+
Lückenschluss: Mit dem Bau der Parkplätze vor dem ehemaligen Kloster – bestehend aus Schulhaus (l.), Krippe (r.) und Mittelteil – wurde die Mauer vor dem stadteigenen Areal ohne Ersatz entfernt. Die Bürgerstiftung hat vor i hrem Teil die baufällige Mauer ebenfalls entfernt, aber umgehend neu errichtet. 

Stadtrat Miesbach

Erneutes Graben an der Klostermauer

  • schließen

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Bis Ende Juni hat die Stadt Miesbach Zeit, die abgerissene Mauer auf ihrem Teil des Klosterareals zu ersetzen. So lautet der rechtskräftige Vergleich vor dem Verwaltungsgericht. Im Stadtrat wurde nun nach Auswegen gesucht. Sogar ein Aufheben des Denkmalschutzes wurde dabei angedacht.

Miesbach – 1200 Euro kostet der laufende Meter für die insgesamt 32 Meter lange Klostermauer, die die Stadt bis Ende Juni 2019 neu errichten muss (wir berichteten). Bis Ende März muss eine Firma mit dem Bau beauftragt sein – so sieht es der Vergleich vor dem Verwaltungsgericht zwischen der Stadt Miesbach und dem Landratsamt vor. Im Stadtrat ging es nun darum, Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) für die Auftragsvergabe zu ermächtigen. Dem stimmte der Stadtrat gegen die Stimmen von Markus Seemüller und Andreas Reischl (beide FWG) zu.

Der Streit um die Klostermauer hat mittlerweile selbst fast schon Denkmalstatus. Im Jahr 2013 wurde die baufällige Mauer vor dem Miesbacher Kloster abgerissen. Erlaubt hatte dies der Denkmalschutz unter der Maßgabe, dass sie neu errichtet wird, um dem Kloster seinen abgeschirmten, geschlossenen Charakter wiederzugeben. Aber nur wenige Monate später mehrten sich die Stimmen – darunter Pongratz –, die den geplanten Mauerneubau kippen wollten: Die offene Gestaltung sei viel attraktiver und sicherer für Fußgänger und Kinder.

Während die Bürgerstiftung, der die angrenzende Klosterwiese gehört, auf ihrem Teil die Mauer im April 2015 abriss und umgehend in Absprache mit den Denkmalschützern neu errichtete, saß die Stadt die Angelegenheit mit Verweis auf knappe Finanzen aus und wehrte sich gegen den entsprechenden Bescheid des Landratsamts – bis im September 2018 das Verwaltungsgericht ein Machtwort sprach: Die vom Denkmalschutz geforderte Mauer muss gebaut werden (hier der Bericht dazu).

In der Stadtratssitzung wurde die Verpflichtung zum Bau nun jedoch erneut infrage gestellt. Seemüller, der einen Denkmalschutzexperten befragt hatte, berichtete, Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) hätte demnach die Kompetenz, einen Denkmalschutzstatus des Klosters wieder aufzuheben. Eine pikante Theorie, denn just dieser Status hatte damals den Abriss des Klosters und die Bebauung des Areals mit 66 Wohnungen verhindert.

Passend dazu: Schülerprojekt - Frische Farbe für die Klostermauer

Der Anreiz dafür war schnell klar: Würde das Kloster seinen Denkmalschutzstatus verlieren, könnte die Stadt dort ohne teuren Sonderaufwand ihr geplantes Kinderhaus verwirklichen. Dies sei ein legitimes Vorgehen, fand Seemüller: „Ich tue mir schwer, dem Bürger diese Mauer zu vermitteln und dafür auch noch Schulden aufzunehmen.“

Doch so leicht ist es laut Bauamtsleiter Lutz Breitwieser nicht. „Ob ein schutzwürdiges Denkmal vorliegt, entscheiden objektive Kriterien“, klärte er auf. Natürlich würden schutzwürdige Häuser abgerissen oder verändert, aber das liege daran, dass nicht alle Gebäude auf diese Kriterien überprüft werden. „Das ist keine Ermessensentscheidung“, betonte er.

Dirk Thelemann (CSU) warnte zudem davor, „wegen 30 Metern Mauer“ den Denkmalschutz infrage zu stellen: „Wie kann man dann dem Bürger noch vermitteln, selbst den Denkmalschutz zu beachten, wenn es die Stadt nicht tut?“ Und Manfred Burger (Grüne) ergänzte: „An dieser Summe wird unser Haushalt auch nicht scheitern.“

Auch Markus Baumgartner (CSU) machte sich pro Mauer stark: „Für mich ist das Kloster ein Stück Kulturgut und Zeitgeschichte. Ich bin dankbar, dass es sogar in den Ensembleschutz aufgenommen wurde.“ Ähnlich sah es Florian Ruml (FW): „Wir leben in einem Rechtsstaat und haben einen gültigen Vergleich.“ Was Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) bekräftigte: „Der muss sich auch an Vorgaben halten.“

Zudem verwies Baumgartner darauf, dass der marode Mittelbau, der für das Kinderhaus komplett saniert werden muss, mit seinen 100 Jahren alten Türen „der historisch wertvollste Teil“ sei. „Der Anbau neben dem Kloster, wie er zuerst geplant war, wäre günstiger gewesen“, stellte er fest. „Aber die Mehrheit wollte das alte Gebäude umbauen. Dann darf man jetzt nicht jammern.“ Für mehr Sicherheit an der Ausfahrt regte Ruml an, die früher diskutierten Öffnungen in der Mauer in Absprache mit dem Denkmalschutz einzubauen. Pongratz sagte zu, das zu klären.

ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ausbau geht weiter: B318 ab A8 in der Nacht gesperrt
Hier finden Sie immer aktuell alle Sperren und Baustellen auf den Straßen, Wegen und Schienen im Landkreis Miesbach im News-Ticker. 
Ausbau geht weiter: B318 ab A8 in der Nacht gesperrt
Radweg Hausham-Gmund: Millionenprojekt kommt auf den Weg
Gute Nachrichten für alle Alltagsradler: Die Planungen für einen straßenbegleitenden Radweg zwischen Hausham und Gmund schreiten voran. Allerdings kostet der richtig …
Radweg Hausham-Gmund: Millionenprojekt kommt auf den Weg
Verkehrskontrolle: 20-jähriger Skoda-Fahrer flüchtet vor Polizei
Weil er deutlich zu schnell war, wollte die Polizei einen Skoda-Fahrer (20) in Neuhaus stoppen. Doch der Verkehrsrowdy stieg aufs Gas. Später stellte sich heraus, warum.
Verkehrskontrolle: 20-jähriger Skoda-Fahrer flüchtet vor Polizei
Haushalt 2019: Schliersee greift kräftig in die Rücklagen
Das Sparschwein wird geschlachtet. 2,2 Millionen Euro nimmt die Gemeinde Schliersee heuer aus ihren Rücklagen, um trotz hoher Investitionen keine neuen Schulden machen …
Haushalt 2019: Schliersee greift kräftig in die Rücklagen

Kommentare