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Stadtpfarrkirche braucht neuen Glockenstuhl - Spendenaktion geplant

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Von: Sebastian Grauvogl

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Nicht nur klanglich ein Erlebnis: Pfarrer Michael Mannhardt zeigt die „Dolorosa-Gloriosa“ im Turm der Miesbacher Stadtpfarrkirche, die zweitgrößte Glocke im Landkreis. Sie selbst ist in gutem Zustand, die eiserne Aufhängung im Hintergrund aber nicht.
Nicht nur klanglich ein Erlebnis: Pfarrer Michael Mannhardt zeigt die „Dolorosa-Gloriosa“ im Turm der Miesbacher Stadtpfarrkirche, die zweitgrößte Glocke im Landkreis. Sie selbst ist in gutem Zustand, die eiserne Aufhängung im Hintergrund aber nicht. © Steffen Gerber

Sechs besondere Glocken hängen im Turm der Miesbacher Stadtpfarrkirche. Damit sie weiter ihren Klang entfalten können, braucht es aber nicht weniger als einen neuen Glockenstuhl.

Miesbach – Die Vierlinge im Turm der Miesbacher Stadtpfarrkirche klingen nicht nur wie aus einem Guss, sie sind es auch: 1784 holte Johann Lorenz Kraus in München die Bronze aus dem Ofen und fertigte daraus die vier Glocken, die bis heute die Kreisstadt mit ihrem Geläut erfreuen. Dabei wären sie im Zweiten Weltkrieg fast für immer verstummt. Sie waren schon nach Hamburg transportiert worden, um sie dort einzuschmelzen und zu Rüstungsteilen zu verarbeiten. Doch das nahe Kriegsende bewahrte sie vor diesem unwürdigen Schicksal – und sie gelangten zurück in den Turm von Mariä Himmelfahrt.

Glocken-Ensemble im Landkreis einmalig

Alleine schon aus dieser Historie heraus haben die Glocken, die 1948 um die große „Dolorosa-Gloriosa“ (mit drei  Tonnen Gewicht und 1,78 Meter Durchmesser die Zweitgrößte im Landkreis) und 2004 um die Antoniusglocke ergänzt wurden für Pfarrer Michael Mannhardt eine ganz herausragende Bedeutung. „Ein im Landkreis einmaliges Ensemble“, schwärmt Mannhardt. Viele andere Serien seien über die Jahrhunderte dezimiert und durch Nachgüsse ergänzt worden. „Das klingt aber nie so stimmig wie im Original“, erklärt der Glockenexperte. Als „Filetstück“ bezeichnet er ferner die kunstvollen Verzierungen der Glocken.

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Umso wichtiger ist es dem Pfarrer, das Geläute für die Nachwelt zu erhalten. Dafür ist nun aber einiges zu tun. Zwar nicht an den Glocken selbst, aber am Drumherum. Bei der jüngsten Turmbegehung habe man festgestellt, dass der Glockenstuhl, also die Aufhängung der sechs Glocken, ziemlich marode ist, berichtet Mannhardt. Wie in vielen anderen Türmen auch bestehe er aus Metall, das eine Zeit lang mal als optimales Material gegolten habe. „Es war regelrechte Mode, Holz durch Metall zu ersetzen“, seufzt der Pfarrer. Ein Irrglaube, wie man heute weiß. So dämpfe Holz viel besser die beim Läuten entstehenden Schwingungen. Das schone Mauerwerk und Putz – und sorge für einen weicheren Klang.

Holz besser als Metall

So soll auch die nicht mehr sanierungsfähige Metallkonstruktion im Turm der Stadtpfarrkirche wieder durch eine Holzausführung ersetzt werden. Obendrein werde man die eisernen Klöppel erneuern. Die seien durch normale Alterungsprozesse ausgehärtet und könnten damit die Glocken beschädigen, fürchtet Mannhardt. Ferner müsse man die Motoren und die Steuerung des Geläuts erneuern. Die Elektrik sei nicht mehr zeitgemäß und falle immer wieder aus. Eine Umstellung auf digitale Technik ermögliche eine sensiblere Ansprache der Glocken. So könne man nicht nur regeln, wie hart diese angeschlagen werden, sondern auch in welchem Winkel. „Entscheidend für das Klangbild“, weiß Mannhardt.

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Doch bevor die Pfarrei das umfangreiche Projekt in Angriff nehmen kann, braucht sie Geld. Die durch das Erzbischöfliche Ordinariat zugeteilten Baurücklagen würden keineswegs für die Finanzierung des Vorhabens ausreichen. Ein bereits etwas älterer Kostenvoranschlag habe bereits eine Summe von rund 80 000 Euro ergeben. Zwischenzeitlich seien die Preise wohl nochmals deutlich gestiegen, vermutet Mannhardt. Fest steht daher: Die Pfarrei ist einmal mehr auf Spenden angewiesen. Ein paar größere Sponsoren werde man demnächst anfragen. Der Pfarrer hofft aber auch auf eine Beteiligung der Miesbacher.

Spendenaktion startet

Im wahrsten Sinn des Wortes einläuten soll die Spendenaktion eine musikalisch begleitete Andacht zum Ausklang der Weihnachtszeit an diesem Sonntag um 17 Uhr in der Stadtpfarrkirche. Kirchenmusiker Michael Hamberger wird dabei Orgelwerke der Komponisten Louis Vierne („Carillon“), Marco Enrico Bossi („Stunde der Weihe“), Marcel Dupré sowie Camille Saint-Saens (Rhapsodien über bretonische Hymnen) spielen, Mesnerin Brigitte Denz die dazu passenden Kirchenglocken läuten. Pfarrer Mannhardt spricht verbindende Worte – und stellt das Großprojekt im Kirchturm vor.

Vielleicht können sich die Besucher der Andacht dabei ja schon ausmalen, wie wundervoll sich das Geläut erst anhört, wenn der neue Glockenstuhl im Turm eingebaut ist.

sg

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