+
Freispruch lautete das Urteil am Ende eines kuriosen Falls.

Warum das Fluchtauto seins war - er aber nicht drin saß 

Angeklagter erzählt unglaubliche Geschichte - und bekommt Freispruch

Miesbach - Ein wegen Betrugs angeklagter Ungar aus Wiessee tischte eine schier unglaubliche Geschichte auf. Dem Staatsanwalt platzte bei Gericht der Kragen. Doch offenbar war alles wahr.

Auf der Anklagebank saß ein 40-jährige Ungar aus Bad Wiessee wegen versuchten Betrugs und fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr. Letzteres räumte der Mann auch ein. Ja, er sei im Mai dieses Jahres mit 1,22 Promille im Blut noch Auto gefahren. Für dieses Vergehen erhielt er eine Geldstrafe in Höhe von 675 Euro. 

Den Betrug allerdings gestand er nicht.

Der ereignete sich im Januar dieses Jahres im Edeka-Markt in Miesbach. Damals beobachtete eine Kassiererin einen Mann, der mit einem mit Elektronik-Artikeln im Wert von rund 440 Euro vollbepackten Einkaufswagen schon außerhalb der Kassen-Zone stand. Als er bemerkte, dass ihn die Frau im Visier hat, schnappte er sich kurzerhand zwei Blumen, um diese regelkonform an der Kasse zu bezahlen – wohl um den Betrug zu vertuschen. Auf die Frage der Verkäuferin, wo er das alles bezahlt habe, meinte er, dass er dies schon bei einer anderen Kassiererin erledigt habe. Besagte Kassiererin wusste davon aber nichts.

Noch bevor der Mann zur Rede gestellt werden konnte, rannte er aus dem Laden – den Einkaufswagen samt Diebesgut ließ er stehen. Gerade noch schaffte es die hinterher eilende Verkäuferin, sich das Kennzeichen zu notieren. Und das stimmte mit dem des Wiesseers überein. Somit fand er sich auf der Anklagebank wieder. Seine Erklärung: „Es war jemand anders.“ Doch wie aus der Sache herauskommen, wo doch der Wagen erkannt wurde?

Warum es sein Wagen war - aber er nicht schuld ist

Der 40-Jährige versuchte es damit: „Ich war in der Bahnhofskneipe in Miesbach, wo ich jemanden kennengelernt habe. Mein Auto wollte ich zu dieser Zeit gerade verkaufen, was ich dem Mann auch erzählt habe.“ Den alten BMW für 2000 Euro erlangen zu können, erschien dem neuen Bekannten des Angeklagten wohl recht günstig. Er interessierte sich für den Wagen und fragte nach einer Probefahrt. Ohne lange zu zögern, übergab der Wiesseer dem Fremden den Schlüssel für die Testfahrt. Bevor sich der Interessent aber mit dem Fahrzeug auf den Weg machte, fiel dem 40-Jährigen ein, dass er in der Zwischenzeit ja seine Pfandflaschen im Edeka abgeben könnte. Die schnappte sich der 40-Jährige noch aus dem Kofferraum, ehe der Fremde davonfuhr.

Alibi: Mit Pfandflaschen durch den Ort geschlendert

Mit den leeren Flaschen in der Hand schlenderte der Wiesseer also die ganze Strecke vom Bahnhof zum Supermarkt. Als er ankam, rief just in dem Moment seine Freundin an. Die teilte ihm mit, dass er schleunigst nach Hause kommen müsse, weil der Fernseh-Installateur da sei. Zum Pfandflaschen-Automaten schaffte es der Mann nicht mehr, vielmehr sprintete er wieder zum Bahnhof. Dort hoffte er, „einen meiner vielen ungarischen Freunde anzutreffen“, die ihn schnell nach Bad Wiessee bringen würden. Doch scheinbar hatte der Ungar Glück und war nicht auf deren Hilfe angewiesen. Denn: Sein Auto stand schon wieder unversehrt auf dem Bahnhofs-Parkplatz, der Schlüssel war in der Kneipe hinterlegt.

