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Hat in Miesbach keine Zukunft: Sicherheitswacht.

“Keiner macht da mit“

Stadtrat lehnt Sicherheitswacht klar ab

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Der Stadtrat hat einer Sicherheitswacht im Stadtgebiet eine klare Absage erteilt. Statt eine Bürgerwehr zu installieren, soll das Innenministerium lieber mal die Polizei besetzen.

Miesbach – Der Stadtrat hat die Bedenkzeit seit Ende April genutzt. Als Miesbachs Inspektionsleiterin Katharina Schreiber dem Gremium damals die Idee der Sicherheitswacht vorgestellt hatte, gab es durchaus mehrere Stimmen, die sich auf den ersten Blick die Unterstützung der Polizei durch ehrenamtliche Helfer aus der Bürgerschaft vorstellen konnten – oder dem Vorstoß des Innenministeriums zumindest einen Versuch zugestandne hätten. Nun bei der Entscheidung im Stadtrat fiel das Votum deutlich aus: Lediglich drei Mitglieder wollten der Sicherheitswacht eine Chance geben.

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) war die Erste, die Zweifel vortrug. „Die Sicherheitswacht ist sicher gut gemeint“, sagte sie, „aber es kann nicht sein, dass für die Polizei keine weiteren Mitarbeiter nach Miesbach entsandt werden.“ Von den einst 44 Stellen in der Inspektion seien aktuell lediglich 32 besetzt. Das Durchschnittsalter liege bei 44 Jahren. Abends sei im Dienstgebiet, das neben der Kreisstadt die Gemeinden Bayrischzell, Fischbachau, Hausham, Irschenberg und Schliersee umfasst, gerade mal eine Streife im Einsatz. „Es wird immer mehr eingespart“, stellte Pongratz fest. „Da kann ich nicht mitmachen, auch wenn es sicher positive Aspekte geben mag.“

Mulmiges Gefühl: Der Miesbacher Bahnhof wäre vor allem nachts denkbarer Einsatzort für die Sicherheitswacht gewesen. 

Dieser Standpunkt werde von den Bürgermeistern im Dienstgebiet der Miesbacher Inspektion geteilt, berichtete die Rathaus-Chefin. „Keine Kommune erachtet das als positiv. Lieber bekommen wir ein paar Polizisten mehr und die offenen Stellen werden aufgefüllt.“

Die Forderung nach mehr Polizeikräften teilten auch CSU-Sprecher Franz Mayer und Dritter Bürgermeistermeister Michael Lechner (FW). Dies werde erfolgen, versicherte Pongratz: „Die Bürgermeister werden gemeinsam einen Brief an das Innenministerium schicken und darin mehr Kräfte fordern.“

Gerhard Braunmiller (CSU) warnte jedoch davor, die Personalpolitik des Innenministeriums und das eigentliche Ziel der Sicherheitswacht zu verquicken. „Ziel ist es ja, bestimmten Personengruppen mehr Sicherheitsgefühl zu geben“, stellte er fest. „Warum sollen wir auf diese Möglichkeit verzichten?“ Eine einjährige Testphase könne er sich gut vorstellen. Dem schloss sich auch Markus Seemüller (FW) an: „Ich sehe die Sicherheitswacht als kommunikatives Bindeglied zwischen Bürger und Polizei. Das sollten wir testen.“ Denn dass es mehr Polizei für Miesbach geben werde, sei „ein frommer Wunsch“.

Claus Fahrer (FDP) sah in der Sicherheitswacht jedoch die Gefahr weiterer Stellenstreichungen. Auch Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) war dafür, „die Finger davon zu lassen“, denn die Sicherheit sei Sache des Staates. „Die 32 Stellen zeigen, was falsch läuft. Das würden wir so verstärken.“ Dem schloss sich Astrid Güldner (Grüne) an: „Was nützt mehr Sicherheitsgefühl? Es geht um tatsächliche Sicherheit.“ Die sah sie jedoch mit der kurzen „Schmalspur-Ausbildung“ als nicht gewährleistet an.

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