Ökologisch und modern: Der Neubau des Landratsamts soll ein begehbares Flachdach bekommen. Die Dachkante ist im neuen Entwurf deutlich herausgearbeitet. Unter der Grünfläche wird Granulat verbaut, das einen Teil des Regenwassers aufnehmen soll. Grafik: Ludwig hohenreiter
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Ökologisch und modern: Der Neubau des Landratsamts soll ein begehbares Flachdach bekommen. Die Dachkante ist im neuen Entwurf deutlich herausgearbeitet. Unter der Grünfläche wird Granulat verbaut, das einen Teil des Regenwassers aufnehmen soll.

Bebauungsplan für den Ersatzbau

Stadtrat Miesbach erlaubt dem Landratsamt sein Flachdach

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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Der Ersatzbau des Landratsamts darf sein gewünschtes Flachdach bekommen. Der Miesbacher Stadtrat hat dazu am Donnerstagabend mit großer Mehrheit grünes Licht gegeben. Die begrünte Dachfläche soll auch für Mitarbeiter und Bürger nutzbar gemacht werden.

Miesbach – Diesmal saß Landrat Olaf von Löwis nicht nur im Publikum, um die Diskussion zu verfolgen (wir berichteten), sondern er richtete einen Appell direkt an die Mitglieder des Miesbacher Stadtrats, den geplanten Ersatzbau des Landratsamts samt Flachdach zu unterstützen. Seine „Charme-Offensive“, wie Löwis sie selbst nannte, hatte Erfolg: Der Stadtrat unterstützte bei nur drei Gegenstimmen den geplanten Neubau und segnete die Eckpunkte für den aufzustellenden Bebauungsplan ab.

Dass sich gerade die CSU bewegte, die in der Mai-Sitzung sich noch für eine Satteldach- oder zumindest flache Walmdach-Lösung stark gemacht hatte, sei die Folge einer „intensiven Auseinandersetzung“, wie Fraktionssprecher Erhard Pohl berichtete: „Wir müssen es objektiv sehen.“ Dennoch sei die Fraktion „nicht 100-prozentig auf einer Linie. Es gibt bei uns keinen Fraktionszwang, und wir respektieren Argumente“. Dabei habe sich herausgestellt, dass ein zehn Grad flaches Satteldach ein „Pseudo-Flachdach“ sei. Dies hatte zuvor der Münchner Planer Ludwig Hohenreiter, der den Bebauungsplan erarbeitet, demonstriert. Eine solche Variante sei bei Einhaltung der Abstandsflächen möglich, werde aber von unten betrachtet nicht mehr wahrgenommen.

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Argumente pro Flachdach seien, dass man so Technik unter die Decke packen könne, dass der Frontbau das dahinter liegende Flachdach-Gebäude verdecke und dass es einen ökologischen Nutzen habe. Außerdem sei es wichtig, auch den Wunsch des Bauherrn zu beachten. Dem schloss sich auch Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) an.

Flachdach mit Auflagen

„Aber das Flachdach gibt es nicht ohne Auflagen“, betonte Pohl. So soll es begrünt für Mitarbeiter und auch Bürger im Rahmen von Veranstaltungen genutzt werden – in einer Größe von mindestens 40 Prozent. Einen exakten Wert lehnte Kreisbaumeister Christian Boiger ab, versprach aber gemeinsam mit dem Landrat, dass es nicht zu klein werde. Zudem regte Pohl einen Glasübergang an, der eine Zäsur zwischen neuem Gebäude und dem Ersatz des Ex-Landwirtschaftsamts bilden soll. Auch sollen Gänge trockene Verbindungen zwischen den Häusern schaffen.

Positives Konsensverhalten

Für Paul Fertl (SPD) ist das Flachdach eine gute Lösung. Da an der Münchner Straße ein Satteldach gebaut werde, sei es in zweiter Reihe entbehrlich. Dass Mitarbeiter das Flachdach nutzen können sollen, sei ebenso positiv wie der ökologische Faktor, dass weniger Fläche versiegelt werde, Wasser gespeichert wird und eine Fotovoltaik-Anlage installiert werden soll. Auch tue es der Stadt gut, „Konsensverhalten zu zeigen“.

Aufgeständerte Fotovoltaik-Anlage

Markus Seemüller (FWG) begrüßte es, dass die Fotovoltaik-Platten aufgeständert werden dürfen: „Da öffnet sich mein Herz.“ Sein Fraktionskollege Michael Lechner blieb dagegen auf Distanz: „Der Charme-Offensive des Landrats erliegen viele, aber ich kenne ihn schon lange.“ Er verwies erneut auf den Ensembleschutz und bedauerte es, dass gerade der Denkmalschutz bei sich selbst nicht konsequent sei.

Eine Meinung, die der bekennende „Satteldach-Freund“ Franz Mayer (CSU) nicht teilte: „Man darf seine Meinung ändern.“ Er selbst habe sich als Kritiker auch mit den Vorzügen von Flachdächern auseinandergesetzt und dabei erfahren, „dass es künftig vermehrt grüne Dächer geben wird, weil die Städte sonst überhitzen“. Der Dachgarten habe einen größeren ökologischen Wert. Dazu komme der Wasserpuffer, der die Umgebungen kühlt: „Das kann man nicht ignorieren.“ So habe man künftig ein Referenzprojekt, das man anderen Gewerbebauwerbern zeigen könne.

ddy

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