1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

„Spaziergänge“ von Corona-Kritikern in Miesbach: Polizei lässt Alkoholkonsumverbot prüfen

Erstellt:

Von: Sebastian Grauvogl

Kommentare

Spaziergang, Miesbach, Corona
Belebter Treffpunkt: Auch an diesem Montagabend versammelten sich mehrere Hundert „Spaziergänger“ in der Miesbacher Innenstadt. Die Polizei wies auf die Einhaltung der Mindestabstände hin. © Ralf Poeplau

Die SPD gedachte der Corona-Toten, danach trafen sich Kritiker der Infektionsschutzmaßnahmen zum Spaziergang: Gleich zwei Versammlungen hatte die Polizei in Miesbach im Blick.

Miesbach – Erst in seinem Schlusssatz ließ Bernhard Altmann anklingen, dass am Montagabend wohl noch eine andere Versammlung in der Miesbacher Innenstadt stattfinden wird. „Lassen Sie sich auf dem Nachhauseweg nicht von irgendwelchen Spaziergängern provozieren“, riet der Vorsitzende der SPD Miesbach den rund 50 Teilnehmern der vom Ortsverein organisierten Kundgebung auf dem Rathausplatz, die dem Gedenken an die Corona-Toten gewidmet war.

Auf Nachfrage teilte Altmann mit, dass die SPD die Zusammenkunft keinesfalls als Reaktion auf die montäglichen „Spaziergänge“ von Kritikern der Corona-Maßnahmen verstanden wissen will. „Was keine Veranstaltung ist, braucht auch keine Gegenveranstaltung.“ Wie berichtet, werden die „Spaziergänge“ nicht als Versammlung angemeldet. Auch diesmal fanden die Teilnehmer über einen Aufruf im Online-Netzwerk Telegram zusammen. Und wie bei den vergangenen Treffen waren keine Plakate oder andere Botschaften zu vernehmen.

Polizei achtet Versammlungsfreiheit

Für die Leiterin der Polizeiinspektion Miesbach, Katharina Schreiber, handelte es sich trotzdem um eine Versammlung. „Die reine Nichtanmeldung reicht nicht für eine Auflösung aus“, erklärt Schreiber. Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit müsse man auch in diesem Fall achten. Im Umkehrschluss führe das dazu, dass die Verschärfung der Kontaktbeschränkungen für private Treffen bei den Spaziergängen nicht zum Tragen komme, sondern nur die Mindestabstände im Freien einzuhalten seien.

Auf die wies die Polizei mit Lautsprecherdurchsagen aus dem Auto hin. Zudem mischten sich Einsatzkräfte (mit FFP2-Masken) unter die laut Schreiber diesmal rund 400 Teilnehmer (ohne Mund-Nasen-Schutz), um die Lage zu beobachten. Anders als bei den vergangenen Spaziergängen konzentrierte sich das Geschehen an diesem Montag auf den Bereich vom Lebzelterberg bis zur Fraunhoferstraße und zum Marktplatz. Das Bild erinnerte fast ein wenig an das Weihnachtsgasserl, nur ohne Standl. Heißgetränke verkaufte dafür der Imbiss „Vutterkrippe“ am Lebzelterberg.

SPD, Miesbach, Corona
Gut besuchtes Gedenken: Auf Initiative der SPD Miesbach erinnerten rund 50 Teilnehmer an die Opfer des Coronavirus. © Ralf Poeplau

Um zu verhindern, dass sich die Spaziergänge künftig in einen Ersatz für die abgesagten Christkindlmärkte entwickeln, prüft das Landratsamt auf Wunsch der Polizei aktuell den Erlass eines Alkoholkonsumverbots in der Miesbacher Innenstadt. Wie Pressesprecherin Sophie Stadler auf Nachfrage mitteilt, orientiert sich Landrat Olaf von Löwis (CSU) bei der Entscheidung einer entsprechenden Allgemeinverfügung an der Gefahreneinschätzung der Polizei. „Der Infektionsschutz, gerade auch in Hinblick auf die Omikron-Mutation, hat oberste Priorität“, betont Löwis. Damit erhalte die Polizei die „gewünschte Handhabe“.

Landratsamt prüft Alkoholkonsumverbot

Bleibt die Frage nach den Kontrollen. PI-Chefin Schreiber räumt ein, dass es wohl kaum möglich sein werde, in jeden Becher zu schauen, ob dort nur Kinderpunsch oder Glühwein dampft. Man werde aber darauf schauen, dass die „Spaziergänger“ keine Bierflaschen mitführen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass ein steigender Alkoholpegel die Kontaktfreude nach oben treibe – und damit die Abstände schmelzen lässt.

Lesen Sie auch: Auch Spaziergang in Holzkirchen mit großem Zulauf

Bei der angemeldeten SPD-Veranstaltung wurden die Regeln hingegen penibel eingehalten und von Ordnern überwacht. Die Teilnehmer trugen Masken, als sie den Redebeiträgen von Altmann und Inge Jooß sowie den Saxofon-Stücken von Thomas Tomaschek lauschten. Die Corona-Opfer (bis jetzt 140 im Landkreis, rund 113 000 in Deutschland) seien nicht nur vermeidbar gewesen, sondern würden auch in der Gesellschaft fehlen, sagte Jooß. „In Familie, Beruf, Vereinen und Kirchengemeinden.“ Um ihrer zu gedenken, stellten die Teilnehmer Kerzen auf der Rathaustreppe ab. Dann gingen sie heim. Auf einen Spaziergang durch die weihnachtlich beleuchtete Innenstadt verzichteten sie an diesem Abend bewusst.

sg

Auch interessant

Kommentare