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Freiraum für Menschen, nicht für Autos: Der Platz zwischen Eisdiele und Märchenbrunnen soll für den Verkehr gesperrt werden.

Stadtentwicklungsausschuss diskutiert über Marktplatz-Konzept

Was tun mit den autofreien Flächen?

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Der Umgestaltungsplan zum Miesbacher Marktplatz sieht unter anderem zwei neue Freiflächen vor. Eine schöne Idee, doch was soll man damit machen? Dieser Frage widmete sich nun der Stadtentwicklungsausschuss. Das Ergebnis: Vor den Ideen kommt das Vermessen.

Mit Arbeitsbezeichnungen ist es so eine Sache: Sie werden leicht ernster genommen, als sie eigentlich gemeint sind. Beim Miesbacher Marktplatz-Konzept wurde die Freifläche vor der Eisdiele – anders im nördlichen Bereich vor dem Wäschegeschäft Grabmaier – nicht als solche benannt, sondern mit der Bezeichnung „Kunst und Spielen“ und dem Bild einer Kuh versehen. Und schon herrschte Verwirrung, wie Bauamtsleiter Lutz Breitwieser am Donnerstagabend im Stadtentwicklungsausschuss berichtete: „Es entstand die Befürchtung, dass etwas entsteht, das dem Charakter des historischen Marktplatzes nicht gerecht wird – eine Art Firlefanz.“ Auch entstand offenbar die Sorge, dass freilaufende Kinder Autofahrern vor der Motorhaube rumhüpfen könnten. All das war mit „Kunst und Spielen“ aber gar nicht gemeint.

Denn konkrete Pläne gibt es nicht, was auch daran liegt, dass es gar nicht so einfach ist, die freien Bereiche zur Belebung des Marktplatzes zu nutzen. „Wir müssen auf jeden Fall unseren Wochenmarkt berücksichtigen“, mahnte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU). Die Plätze der Fieranten sollten durch neue Elemente baulich nicht beeinträchtigt werden. Außerdem müssten die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung beachtet werden. Pongratz sprach sich deshalb für eine multifunktionale Nutzung aus, mit der flexibel reagiert werden kann.

Andere Ideen waren konkreter: Einen begehbaren Bücherschrank schlug Astrid Güldner (Grüne) vor, und Dirk Thelemann (CSU) erneuerte seine Vision vom Flair italienischer Straßencafés im Herzen Miesbachs: Der Freiraum vor dem Wäschegeschäft könnte von Marktcafé und Huatfabrik als Schankfläche genutzt werden. Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD), der zusammen mit Güldner, Thelemann und Markus Seemüller (FW) das Marktplatz-Konzept entwickelt hatte (wir berichteten), regte dagegen an, die für Kinderwägen zu enge Tischgasse am Bräuwirt zu entzerren, damit man nicht auf der Straße gehen müsse. Platz sei dafür vorhanden,

Ladeninhaberin Uschi Liebhardt stellte dagegen fest, dass es gar nicht viel brauche, um die beiden Freiflächen zu nutzen: „Die Zahl der Radler nimmt zu, und die brauchen auch Platz für ihre Räder.“ Außerdem würden mehr Bänke niemals schaden, zumal man das Eis in der hand nicht auf den Plätzen der Eisdiele schlecken dürfe. Dazu ein paar Pflanztröge – das seien die wesentlichen Bestandteile für eine Belebung – „man muss gar nicht viel bespaßen“.

Pongratz stimmte dem zu und stellte in Aussicht, dass die Stadt einfach mal an die zehn Bänke kaufe. selbst wenn diese dann nicht dauerhaft am Marktplatz zum Einsatz kämen, sei dies kein Problem: „Wir haben genügend Bänke, die man mal erneuern dürfte.“ Thelemann mahnte zudem zur Eile, damit der Testlauf wie geplant im Frühjahr starten kann: „Wir sollten die Detailplanung daher möglichst schnell auf den Tisch bekommen.“

Blieb noch das Problem, wie deutlich Autos und Fußgänger voneinander getrennt werden sollen. Stadtplaner Otto Kurz, der sich vom neuen Konzept sehr angetan zeigte, sprach sich dafür aus, „nur wenig bauliche Abgrenzung zu machen“. Ein zu hohes Tempo seitens der Autofahrer sehe er nicht als Hauptproblem. Ähnlich sahen es Güldner und Thelemann, der sich gegen eine klare Trennung aussprach, „sonst haben wir dort 40 km/h statt der erlaubten 20“.

Als erster Schritt wird nun der Marktplatz vermessen, damit klar wird, unter anderem welche verkehrsrechtliche Vorgaben zu beachten sind und welche Anforderungen die Wochenmarkt-Fieranten haben. „Diese Rahmenbedingungen brauchen wir“, sagte Pongratz. Dann will man weitersehen.

ddy

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