Sitzen? Allenfalls am Beckenrand: Um Menschenansammlungen zu vermeiden, wurden die Sitzgelegenheiten im Miesbacher Freibad abgebaut – wegen Corona. Die Besucher behelfen sich auf ihre Weise.
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Sitzen? Allenfalls am Beckenrand: Um Menschenansammlungen zu vermeiden, wurden die Sitzgelegenheiten im Miesbacher Freibad abgebaut – wegen Corona. Die Besucher behelfen sich auf ihre Weise.

CORONA-VORSCHRIFTEN - Auch künftig keine Sitzbänke im Bad – Lage wird weiter sondiert

Stadt bleibt bei striktem Kurs

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Die Verwaltung hat geprüft und hält an ihrem Kurs fest: Bolzplatz und Funcourt bleiben geschlossen, und die Besucher im Warmfreibad müssen weiterhin auf Sitzbänke verzichten.

Miesbach – Wie Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) am Donnerstag im Stadtrat eingangs berichtete, „prüft die Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt aktuelle Änderungen bezüglich der Corona-Auflagen“. Wie berichtet, hatte das Thema zuletzt im Stadtentwicklungsausschuss für Unverständnis gesorgt.

Während Spielplätze für Kinder in Begleitung Erwachsener geöffnet werden dürfen, sei dies bei Bolzplatz und Funcourt nicht möglich. Hier seien „sehr strenge Auflagen“ zu beachten. Problematisch seien vor allem die Kontaktbeschränkung auf zehn Personen und die Ermittlung der Kontaktpersonen, also das Führen einer Namensliste. Was seitens des Ordnungsamts bestätigt wurde. Dort erhalte man jeden Tag mehrere Mails, die Verstöße melden.

Bürgermeister: Einschränkungen sind hinzunehmen

Im Fall des Freibads werden die Sitzgelegenheiten weiterhin nicht aufgestellt. Auch die Rutsche bleibt geschlossen. Der Grund: Das Personal könne für das Einhalten des Mindestabstands von 1,50 Metern nicht garantieren. Ansonsten müsste eine zusätzliche Kraft eingestellt werden. Braunmiller: „Der Badbetrieb erfolgt unter Pandemie-Voraussetzungen. Einschränkungen müssen dabei leider hingenommen werden.“ Aber man werde die weitere Entwicklung im Auge behalten.

Unter dem letzten Tagesordnungspunkt Anträge folgte die Reaktion der Stadträte. „Für viele Menschen ist die Zeit gerade sehr schwierig“, erklärte Aline Brunner (FWG). Sie habe als Gastronomin viel Kontakt zu den Bürgern. „Manche sind frustriert und wünschen sich Hilfestellung.“ Daher bat sie den Bürgermeister, am Thema dranzubleiben – „auch wenn’s nervt“. Die Stadt könne die Sommerpause nutzen, um zu schauen, wie es andere machen.

Badreferent weist Kritik zurück

Badreferent Erhard Pohl (CSU) wies indes Kritik am Vorgehen der Stadt zurück. „Wir waren die Ersten, die trotz Corona das Bad aufgesperrt haben“, betonte er. Auch er werde von Leuten angesprochen, „aber mehr als 98 Prozent sind hoch dankbar, dass wir offen haben“. Als Sitzgelegenheit diene auch die Mauer im südlichen Teil des Bades. „Viele Mütter setzen sich auch an den Beckenrand – das funktioniert wunderbar. Sie müssen doch nicht auf Bänken sitzen.“

Bauhofmitarbeiter soll am Bolzplatz kontrollieren

Für Paul Fertl (SPD) mache es sich die Stadt mit Schema F zu einfach. „Ihr müsst da beweglicher sein. Wenn die Jugendlichen nichts dürfen, braucht man sich nicht wundern, wenn sie wilde Partys feiern“, sagte er mit Blick auf Bolzplatz und Funcourt. Geschäftsleiter Gerhard Führer verwies im Gegenzug darauf, dass der Bürgermeister dafür die Haftung trage. Was Braunmiller bestätigte: „Das Schadensausmaß ist hoch, wenn wir Hotspot werden. Das mache ich nicht.“

Das Argument, es fehle an einer Aufsicht, wollte Fertl so nicht stehen lassen. Er beantragte, dass ein Mitarbeiter des Bauhofs für vier Stunden am Tag Funcourt und Bolzplatz kontrolliert. Alternativ schlug Markus Seemüller vor, „dass jeder von uns 25 im Stadtrat einen Tag übernimmt – ich wäre dazu bereit.“ Zur Abstimmung kam es aber nicht. Dritter Bürgermeister Franz Mayer (CSU) sich gegen ein Votum aus, weil die Abstimmung nicht auf der Tagesordnung gestanden habe. Für die gesamte Auseinandersetzung fehle ihm das Verständnis: „Wir diskutieren hier darüber, wie wir Kinder einem Risiko aussetzen können.“

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