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Der Blick gen Himmel ist wieder frei: Physiklehrerin Carolin Laubmeier dankt dem Vorsitzenden der Freunde und Förderer des Gymnasiums Miesbach, Uwe Dietrich, für die 2100 Euro-Spende für die Schul-Sternwarte.

Freunde und Förderer spenden 2100 Euro

Sternwarte des Gymnasiums ist bereit für neue Kometen

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Das Gymnasium Miesbach greift wieder nach den Sternen. Nach sieben Jahren Zwangspause wegen der Modernisierung der Schule thront die Sternwarte wieder auf dem Dach des Westflügels - dank einer Spende.

Miesbach – Bei seinem Wiedersehen mit der Erde gab sich Halley eher distanziert. Näher als 63 Millionen Kilometer kam der Komet dem blauen Planeten 1986 nicht. Doch weil der Halleysche Komet im Mittel nur alle 76 Jahre auf Tuchfühlung mit den Menschen geht, schlug sein Besuch ein wie eine Bombe. Auf allen Kontinenten folgten die Teleskope seiner Bahn, das gepanzerte Raumfahrzeug „Giotto“ hängte sich sogar vier Stunden lang in seinen Schweif aus Staub. Auch das Gymnasium Miesbach konnte sich der Faszination des Superstars nicht entziehen. Wirklich gut zu beobachten war der allerdings nur auf der Südhalbkugel. „Obwohl die Kometenerscheinung deshalb für uns sehr enttäuschend verlief, bildete sich erstmals die Arbeitsgemeinschaft Astronomie“, schrieb Physiklehrer Ferdinand Huber im Jahresbericht 1996.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Eberhard von Ammon und Alexander Wildgruber begeisterte er immer mehr Schüler für den nächtlichen Blick in den Himmel. Auch Martin Weiß stand vor 25 Jahren als Achtklässler „mit zwei langen Unterhosen“ am Stadlberg und spähte durch das Celestron C8-Teleskop in die Sterne. Heute braucht er dazu nur in seinen Garten gehen. Weil beim Bau seines Hauses noch Beton übrig war, ließ sich der Ingenieur dort ein Fundament für eine eigene Sternwarte gießen. Dem Gymnasium ist der Hobby-Astronom aber immer noch verbunden. Auch dank seiner Spende steuerten die Freunde und Förderer der Schule nun 2100 Euro zum Kauf einer neuen Montierung für das während der Modernisierung des Gymnasiums abgebaute Teleskop „Meade LX 200“ bei. Die Sternwarte auf dem Westflügel ist damit nach sieben Jahren Pause wieder einsatzbereit.

„Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Schüler jetzt auch wieder durch die eigene Beobachtungserfahrung für die Astronomie begeistern können“, sagte Physiklehrer Matthias Weigl bei einem Infoabend der Reihe „Freunde Exklusiv“. Entsprechend stolz ist der Vorsitzende der Freunde und Förderer, Uwe Dietrich: „Wir sind froh, dass wir die Sternwarte wieder voll nutzbar machen konnten.“ Bereits im Herbst habe der Sachaufwandsträger der Schule die Kuppel wieder auf dem Dach aufgebaut.

1993 wurde die Kuppel über dem Teleskop von einem Kran auf den Westflügel gehoben (Bild links). Die Kosten in Höhe von 90 000 Mark hatten Elternbeirat und Förderverein selbst zusammengetragen.

Dass das Gymnasium Miesbach heute überhaupt im Besitz einer Sternwarte ist, liegt nicht nur an der astronomiebegeisterten Lehrer- und Schülerschaft, sondern auch an der hohen Spendenbereitschaft von Eltern und Förderern. So mutete der Wunsch nach einer festen Beobachtungsstation lange Zeit wie der sprichwörtliche Griff nach den Sternen an. 1990 lehnte der Kreistag das 90 000 Mark teure Projekt mehrheitlich ab. Zuvor hatte auch die Regierung von Oberbayern der Schule einen Zuschuss verwehrt. Und das, obwohl der Betrag im Vergleich zur mit 15 Millionen Mark taxierten Erweiterung des Gymnasiums eher wie ein weißer Zwerg denn wie eine Supernova anmutete. Doch der damalige Oberstudiendirektor Andreas Scherm und Elternbeiratsvorsitzender Heinrich Höllerl ließen sich davon nicht entmutigen und starteten eine Spendenaktion. Mit Erfolg: 1993 hievte ein Kran die Drei-Meter-Kuppel auf den neuen Westflügel der Schule, im November 1994 eröffnete diese den Miesbachern erstmals einen Blick in die Weiten des Weltalls.

Dass all die Mühen nicht umsonst waren, zeigte sich am 16. April 1996. Fast genau zehn Jahre nach Halley zog mit Hyakutake der nächste kosmische Reisende an der Erde vorbei. Und das Gymnasium saß dank der neuen Sternwarte quasi in der ersten Reihe im Himmelskino. „Endlich bot sich die Möglichkeit für uns, einen prächtigen Kometen zu bewundern“, schrieb Huber nach unzähligen Beobachtungsstunden mit Schülern, Eltern und ehemaligen Gymnasiasten. Obwohl die Wetterbedingungen eher ungünstig waren, entstanden teils spektakuläre Fotos von Hyakutake und seinem Schweif.

Zum nächsten Rendezvous mit dem Halleyschen Kometen kommt es hingegen erst am 29. Juli 2061. Auch wenn 44 Jahre – aus Menschensicht – eine lange Zeit sind: Das Gymnasium wird auf die Rückkehr des Besuchers aus dem Weltraum gut vorbereitet sein. Die Spenden der Freunde und Förderer sind gewissermaßen eine kosmische Konstante. „Freunde sind wie Sterne“, sagt Dietrich. „Man kann sie nicht immer sehen, aber sie sind immer da.“

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