Schweres Zugunglück in Ankara: Zahlen zu Verletzten oder Toten noch unklar

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„Das war immer so, traditionell“: Bromme im Gerichtssaal.

Luxusreisen auf Kundekosten

Weil Vize-Landrat es lustig findet - Kellner muss im Schottenrock Champagner servieren

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Das Verwaltungsrat und Bürgermeister gerne auf Kosten der Sparkasse Miesbach edel reisten, ist inzwischen bekannt. Wie erschreckend ausschweifend es teils bei den Feiern zuging, kam am Montag ans Licht.

München/Miesbach – Es ist der sechste Verhandlungstag im Prozess um ausuferndes Sponsoring der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee – ein Tag, um den es um gedünsteten Weideochsen, Weinschaumsuppen und andere Spezialitäten geht, die auf den Reisen der Bürgermeister und Sparkassen-Verwaltungsräte kredenzt wurden. 

Zum Großteil auf Kosten der Sparkasse, deren ehemaliger Chef Georg Bromme Hauptangeklagter in dem Verfahren ist. Manchmal aber zahlte auch der Landkreis mit, und das ist einer der Punkte, die dem ehemaligen Landrat Jakob Kreidl zu Last gelegt wird. Untreue, Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme stehen als Strafdelikte im Raum.

Gourmet Bromme legt Speisefolgen vorab fest - Kreidl zerknirscht: „Das war zu viel“

Die Speisenfolgen, wie sie Gourmet Bromme vorab festlegte, werden an diesem Tag vor dem Landgericht München II als Beweismittel verlesen. Und man muss sagen, dass die Völlereien den Angeklagten im Nachhinein schon peinlich sind. Ja, sagt Jakob Kreidl etwas zerknirscht, er sei ja kein Weinkenner, aber ein „Sassicaia“ in der 6-Liter-Magnum Flasche für 2010 Euro sei wohl „nach den heutigen Compliance-Regeln nicht mehr möglich – das sehe ich durchaus ein“. Also „das war zu viel“. 

Auch dass die mitgereisten Ehefrauen bei der Verwaltungsratsfahrt ins Stubaital 2011 mit einem kostenlosen Beauty-Programm verwöhnt wurden, „war zu viel“. Warum reisten überhaupt Ehefrauen mit und wurden mit „erlesenem Candellight-Diner“ und Präsenten wie „kleine Sachertorte in der Spanschachtel“ bei Laune gehalten? „Das war immer so, traditionell“, sagt Georg Bromme. Dass daran irgendetwas anstößig sein könnte, „hatten wir nicht auf dem Schirm“, bekennt Kreidl. 

Weil Vize-Landrat es lustig findet - Kellner muss im Schottenrock Champagner servieren

Als der heutige Sparkassen-Chef Martin M. das Sponsoring einschränkte, wurde er von Kreidls Stellvertreter Arnfried Färber bei einem der Gelage als „Spar-Schotte“ verulkt. Zur Belustigung der Gäste musste der Kellner im Schottenrock Champagner servieren.

Hintergrund: Sparkassen-Affäre um Ex-Landrat Jakob Kreidl: Eine Chronologie der Ereignisse von 2013 bis heute

Insgesamt freilich stellten die Angeklagten das üppige Reiseprogramm eher als Studienfahrt denn als Lustreise hin. Tourismus, so doziert Kreidl, sei im Landkreis Miesbach die Haupteinnahmequelle, „da musste man sich mal umschauen“. Das taten sie 2012 im Skigebiet Interlaken, das mit seinem „Netz aus Seil- und Zahnradbahnen“ für Kreidl ein „Best-Practice-Beispiel“ darstellte. 

Die Bürgermeister hätten „enorm viele Anregungen“ mitgenommen. Ein heimischer Tourismusfachmann aber, so räumt Ex-Vize-Landrat Färber im Zeugenstand ein, sei nicht dabei gewesen. Eine Fahrt des Sparkassen-Verwaltungsrates nach Wien stellt Bromme als „übliche Kennenlernfahrt“ dar. 

Sie sei eigentlich schon 2008 angesetzt gewesen, als sich der Verwaltungsrat nach der Kommunalwahl neu zusammengesetzt hatte, sagte er. Problem: Sie fand erst 2011 statt – als sich die Räte längst kannten. Also sei der eigentliche Zweck wohl „entfallen“, folgert der Richter.

In drei Punkten, die aufgrund der Summen strafrechtlich wohl höher zu gewichten wären, können sich Bromme und Kreidl entlastet fühlen. 

Kreidl-Prozess: In diesen Punkten kann der Ex-CSU-Landrat auf Freispruch hoffen

Erstens: Der Umbau von Dienstzimmern im Landratsamt auf Kosten der Sparkasse war wohl strafrechtlich nicht relevant, hatte Richter Alexander Kalomiris vergangene Woche als Zwischenfazit verkündet. 

Zweitens: Der Kauf eines Grundstücks in Holzkirchen durch die Sparkasse und die auffällige zeitliche Nähe von Spenden des Geldinstituts an gemeindliche Einrichtungen sei nicht zu beanstanden. 

Und drittens: Auch ein Beratervertrag für Bromme nach Ende seines Vertrags als Vorstandschef 2012 war nach Meinung des Gerichts „angemessen“.

Der Prozess wird fortgesetzt. Heikle Punkte wie die verschwenderischen Geburtstagsfeiern von Färber und Kreidl auf Kosten von Sparkasse und Landkreis stehen noch auf der Tagesordnung.

Alle aktuellen Entwicklungen und Live-Meldungen aus dem Gerichtssaal lesen Sie in immer aktuell in unserem News-Blog zur Miesbacher Sponsoring-Affäre vor Gericht.

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