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Gemeinsam anpacken, im Dialog eine Schnittmenge der Interessen erarbeiten: Das ist das Ziel von (v.l.) Rainer List, Alexander Schmid und Klaus-Dieter Graf von Moltke.

Klappt‘s jetzt mit dem Stand auf dem Viktualienmarkt?

Stadtwerke München treten Unternehmerverband Miesbach bei

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Die Münchner schöpfen ihr Wasser im Landkreis. Während ums Schutzgebiet gerungen wird, gibt’s auf anderer Ebene einen Schulterschluss. Was das beiden Seiten bringen soll:

Landkreis – Zum Fototermin rückt Alexander Schmid, Geschäftsführer der Standortmarketing Gesellschaft des Landkreises (SMG), mit Hula-Hoop-Reifen an. Nicht, weil er die Hüften kreisen lassen will, sondern um – ganz locker – mit Hilfe der bunten Ringe zu zeigen, worum es geht: den Versuch, eine Schnittmenge der Interessen zu finden.

Dabei sollte das Pressefoto eigentlich nur die Unterschrift dokumentieren, die Rainer List als Vertreter der Stadtwerke München (SWM) auf das Beitrittsformular des Unternehmerverbands Miesbach setzt. Die SWM sind das 176. Mitglied des regionalen Verbands, der sich innerhalb von fünf Jahren zum größten seiner Art in Bayern ausgewachsen hat.

Die Stärke der Region, das ist das Thema von Verbandschef Klaus-Dieter Graf von Moltke. „Aber wir brauchen München als Leuchtturm“, macht er klar. Eben darum ist er glücklich, dass die Stadtwerke nun mit im Boot sitzen. Um den Beitritt zu würdigen, hat der Unternehmer in sein Luxushotel Egerner Höfe in Rottach-Egern gebeten, wo List – trotz Sommerhitze mit Krawatte und Sakko – das schlichte Formular unterzeichnet. Die Mitgliedschaft, findet List, biete sich an. Schließlich betreiben die Stadtwerke mit der Wassergewinnung in Thalham eine Niederlassung mit 60 Mitarbeitern. Da sei es doch „eine logische Geschichte“, dass die SWM auch im Unternehmerverband des Landkreises mitgestalten wolle, findet List, der den Thalhamer Betrieb führt.

Trotzdem ist der Schulterschluss ein besonderer Akt. Die Münchner gewinnen im Mangfalltal 80 Prozent ihres Trinkwassers, und sie tun alles, um ihre Quellen zu schützen. Das sorgt schon seit 130 Jahren für Konflikte, die Gräben sind tief. Aktuell läuft das Verfahren für die Ausweisung der Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing. Ein zäher Akt: Die Zone kollidiert mit der Absicht der Stadt Miesbach, das Gewerbegebiet Nord zu erweitern. Aber nicht nur deshalb birgt die Ausweisung der Schutzzone mit all ihren Reglementierungen für viel Zündstoff und ist heiß umkämpft.

„Das ist ein Politikum“, weiß Moltke. Die offenen Fragen müssten auf anderer Ebene entschieden werden. Sein Bestreben sei es, von Unternehmerseite in einen Dialog zu treten. Dass die Stadtwerke den Unternehmerverband als Partner wahrnähmen, werte er als Erfolg.

Möglichkeiten zur Kooperation sieht Standort-Manager Schmid reichlich. Der M-Wasserweg etwa habe touristisch Potenzial. Vor allem aber für die Entwicklung der Öko-Modellregion wittert Schmid neue Möglichkeiten. Denn Öko-Landbau ist wegen des Wasserschutzes auch das Interesse der Stadtwerke. 165 Landwirte haben die SWM selbst unter Vertrag.

Im Auge hat Schmid vor allem den Wunsch, einen Stand auf dem Münchner Viktualienmarkt zu bekommen. Regionale Erzeuger aus dem Landkreis könnten dort ihre Produkte anbieten. Erste Gespräche dazu hat es gegeben. Echte Fortschritte sind nicht zu vermelden, aber auch Moltke ist überzeugt, dass der Stand Realität werden kann. Ohnehin müsse das Oberland in München präsenter werden, die Verbindung zwischen Stadt und Land stärker.

Was den Marktstand angeht, zeigt sich List weniger optimistisch: „Das wird schwierig. Der Viktualienmarkt ist ein Heiligtum.“ Für eine Vermarktungs-Kooperation will sich List aber einsetzen– auch wenn er 2006 eine Enttäuschung erlebt hat. Damals scheiterte ein Vermarktungskonzept für Bauern, die mit Rücksicht aufs Münchner Wasser ökologisch wirtschaften, am mangelnden Interesse – und ein 130.000-Euro-Budget verpuffte.

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