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Not macht erfinderisch: Weil ihm die Stadt das Wasser gesperrt hat, behilft sich Johann Lohmayr für seine Bauarbeiten im emsemblegeschützten Marktplatz 13 (im Hintergrund) mit Wasser aus dem Märchenbrunnen.

Streit um Anschluss

Stadt Miesbach dreht Bauherrn das Wasser ab

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Das Anwesen Marktplatz 13 in Miesbach wird seit Monaten kernsaniert – mit Wasser aus dem Märchenbrunnen. Doch der Grund für diese besondere Zutat ist wenig märchenhaft: Die Stadt hat Hauseigentümer Johann Lohmayr das Wasser abgedreht – bereits im Juni.

Wasser ist ein kostbares Gut. Vor allem für Hans Lohmayr. Der 50-Jährige hat im Mai 2018 das Anwesen Marktplatz 13 in Miesbach erworben und will das über 200 Jahre alte Gebäude, das dem Ensembleschutz unterliegt, sanieren. Mit Herzblut, wie er versichert. Dazu braucht er Wasser, doch das hat ihm die Stadt vor Monaten abgedreht.

Marode Hauptleitung war der Anfang

Angefangen hat alles mit der schadhaften Hauptwasserleitung im Erdgeschoss – gleich im Eingangsbereich, wo vor der Sanierung das Geschäft Seifenkistl seine Waren verkaufte. Das Problem: Das Leck befand sich noch vor dem Übergabepunkt, an dem das Haftungsrisiko von der Stadt auf den Immobilieneigentümer übergeht. Damit lag die Hoheit an der Leitung, obwohl mitten im Haus gelegen, bei der Stadt.

Lesen Sie auch das Update: Bauherr reagiert mit Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bürgermeisterin Pongartz 

Lohmayr meldete der Stadt den Schaden Ende 2018 – noch vor Beginn der Sanierung. Es folgte ein, wie er sagt, „sehr gutes, konstruktives Gespräch“ mit dem damaligen Wassermeister Franz Braun. Das Ergebnis: Lohmayr solle den Übergabepunkt – also den Wasserzähler – näher an die Außenwand versetzen und die marode Leitung erneuern lassen. So wie in einem anderen Anwesen Lohmayrs 200 Meter entfernt.

Als die Bauarbeiten im März 2019 losgingen, meldete Lohmayr dies der Stadt mit der Bitte, die Leitung zu ersetzen und zu verlegen. Das Bauamt antwortete im April mit einer Kostenübernahmeerklärung, die er unterschrieben zurückschickte. Dann sei nichts mehr passiert.

Rücksprache mit dem ehemaligen Wassermeister

Im Mai ergriff er selbst die Initiative und beauftragte einen Fachbetrieb. Der verlegte den Wasserzähler – wie mit Braun besprochen – an die Innenseite der Frontmauer – also möglichst nah an die Stelle, an der die städtische Leitung von der Straße ins Haus kommt – und ersetzte die Leitung. „Alles wurde ordnungsgemäß erledigt“, beteuert Lohmayr. Für 300 Euro. Doch bei der Stadt kam die Reparatur in Eigenregie nicht gut an.

Nachdem man dort den Eingriff bemerkt hatte, sperrte das Wasserwerk im Juni das Wasser. „Aus Sicherheitsgründen“, wie Bürgermeisterin Ingrid Pongratz Lohmayr schriftlich mitteilte. Zudem wurde eine Wasseruntersuchung auf Verkeimung in Auftrag gegeben. Und es wurde angekündigt, dass die Leitung vom Schieber in der Straße bis zum Haus vom Wasserwerk oder einer beauftragten Firma neu verlegt werden müsse – auch auf Lohmayrs Kosten. Seit August ruht der Fall. Also holte sich Lohmayr sein Wasser zum Bauen nebenan aus dem Märchenbrunnen.

Wegen möglicher Verkeimungsgefahr: Stadt reagierte mit Absperrung 

Wasserwerkleiter Jürgen Fischer schildert den Fall etwas anders. Die Stadt habe sehr wohl versucht, Lohmayr zu kontaktieren, ihn aber nicht erreicht. Als klar war, dass an die Leitung eigenmächtig Hand angelegt worden war, habe die Stadt reagieren müssen. „Wir haben die Verantwortung für 11 000 Bürger“, sagt Fischer. „Bei Gefahr einer Verunreinigung müssen wir handeln. Das kann sich kein Versorger gefallen lassen.“

Jetzt, wo feststehe, dass von der Leitung keine Gefahr ausgeht, will die Stadt Lohmayr zumindest Bauwasser zur Verfügung stellen, kündigt Fischer an. Für eine normale Versorgung reiche der Anschluss jedoch nicht – wegen der alten Leitung zwischen Schieber und Haus.

Widersprüchliche Altersangaben zur Wasserleitung der Stadt

Für Lohmayr ist aber nicht nachvollziehbar, „warum ich eine intakte Leitung ersetzen soll, die erst 15 Jahre alt ist“. Dem widerspricht Fischer: „Die Leitung wurde 1997 beim Umbau der Ostseite des Marktplatzes zwar neu verlegt. Allerdings wurden teils gebrauchte Leitungen weiterverwendet.“ So sei Stückwerk entstanden, das die Stadt nun beheben wolle. Die Kosten lägen bei 6000 bis 7000  Euro. Jetzt gehe es darum, Termine auszumachen. Lohmayr widerspricht: „Wir haben im Haus Fotos gemacht, die zeigen, dass eine neue Leitung von draußen hineinführt.“

Das weitere Vorgehen will Lohmayr mit seinem Anwalt besprechen. Er sieht nach wie vor keine Veranlassung, die Leitung außen zu erneuern. Zudem sieht die städtische Wasserabgabesatzung zwar eine Sperrung bei widerrechtlichem Eingriff vor, doch muss der zwei Wochen vorher angedroht werden. Eine unmittelbare Gefahr wurde ja nicht nachgewiesen.

ddy

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