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Der Miesbacher Stadtrat will lieber selbst investieren, statt Energiekonzerne beim Bau neuer Kraftwerke zu unterstützen.

Stadt schreibt neuen Liefervertrag aus

Miesbach erteilt Ökostrom erneute Absage

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Lieber die eigene Energie-Effizienz fördern als Konzerne beim Bau neuer Kraftwerke unterstützen: Für diesen Weg hat sich der Stadtrat entschieden. Bei der Ausschreibung des Stromliefervertrags für die Jahre 2020 bis 2022 will Miesbach weiter konventionellen Strom beziehen.

Ein reines Ökogewissen kostet einiges an argumentativer Energie, wenn man gleichzeitig aufs Geld schauen will. Dass man im Sinne der Umwelt sich vorbildlich verhalten will, darüber herrschte im Miesbacher Stadtrat Einigkeit. Umstritten war aber, wie dieses Ziel am besten zu erreichen ist.

Auslöser war die Ausschreibung des neuen Stromliefervertrags. Eigentlich keine große Sache, nachdem die Stadt zuletzt tariflich sehr gute Erfahrungen damit gemacht hat, sich an der Ausschreibung des Bayerischen Gemeindetags zusammen mit anderen Kommunen zu beteiligen. Kompliziert wurde es aber, als Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) die Frage aufwarf, ob man diesmal Ökostrom beziehen wolle.

Vor drei Jahren hatte sich der Stadtrat dagegen entschieden. Das Argument damals: Man bezahle höhere Preise, während die Energiekonzerne lediglich Strom aus ihren seit Jahrzehnten abgeschriebenen alten Wasserkraftwerken wohlklingend feilbieten. Sinnvoller sei es, so stellte man damals fest, in neue Anlagen für regenerative Energien zu investieren, doch diese Option war 2015 nicht im Angebot.

Aber dafür diesmal. Daher stellte Fertl die Frage: Sei es nicht sinnvoll mit Blick auf Umwelt und Vorbildfunktion, Ökostrom mit Neuanlagenförderung zu beziehen? Manfred Burger (Grüne) begrüßte diesen Vorstoß, zumal man vor drei Jahren festgestellt habe, dass dies lediglich mit 3000 bis 4000 Euro Mehrkosten verbunden sei.

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) folgte dem nicht. „Ich seh’s anders“, erklärte sie. „Lieber sparen wir uns das Geld und stecken es bei uns in neue LED-Beleuchtung.“ Was Alfred Mittermaier (CSU) unterstützte: „Wir sind nicht dazu da, um einen Energie-Mischmasch zu finanzieren.“ Dem hielt Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) entgegen: „Sauberer Strom sollte uns 4000 Euro wert sein, sonst nehmen wir dreckigen Braunkohlestrom.“

Mittermaiers Feststellung, dass einfach nur mehr Geld an den Stromkonzern fließe, wollte Fertl so nicht stehen lassen: „Ich will keinen Glaubenskrieg daraus machen, aber ich gehe schon davon aus, dass der Aufschlag in neue Anlagen fließt.“ Und Lechner ergänzte: „Wir können nicht unterstellen, dass die uns von vornherein bescheißen.“ Aktuell würden nur 36 Prozent der Energie regenerativ erzeugt. „Da wäre Ökostrom ein ehrliches Bekenntnis.“

Markus Seemüller (FW) monierte das „Informationsdefizit“, da unbekannt sei, welche Anlagen per Umlage gefördert werden, und regte stattdessen ein Infogespräch an mit der Stadt Schönau im Schwarzwald (Kreis Lörrach) – der Geburtsort von Bundestrainer Joachim Löw. Diese habe ihr Stromnetz „gegen viel Widerstand“ gekauft und damit ihre Energieversorgung selbst in die Hand genommen.

Das brachte wiederum Burger auf die Palme: „Wo samma denn! Mit dem ewigen Informieren dürfen wir uns auch keine Bioprodukte kaufen, weil nachts einer Kunstdünger drüber kippen könnte. Wenn ich will, dass der Anteil von Ökostrom größer wird, muss ich das unterstützen.“ Ähnlich sah es Franz Mader (FW): „Eigentlich müssen wir beides machen: Ökostrom beziehen und bei uns in LED investieren.“

Lechners Antrag, Ökostrom mit Neuanlagenförderung zu wählen, fand mit 10:13 Stimmen ebenso wenig eine Mehrheit wie der Ökostrom ohne Förderung, der lediglich sechs Ja-Stimmen bekam. Für die Teilnahme an der Ausschreibung mit konventionell hergestelltem Strom gab es 14:9 Stimmen. Bis 15. Februar hat die Stadt nun Zeit, ihre Unterlagen für die Aktion des Gemeindetags einzureichen.

ddy

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