Störende Stangerl: Aktuell ist das Blickfeld auf die Fassade des Miesbacher Rathauses frei, doch genau hierhin will die Untere Denkmalschutzbehörde die vier Masten setzen. Die drei Halterungen unter den drei mittleren Fenstern im ersten Stock sind jedoch nur für kleine Fahnen geeignet.
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Störende Stangerl: Aktuell ist das Blickfeld auf die Fassade des Miesbacher Rathauses frei, doch genau hierhin will die Untere Denkmalschutzbehörde die vier Masten setzen. Die drei Halterungen unter den drei mittleren Fenstern im ersten Stock sind jedoch nur für kleine Fahnen geeignet.

„Das spaxen wir ans Rathaus“

Stadtrat Miesbach versus Denkmalschutz im Fahnen-Streit

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Zu feierlichen Anlässen ist das Rathaus als öffentliches Gebäude mit Fahnen zu schmücken - doch in Miesbach ist das nicht  einfach.  Im Stadtrat wurde darüber leidenschaftlich debattiert. Ergebnis: Man will sich vom Denkmalschutz nichts vorschreiben lassen.

Der Umbau des südlichen Umfelds des Miesbacher Rathauses ist weitgehend abgeschlossen. Offen ist noch, wo künftig die Fahnen wehen sollen. Der ehemalige Standort vor der Bücherei kommt für die vier Fahnenmasten nicht mehr infrage, da sich die Fundament- und Aufstellfläche innerhalb des Kronenbereichs des Tulpenbaums befindet. Im November 2019 sollte sich der Stadtrat bereits entscheiden zwischen dem Brunnenspiel an der Nordseite als Standort für die Fahnenmasten und der Ostseite entlang der Rathausstraße – einmal mit Erhalt und einmal mit Verlust des Behindertenparkplatzes. Ergebnis: Die Verwaltung wurde beauftragt, eine Befestigung der Beflaggung an der Nordfassade zu prüfen.

Klare Ansage vom Landratsamt: Fassade ist tabu

Doch das funktioniert nicht. Beim Ortstermin im Dezember lehnte die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt diese Variante strikt ab – aus denkmalpflegerischen und architektonischen Gründen. Empfohlen wurde stattdessen, die Masten entlang des Wasserspiels aufzustellen – unter Beachtung einer Stellfläche für den jährlichen Christbaum.

Doch da stellten sich einige Stadträte quer. „Ich verstehe das nicht“, echauffierte sich Alfred Mittermaier (CSU). „Regensburg ist Weltkulturerbe – da geht das. Nur nicht bei uns.“ Schon vor dem Dritten Reich habe man die Rathausfassade beflaggt. Nun sollen es Masten werden, „die den Blick aufs Rathaus verschandeln und mit ihren Seilen dauerhaft Lärm erzeugen. Ich bin mehr als verwundert.“

Halterungen nur für „Butzerlfahnen“ vorhanden

Auch Hedwig Schmid (SPD) konnte die Linie des Denkmalschutzes nicht nachvollziehen. „Wir haben dort doch drei Halterungen“, erwiderte sie. „Aber nur Butzerlfahnen, nicht für die großen“, gab Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) zu bedenken. Interessant sei auch, ob es vorgeschriebene Mindestgrößen für Fahnen gebe. Neue Masten aufstellen kommt für Schmid dennoch nicht infrage: „Wenn wir wieder das Pflaster aufreißen, sagen die Leute: Ihr spinnt’s doch.“ Was Mittermaier jubeln ließ: „Perfekt, Hedi, genau!“

Als Schildbürgerstreich bezeichnete dies Erhard Pohl (CSU): „Wir haben für viel Geld den Platz fertiggestellt und vergessen die Masten.“ Sein Lösungsvorschlag: „Wir spaxen die ans Rathaus hin. Das kann man formschön machen.“ Auf jeden Fall solle die Stadt nicht klein beigeben.

„Kommt mir nicht mit dem Denkmalschutz!“

Was auch Markus Baumgartner (CSU) unterstützte: „Kommt mir nicht mit dem Denkmalschutz! Die drehen sich’s hin, wie sie wollen!“ Man habe die historische Rathaustreppe geändert – gegen Baumgartners Stimme (wir berichteten) – und „die modernste Lampe“ hinmontiert. Das alles störe nicht. „Aber jetzt Masten hinstellen! Mit Fahnen verdecken sie die Rathausfassade. Und ohne verschandeln sie diese.“

Verena Assum (CSU) schlug vor, noch mal das Gespräch für eine Fassadenlösung zu suchen. Pongratz will zudem klären lassen, ob drei Fahnen reichen und ob diese auch kleiner sein dürfen. Dem stimmte der Stadtrat zu, ohne Manfred Burger (Grüne). Der Vorschlag des Denkmalschutzes, Masten am Wasserspiel aufzustellen, fiel durch.

ddy

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