Hospizkreis-Koordinatorinnen Miriam Cetinich (l.) und Petra Obermüller.
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Sind weiter für die Menschen da: die Hospizkreis-Koordinatorinnen Miriam Cetinich (l.) und Petra Obermüller.

Verein bietet weiter Hilfe an

Sterbebegleitung trotz Corona: Hospizkreis sendet wichtigen Appell aus

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Corona hat Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen erschwert. Doch es gibt eine Ausnahme: Die Sterbebegleiter des Hospizkreises können ihrer wichtigen Aufgabe weiter nachgehen.

Landkreis – Auf dem letzten Weg erscheint die Welt da draußen oft weit weg. Probleme, mit denen sich die Menschen im Alltag herumschlagen müssen, verlieren für Sterbende an Relevanz. Sie sind mit sich selbst beschäftigt, brauchen Kraft und Unterstützung. Die Corona-Pandemie macht da eine Ausnahme. Ihre Auswirkungen reichen sogar bis auf die Palliativstation im Krankenhaus und in die Pflegeheime hinein. Und das sogar massiv: Angehörige dürfen nur noch sehr eingeschränkt zu Besuch kommen, die Hygieneregeln machen strenge Vorgaben.

Viele Menschen sind der Meinung, dass das auch für Hospizbegleiter gilt, berichten die Koordinatorinnen des Hospizkreises im Landkreis Miesbach, Petra Obermüller und Miriam Cetinich. „Seit dem allgemeinen Einfrieren im ersten Lockdown ist die Unsicherheit groß“, sagt Cetinich. Die Anfragen nach Sterbebegleitung und Trauerhilfe seien spürbar zurückgegangen. Und das, obwohl das Bedürfnis nach Unterstützung in diesen Zeiten umso größer sei. „Die Einsamkeit hat durch die Kontaktbeschränkungen noch zugenommen“, weiß Obermüller. Der Appell der beiden Koordinatorinnen ist daher eindeutig: „Die Hospizarbeit steht nicht still. Wir sind weiter für Sterbende, Angehörige und Trauernde da.“

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Egal ob für Besuche im Krankenhaus, Pflegeheim oder Zuhause: Durch Corona sind die Anforderungen an die rund 60 Begleiter des Hospizkreises noch größer geworden. Und doch stehen weiter alle parat. „Alle sind sich ihrer Verantwortung bewusst und versuchen, so gut wie es geht, ihrer Aufgabe nachzugehen“, sagt Cetinich.

Was möglich ist, unterscheidet sich je nach Situation ganz gravierend. „Wir müssen flexibel sein“, sagt Obermüller. Um bestmöglich vorbereitet zu sein, steht der Hospizkreis in engem Austausch mit allen wichtigen Einrichtungen im Landkreis. Das Hygienekonzept ist ausgefeilt. Von zeitlichen Besuchsbeschränkungen seien die Begleiter ohnehin ausgenommen.

Angesichts der nur sehr eingeschränkt möglichen Beerdigungen ist Trauerbegleitung wichtig, und die Kurse für die Hospizbegleiter laufen weiter. Weil dies in den angestammten Räumen in den Pflegeeinrichtungen nicht möglich ist, musste sich der Hospizkreis nach Alternativen umschauen. Fündig wurden die Ehrenamtlichen bei den Pfarreien im Landkreis. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betont Obermüller. In den kommenden Wochen und Monaten werde man versuchen, auch Spaziergänge oder kleine Wanderungen anzubieten, um so trotz Corona entspannte Gespräche zu ermöglichen.

Auf Eis legen musste der Hospizkreis sein Anfang des Jahres gestartetes Projekt, feste Besuchsteams für die Palliativstation und die Pflegeheime zu etablieren. „Wir dürfen aktuell nicht mehrere Menschen gleichzeitig besuchen“, erklärt Cetinich. Parallel arbeiten die Koordinatorinnen schon an einem neuen Angebot, der „Letzten Hilfe“. Eine Reihe von vier jeweils 45 Minuten langen Kursen, die einen niedrigschwelligen Zugang zu den Themen Sterben und Trauer bieten sollen. „Das Wissen darüber sollte so selbstverständlich sein wie bei der Ersten Hilfe“, erklärt Obermüller. Genau wie die Möglichkeit, das Angebot des Hospizkreises auch in Corona-Zeiten in Anspruch nehmen zu können.

Kontakt aufnehmen

mit dem Hospizkreis können Interessierte unter 0 80 24 / 477 98 55, per Mail an info@hospizkreis.de sowie auf www.hospizkreis.de. Die Angebote des Vereins sind kostenfrei.

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