Keime schon am Samstag festgestellt

Koli-Bakterien im Wasser: Stadt informiert erst jetzt

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Miesbach - Schlimme Behörden-Panne in Miesbach: Am Montag sind im Trinkwasser der Stadt Keime festgestellt worden. Die Öffentlichkeit erfuhr davon erst zwei Tage später.

Turnusmäßig wird einmal im Monat das Trinkwasser auf Keime untersucht, so schreibt es die Trinkwasserverordnung vor. Bei der Stadt Miesbach war das zuletzt vergangene Woche, am 23. Juli der Fall. Waren die Proben bislang immer unauffällig, stellte das Labor am Samstag, 26. Juli, Keime fest.

„Am Montag, den 28. Juli, sind wir vom Landratsamt per Fax informiert worden“, bestätigt Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Dort blieb die Information zwei Tage liegen. Erst am Mittwochmittag um 13.21 Uhr erreichte die Redaktion des Miesbacher Merkur die Pressemitteilung der Stadt, in der die Bürger aufgefordert werden, ihr Trinkwasser abzukochen. Laut Gerhard Brandl, Sprecher des Landratsamt, hat das Gesundheitsamt am Montag sofort reagiert. „Keine Stunde später ist die Abkochverordnung erlassen worden.“

Bürgermeisterin Pongratz: "Da haben wir einen Fehler gemacht."

Brandl hielt am Mittwoch nochmals Rücksprache mit dem Leiter des Gesundheitsamtes. „Dr. Wohlfahrt war sehr verwundert, dass die Information erst jetzt an die Öffentlichkeit ging“, sagt Brandl. Es wäre Aufgabe des Wasserwerks beziehungsweise der Stadt gewesen, die Bürger sofort zu informieren. „Jedes Wasserwerk hat einen Notfallplan. Und da steht auch drin, dass die Presse und somit die Bevölkerung umgehend informiert werden müssen“, betont Brandl. Wohlfahrt wolle nun das Gespräch mit der Stadt suchen. „Wir müssen überlegen, diese Informationskette zu ändern.“

Bürgermeisterin Pongratz räumte am Mittwochnachmittag ein: „Da haben wir einen Fehler gemacht. Normalerweise ist das etwas, was die Verwaltung umgehend auf den Weg bringen muss.“ Dadurch, dass es in der Verwaltung aber einen personellen Wechsel gab, bittet Pongratz um Nachsicht, dass die Information erst zwei Tage später an die Öffentlichkeit kam.

Am Donnerstag wird das Wasser noch einmal getestet

Wassermeister Franz Braun habe am Montag aber umgehend reagiert und unverzüglich die Tiefzone abgeriegelt, betont die Bürgermeisterin. Das Wasser wird seitdem über die Hochzone eingespeist. „Nur noch das Wasser, das am Montag in der Leitung war, war belastet. Das hätten wir so und so nicht ändern können.“ Zudem liege die Belastung „am untersten Limit“, sagte Pongratz. „Koli-Bakterien sind nicht tödlich. Es kann nicht viel anrichten. Wenn einer da ein bisschen reagiert, bekommt er vielleicht Durchfall.“

Wassermeister Braun verteilte am Mittwoch Handzettel an die rund 500 betroffenen Haushalte. Pongratz beorderte am Nachmittag Mitarbeiter, die bereits im Feierabend waren, zurück, um Braun zu helfen. „Das ist nicht glücklich gelaufen“, räumte Pongratz ein. „Aber das ist das erste Mal bei uns passiert. Nichtsdestotrotz: Wir hätten das am Montag sofort bekannt geben müssen.“

Am Donnerstag wird das Wasser nochmals beprobt. Ist die Probe negativ, hebt das Gesundheitsamt die Abkochverordnung auf. Bis dahin darf das Wasser nur abgekocht getrunken werden. Es darf auch nur mit abgekochten Wasser Essen zubereitet werden. Auch darf für das Reinigen von Lebensmitteln und Geschirr nur abgekochtes Wasser verwendet werden.

Von Julia Pawlovsky

Die betroffene Straßen in Miesbach:

Badstraße 1 und 3, Bahnhofstraße, Berghalde, Bergwerkstraße, Edelweißstraße, Enzianstraße, Fraunhoferstraße, Frühlingstraße, Haidmühlstraße, Harztalstraße 1 und 3, Heimbucherwinkl, Kirchgasse, Kolpingstraße, Lebzelterweg, Ledererstraße, Manhardtwinkl, Marienplatz, Marktplatz, Marktwinkl, Marsstraße, Pfarrgasse, Rathausplatz, Rathausstraße, Schinharlstraße, Schlachthofstraße, Schopfgraben, Schulberg, Schützenstraße, Sonnenstraße, Stadtplatz, Steigerweg, Tannenweg, Taubenbergstraße, Thalhamer Straße und Wallenburger Straße.

Rubriklistenbild: © dpa

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