Jochen Stasch (†)
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Jochen Stasch (†)

NACHRUF

Stets korrekt und hilfsbereit: Miesbach trauert um Ex-Stadtrat und Gebirgsschütze Jochen Stasch

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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Miesbach – Eigentlich hieß er Joachim, aber ganz Miesbach nannte ihn Jochen. Und für Jochen Stasch war das eine Auszeichnung. Immerhin hatte er es als Zuagroasta geschafft, in der Kreisstadt nicht nur eine Heimat zu finden, sondern auch geschätzt zu werden – als Lehrer, als Stadtrat, als Gebirgsschütze.

Die bairische Form des Joachim zeigte diese Wertschätzung im Alltag. Vor Kurzem ist Jochen Stasch im Alter von 92 Jahren verstorben.

Geboren wurde er am 29. Juni 1929 im schlesischen Ratibor, wo er aufwuchs und zur Schule ging. Durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs verschlug es ihn ins Sudetenland und dann nach Sachsen. Nachdem er in München seine Eltern wiedergefunden hatte, lebte er ab 1946 in Bayern. Hier machte er seine Landwirtschaftslehre, absolvierte an der Fachhochschule sein Studium zum Ingenieur für Agrarwirtschaft und studierte weiter, um landwirtschaftlicher Berufsschullehrer zu werden.

Zum Studium in die USA

Im Rahmen eines Stipendiums machte er etwas, was so kurz nach dem Krieg noch ungewöhnlich war: Er studierte zwei Semester Agrarpädagogik an der Pennsylvania State University in den USA. Dort graduierte er zum „Master Of Education“.

Auch familiär hatte Stasch seinen Weg gefunden. 1957 heiratete er seine Frau Antonia, die aus Lenggries stammte. Er wurde Vater einer Tochter und freute sich später über seine vier Enkelkinder und sogar sein Urenkelkind.

Es war ebenfalls 1957, als er an die Berufsschule in Miesbach wechselte. Dort blieb er bis zum Ruhestand, den er als Studiendirektor und stellvertretender Schulleiter antrat.

Zwei Perioden im Stadtrat

Politisch engagierte er sich bei der CSU für Miesbach und schaffte es zweimal in den Stadtrat: das erste Mal 1972 bis 1978 und dann wieder von 1984 bis 1990. In seinem Ortsverein war er sehr geschätzt.

„Ich habe ihn als ehrlich, redlich, positiv und stets sachlich erlebt“, sagt Dritter Bürgermeister Franz Mayer, und sein Fraktionskollege Alfred Mittermaier ergänzt: „Er hatte ein phänomenales Wissen und war ein kritischer, aber sachlicher Kollege.“ Ex-Stadtrat Dirk Thelemann beschreibt ihn so: „Er ging den Dingen auf den Grund, war dabei aber lösungsorientiert. Er wollte zu Entscheidungen kommen.“

Gründungsmitglied bei den Gebirgsschützen

Nicht nur Staschs analytischer Verstand wird Stadtrat Markus Baumgartner in Erinnerung bleiben: „Er war einer, der genau war, hilfsbereit und sehr zuverlässig.“ Auch bei den Gebirgsschützen, zu deren Mitbegründern Stasch 1979 zählte, hinterlässt er eine Lücke. „Er hat sich bei uns überaus verdient gemacht“, sagt Hauptmann Josef Nowak, auch mit Blick auf die von ihm verfasste Chronik.

Eines hat Jochen Stasch aber nie geschafft: Bairisch zu reden. „Das hat er auch konsequenterweise bleiben lassen“, erinnert sich Baumgartner. „Er wollte nicht aufgesetzt sein und ist gerade deshalb in Miesbach angekommen.“

ddy

Die Urnenbeisetzung

findet am Freitag, 26. November, in Miesbach statt. Der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr.

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