor Weihnachten gegeben. Diese hätten aber nie am Platz auf die Verwaltungsräte gewartet, sagte der 74-Jährige. Die Prüfer des Sparkassenverbands und der Regierung von Oberbayern hätten nie Geschenke erhalten, weil diese nach der Sitzung vom ehemaligen Sparkassen-Vorstand Georg Bromme von einem Sideboard im Foyer verteilt worden seien, die Prüfer aber immer vorher abgereist waren. Zu konkreten Geschenken, die er erhalten hatte, bat Pelzer um Verständnis, „dass meine Erinnerung nach zwölf Jahren lückenhaft ist“. Er habe diese ohnehin nur zuhause abgestellt.

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Weyarns Ex-Bürgermeister Michael Pelzer kann sich kaum an Geschenke erinnern

Als Zeuge geladen war Pelzer, weil er von 2008 bis 2014 als Verwaltungsrat der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee die Geschenkpraktiken miterlebt hatte, wegen derer Bromme sowie der frühere Landrat und Aufsichtsratsvorsitzende Jakob Kreidl wieder auf der Anklagebank in München sitzen. Wie berichtet, hatte der Bundesgerichtshof (BGH) das erste Landgerichtsurteil aus dem Jahr 2019 weitgehend bestätigt. Geschenke an Verwaltungsräte verletzten aus Sicht des BGH aber das Gebot der Sparsamkeit und seien zu beanstanden. Seit gut einem Monat beleuchtet das Landgericht nun diese Präsente.

Die Aussage Pelzers erbrachte wenig neue Erkenntnisse. Zwar bestätigte er auf Nachfrage der Richterin doch einige Geschenke, die Aufsichtsräte von der Sparkasse bekommen hatten: je eine Champagnerflasche bei einem Bauernhofbesuch – also nicht auf der Weihnachtssitzung –, ein Hirschtuch „für die Ehefrauen“, ein Flaschenhalter. Belastend Neues berichtete er aber nicht. Aussagen vorangegangener Zeugen, es habe zur jeder Sitzung und auch am Platz Geschenke gegeben, widersprach er.

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Kreidl klagt über schwere Gesundheitsprobleme durch Prozess

Entsprechend heiter wirkte die Stimmung auf der Anklagebank. Bromme und Kreidl, beide im Anzug, scherzten in einer Verhandlungspause mit ihren Anwälten. Das Sideboard habe im Sitzungssaal und nicht im Foyer gestanden, sagte Bromme lachend zu Kreidl. Der lachte zurück und schüttelte verständnislos den Kopf.

Nach der Pause widmete sich das Gericht der Situation der Angeklagten. Bromme sagte, es gehe im „körperlich und geistig gut, psychisch der Situation entsprechend“. Kreidl legte ein Gutachten vor, dass ihm wegen des Verfahrens Herzrhythmusstörungen, eine besonders an Verhandlungstagen aufflammende Neurodermitis und Bluthochdruck bescheinigt. Er schlafe keine Nacht durch und brauche bis an sein Lebensende Medikamente.

Bromme und Kreidl werden sich bei der Sparkasse entschuldigen

Mit dem gestrigen Tag steht der zweite Sparkassenprozess kurz vor dem Abschluss. Auf die Anhörung einer weiteren Zeugin verzichteten Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Heute sollen Bromme und Kreidl an einer Sitzung des Sparkassenverwaltungsrats teilnehmen, um sich für ihr Verhalten zu entschuldigen. Die interne Aufarbeitung der Sparkasse ergab, dass Mitarbeiter unter Bromme gelitten und dessen Persönlichkeit als unangenehm empfunden hätten. Nimmt der Verwaltungsrat die Entschuldigungen der Angeklagten an, könnte sich das strafmildernd auswirken. Am Montag folgen die Plädoyers, am Mittwoch das Urteil.

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