Staatsanwalt: "Für wie doof halten Sie uns?"

An dieser Stelle schaltete sich Staatsanwalt Braumandl ein: „Wenn man bei der Justiz arbeitet, ist man es gewöhnt, angelogen zu werden. Ich möchte aber wenigstens schön angelogen werden.“ Was der Angeklagte da erzähle, führe geradewegs in eine Geld- oder Freiheitsstrafe. „Für wie doof halten Sie uns?“, fragte er genervt. Doch der Ungar beharrte auf seinem Standpunkt.

Zeugin: "Dieser Mann war es nicht"

Dann nahm die Kassiererin auf dem Zeugenstuhl Platz. Sie schilderte den Vorfall genau so wie zuvor der Wiesseer. Am Ende ihrer Aussage aber die verblüffende Nachricht: „Der Mann auf der Anklagebank ist es nicht gewesen. Der Täter hatte lange Haare, eine sehr ungepflegte Erscheinung und einen Bart.“ Der 40-Jährige saß dagegen ohne Bart, mit kurzen Haaren und gepflegtem Äußeren im Gerichtssaal.

Was stimmt? Richter und Staatsanwalt ratlos

Stimmte die kuriose Geschichte des Wiesseers also wirklich? Hat der Mann, der sich das Fahrzeug des Ungarn für knapp 40 Minuten auslieh, den versuchten Betrug begangen? Leitner und Braumandl blieb nichts anderes übrig, als den wegen Betruges bereits Vorbestraften freizusprechen. Braumandl: „Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob sich in den vergangenen fünf Monaten etwas am Pflegestatus des Angeklagten verändert hat.“

Philip Hamm

Auch interessant

<center>Bayerischer Bikini "Bavaleo"</center>

Bayerischer Bikini "Bavaleo"

Bayerischer Bikini "Bavaleo"
<center>Bayerisches Schmankerl-Memo</center>

Bayerisches Schmankerl-Memo

Bayerisches Schmankerl-Memo
<center>Schlüzi mit Herz - der Schlüsselüberzieher</center>

Schlüzi mit Herz - der Schlüsselüberzieher

Schlüzi mit Herz - der Schlüsselüberzieher
<center>Magnet mit Kuhflecken</center>

Magnet mit Kuhflecken

Magnet mit Kuhflecken

Meistgelesene Artikel

Kommentar: Sicherheit ist kein Job fürs Ehrenamt
Im Miesbacher Stadtrat wurde über die Einführung einer Sicherheitswacht diskutiert. Diese setzt sich aus Bürgern zusammen, die ehrenamtlich auf Streife gehen, Präsenz …
Kommentar: Sicherheit ist kein Job fürs Ehrenamt
Sicherheitswacht: Bürger sollen wieder auf Streife gehen
Sechs Jahre lang lag die Idee einer Sicherheitswacht für Miesbach in der Schublade – nun wird sie wieder ausgepackt. Doch die Reaktionen sind zwiespältig.
Sicherheitswacht: Bürger sollen wieder auf Streife gehen
Einsatz im Münchner Tatort: Haushamer spielt einen Polizist 
Der Haushamer Luky Zappatta ist am Sonntag neben Batic und Leitmayr im Tatort zu sehen. Nach Rollen bei den Rosenheim Kops und Komissar Pascha spielt er nun einen …
Einsatz im Münchner Tatort: Haushamer spielt einen Polizist 
Kittenrainer: „Ein kleiner Ort muss um vieles kämpfen“
Drei Jahre nach der Kommunalwahl haben wir die neu gewählten Bürgermeister um eine Halbzeitbilanz gebeten. Diesmal erklärt Georg Kittenrainer, wie er den Spagat zwischen …
Kittenrainer: „Ein kleiner Ort muss um vieles kämpfen“

Kommentare