Vom Stadlberg in Richtung Miesbach fließt das Wasser der Quellen. Um es als Trinkwasser nutzen zu können, muss die Kreisstadt eine neue Erlaubnis beantragen und die neuen Richtlinien erfüllen. Foto: Thomas Plettenberg
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Um das Wasser aus den Stadlbergquellen als Trinkwasser nutzen zu können, muss Miesbach eine neue Erlaubnis beantragen.

Trinkwasserversorgung in Miesbach

Stadt will Stadlbergquellen reaktivieren

  • Dieter Dorby
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Seit dort im Sommer 2014 eine Verkeimung festgestellt wurde, sprudeln die Stadlbergquellen getrennt von Miesbachs Trinkwassernetz. Nun will die Stadt die Quellen reaktivieren und muss dazu die wasserrechtliche Erlaubnis erneuern. Ein weiter Weg, wie sich im Stadtrat zeigte.

Miesbach – Die Stadlbergquellen sollen wieder Trinkwasser für die Stadt Miesbach liefern. Dazu braucht es jedoch eine neue wasserrechtliche Erlaubnis, und die gibt es nur, wenn die baulichen Defizite behoben werden. Zudem ist zu prüfen, ob die bestehende Schutzzone im Südosten Miesbachs flächenmäßig ausreicht oder zu vergrößern ist. Ingenieur Werner Knorr aus München stellte dem Stadtrat nun den aktuellen Stand der Prüfung vor.

Derzeit bestehen die Quellen aus zwei Einzelsträngen und vier Sammelschächten. Sechs bis 7,5 Liter pro Sekunde liefern sie. Das sind 200 000 Kubikmeter im Jahr. „Eine ansehnliche Menge“, stellte Knorr fest, wäre da nicht ein Haken. Das Wasser ist aufgrund baulicher Mängel mikrobiologisch belastet.

Kleine Quellen kommen ohne Pumpen aus

Dabei sind die Stadlbergquellen im Osten Miesbachs klein, aber fein. Zwar deckten sie bis zur ihrer Abtrennung nur 20 Prozent des Wasserbedarfs der Kreisstadt, doch das ziemlich kostengünstig. Kein Wunder, denn anders als das Wasser aus den Deininger Quellen, das mit technischem Aufwand und hohen Kosten in den Hochbehälter auf den Harzberg gepumpt werden muss, fließt hier das Wasser quasi von selbst in die Versorgungssysteme bergab hinein.

Doch damit war im Sommer 2014 Schluss. Damals wurde im Juli/August eine Verkeimung des Trinkwassers mit Colibakterien festgestellt. Als Urheber wurden die Stadlbergquellen ausgemacht und vom Netz genommen. Wie das Wasser damals verkeimen konnte, war über Jahre unklar. Die Erklärung lieferte Knorr nun: „Die Anlage ist nicht dicht. Oberflächenwasser und Kleintiere können eindringen.“ So habe man 500 bis 1000 Fliegen entdeckt – die hätten das Wasser verunreinigt.

Untersuchungen laufen seit Jahren

Knorr, der seit 2011 mit dem Thema Sanierung der Stadlbergquellen beauftragt ist, schilderte die bereits erfolgten Maßnahmen. Demnach habe eine TV-Untersuchung der Stränge ergeben, dass der am Berg sehr instabil sei, der zweite dagegen gut. Es folgten eine Hochdruckreinigung, eine geoelektrische Erkundung, sieben Bohrungen, drei Stichtagsmessungen sowie Probeentnahmen des Grundwassers, eine Altersdatierung 2018 und eine Abschätzung des Einzugsgebiets. Kosten bis dahin: 90 000 Euro.

Knorrs Plan sieht so aus: Dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt wird ein noch zu fertigendes hydrogeologisches Modell vorgelegt. Wird dies akzeptiert, wird ein Schutzgebietsvorschlag erarbeitet. Ist das plausibel, folgen die Ausweisung des Schutzgebiets und das Beantragen der wasserrechtlichen Erlaubnis. Die Kosten dafür liegen bei 150 000 bis 200 000 Euro.

Weniger positiv ist die große Schwankungsbreite der Quellen. Denn während das Maximum bei 7,5 Litern liegt, fällt das Minimum auf 3,2 bis 4,3 Liter pro Sekunde. Grund sind laut Knorr die Schwankungen bei den Niederschlägen. Zudem stellte der Experte fest, dass die Grundwasserbildung in der Region etwas nachlässt.

Lechner fordert Aufgabe der Quellen

Für Michael Lechner (FWG) war dies ein weiterer Grund, sich von den Stadlbergquellen zu verabschieden: „Das ist nicht ökonomisch, sich zwei Wasserversorgungen zu leisten. Das ist Luxus, den wir nicht brauchen.“ Eher sei darüber nachzudenken, mit München über eine Notversorgung zu sprechen. „Das ist günstiger.“ Erhard Pohl (CSU) widersprach deutlich: „Wir sollten sie als Reservequelle, also als Plan B, behalten. Man weiß nie, was kommt. Wir haben die Verantwortung für unsere Nachfahren.“ Jedoch sollte das Wasserschutzgebiet nach Möglichkeit nicht vergrößert werden. Dem stimmte Florian Hupfauer (FDP) zu: „München will seine Wasserschutzzone ausweiten, und das sicher nicht zum Spaß. Die planen die Versorgung nicht auf zehn, sondern auf 150 Jahre.“

Für Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) kam der enorme energetische Aufwand hinzu für das Pumpen auf den Harzberg. „Vom Stadlberg läuft das Wasser runter – das würde Kosten sparen“, stellte sie fest. Auch Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) sprach sich für die Quellen aus: „Das ist ein wertvolles Reservoir, an dem wir festhalten sollten.“ Es sei eine wichtige Vorsorge für Miesbach „mit Blick auf die nächsten 50 Jahre“. Bis Ende 2020 will Knorr seinen Bericht abschließen und ihn dann dem Stadtrat und dem Wasserwirtschaftsamt vorlegen.

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