Bunte Botschaften zum Mutmachen: Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (M.) und Familienreferentin Malin Friese (l.) setzen sich mit der Schilder-Aktion im Waitzinger Park für Dialog und gegen polarisierende Fake News ein.
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Bunte Botschaften zum Mutmachen: Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (M.) und Familienreferentin Malin Friese (l.) setzen sich mit der Schilder-Aktion im Waitzinger Park für Dialog und gegen polarisierende Fake News ein.

SCHILDER-AKTION - Ein Zeichen für Dialog und Vernunft

Stadträtinnen initiieren bunten Gegenpol zu Versammlungen von Corona-Kritikern in Miesbach

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Miesbach – Miteinander reden statt hetzen, Sorgen und Ängste ernst nehmen statt sich in Verschwörungstheorien flüchten – mit ihrer Schilder-Aktion, die heute Nachmittag im Waitzinger Park in Miesbach stattfand, wollen Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner und Familienreferentin Malin Friese (beide Grüne) ein Zeichen für Vernunft und Dialog setzen.

Um 15 Uhr begann das Aufstellen der Schilder. Immer wieder kamen Menschen hinzu, schauten, kamen ins Gespräch oder stellten ihre eigene Botschaft auf. „Gemeinsam solidarisch“ war da zu lesen, „Masken schützen“, ,,Gemeinsam durch die Pandemie“, „Gegen Panikmache“ und „Solidarität statt Hetze“.

Für Stadträtin Friese ist es an der Zeit, ein positives Zeichen zu setzen: „Das Leben mit Corona ist für uns alle sehr schwierig und fordernd. Viele Menschen haben Sorgen und Ängste.“ Dass diese absolut berechtigt sind, soll die Schilder-Aktion verdeutlichen und somit ein Zeichen setzen für mehr Miteinander und Unterstützung. „Sie zeigt, dass keiner allein ist.“

Aktion gegen Fake News

Die Aufforderung in der Ankündigung „Denk mit statt quer. Miesbach ist bunt“ macht deutlich, dass die Aktion noch ein zweites Ziel hat: Sie fordert ein kritisches Auseinandersetzen mit Falschnachrichten und Verschwörungstheorien. „Es ist absolut in Ordnung, die Corona-Regelungen zu hinterfragen und kritisch zu diskutieren“, sagt Friese. Jedoch vermenge sich dies bei entsprechenden Veranstaltungen und Netzwerken in den Sozialen Medien mit „Verleugnung, Rassismus und Antisemitismus“. Hier gelte es, eine Grenze zu ziehen.

Demo-Tourismus in der Kreisstadt

Miesbach habe sich in jüngster Zeit mit den Bürgerstammtischen, der „Kindermund“-Veranstaltung und der „Demo gegen Testpflicht und Maskenzwang an Schulen“ am Rathaus wiederholt einschlägig hervorgetan – eine Entwicklung, mit der laut Friese viele Miesbacherinnen und Miesbacher nicht glücklich seien. „Es gibt mittlerweile einen Demo-Tourismus, bei dem Teilnehmer von außerhalb hierher kommen, um Präsenz zu zeigen und die Popularität zu steigern“, sagt Friese und verweist auf die zeitgleich auf der Waitzinger Wiese startende Schilderdemo unter dem Motto „Miesbach stellt sich auf! Für unsere Kinder, Freiheit und Grundrechte“, deren rund 20 Teilnehmer am Waitzinger Park vorbeizogen.

Es geht um Dialog und Miteinander

Dabei geht es den Veranstalterinnen nicht darum, eine Gegendemo aufzuziehen, sondern zum Nachdenken anzuregen. „Ich bin mit ein paar Teilnehmern der Demo ins Gespräch gekommen, weil sie nicht wussten, ob sie bei uns richtig sind“, berichtet Güldner. Es seien gute Gespräche gewesen. Ihr Fazit: „Wir müssen wieder in den Austausch kommen.“ Dass sich Menschen aus Angst und Sorge nicht in Verschwörungstheorien flüchten, sondern die jeweiligen Fachstellen aufsuchen – seien es Kirchen, Schulen, Behörden „oder auch ich als Familienreferentin“, ergänzt Friese.

Es gehe auch darum, in Telegram-Gruppen kursierenden Theorien – dass Nano-Würmer über Teststäbchen verbreitet werden oder dass Impfstoff mit Giftstoffen versetzt wird, die über 5G-Strahlung aktiviert werden – zu hinterfragen und sich nicht in Panik versetzen zu lassen, stellen beide fest.

Sie warnen davor, dass Angst instrumentalisiert wird, um gezielt zu destabilisieren. Ihre Aktion sehen sie als gelungen an. „Es ist ein Thema geworden“, sagt Friese. Es sei zu spüren gewesen, dass es den Leuten guttut, sich auszutauschen. Auch gehe es darum, dass alle anderen sich zurückziehen, ergänzt Güldner, „während eine Gruppe immer lauter wird“.

ddy

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