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Weitblick ist gefragt: Die Entwicklung der Miesbacher Innenstadt ist erneut ins Stocken geraten.

Unerwarteter Richtungswechsel

Stadtentwicklung: Bürgermeisterin überrascht alle

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Miesbach - Wo steuert Miesbach hin? Seit der Stadtratssitzung am Donnerstag ist das offener denn je. Überraschend gab Bürgermeisterin Ingrid Pongratz die Aussetzung des Stadtentwicklungsausschusses bekannt.

Die Überraschung versteckte sich unter dem Punkt „Bekanntgaben“ auf der Tagesordnung. Ein Thema also, für das die Verwaltung an sich keinen Diskussionsbedarf sieht. Tatsächlich sprach gemäß Geschäftsordnung zuerst nur Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) über den aktuellen Stand der Stadtentwicklung. Was sie zu sagen hatte, mussten die Stadträte aber ohnehin erst mal schlucken.

Aufgrund terminlicher Schwierigkeiten und mangels geeigneter Themen sei bislang keine weitere Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses anberaumt worden, erklärte Pongratz. Citymanager Schorsch Danner werde dem Stadtrat im Oktober seinen Abschlussbericht vorstellen. Noch deutlichere Worte fand die Bürgermeisterin zum Thema Marktplatz. Hier habe ihr Stadtplaner Otto Kurz berichtet, dass bei der letzten Arbeitskreissitzung „eine gewisse Stagnation in der Diskussion“ eingetreten und „nur noch der Austausch bekannter Argumente“ erfolgt sei.

Um dem Prozess neuen Schwung zu verleihen, erklärte Pongratz, habe sie für die November-Sitzung Roland Gruber vom Planungsbüro Nonkonform aus Wien in den Stadtrat eingeladen. „Das Büro hat in anderen Kommunen kontroverse Themen auf höchst unkonventionelle Herangehensweise angepackt und beachtliche Konsenslösungen erarbeitet und umgesetzt“, sagte Pongratz. Bei der Sitzung werde Gruber eine denkbare Vorgehensweise für Miesbach vorstellen.

Mehr als erstaunte Blicke gab es im Gremium zuerst nicht. Das änderte sich beim Tagesordnungspunkt „Unvorhergesehenes, Wünsche und Anträge“. Hier machten die Stadträte, die teils auch Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses sind, ihrem Unmut über den unerwarteten Richtungswechsel Luft. „Für mich wirkt das so, als ob die Stadt das Projekt bewusst ruhen lässt“, sagte Astrid Güldner (Grüne). Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) störte sich vor allem am Wort „Stagnation“. „Die letzten Gespräche sind alle positiv verlaufen“, sagte er. Das solle Pongratz respektieren. Auch Fertls Fraktionskollegin Inge Jooß schüttelte den Kopf. „Stadtentwicklung ist ein Prozess, da gibt es immer Themen“, sagte sie.

Dirk Thelemann (CSU) konnte den nun offenbar endgültigen Abschied von Citymanager Danner nicht nachvollziehen. „Wann haben wir beschlossen, das Pferd zu wechseln?“, fragte er. „Hab’ ich da was verpasst?“ Skeptisch zeigte sich auch Erhard Pohl (CSU). „Herr Danner war unsere Stütze, jetzt sollen wir plötzlich selber fahren“, sagte er. „Aber wo setzen wir an?“ Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) wunderte sich dagegen, wie die Auswahl des neuen Büros zustande gekommen ist.

Pongratz konnte die Aufregung nicht nachvollziehen. Danners Vertrag sei ausgelaufen, da habe sich die Stadt nach Alternativen umgeschaut. Nonkonform-Chef Gruber habe sie bei einem Vortrag in Ebersberg erlebt. „Er hat mir gut gefallen“, sagte Pongratz. Dieser Eindruck habe sich bei einem Ortstermin in Miesbach bestätigt. Dabei habe Gruber den Marktplatz als „multifunktionalen, spannenden Platz“ beschrieben. Er würde gerne mit Bevölkerung und Stadtrat ein Konzept entwickeln. Ob er tatsächlich einen Auftrag bekommt, könne der Stadtrat selbst festlegen, so Pongratz. „Das ist keine Entscheidung der Bürgermeisterin.“ Bei geeigneten Themen könne übrigens auch der Stadtentwicklungsausschuss wieder tagen.

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