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Kleiner Erfolg: Mit Sitzbänken hat der Geschäftsleute-Stammtisch Fraunhoferstraße ein paar Ecken der Miesbacher Innenstadt aufgewertet.

Stillstand oder neue Aufgaben?

So geht es weiter mit der Miesbacher Stadtentwicklung

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Miesbachs Stadtentwicklung ist ins Stocken geraten. Aktuell beschäftigt sich der Stadtentwicklungsausschuss mit Nebenthemen wie Behindertenparkplätzen. Doch das ist keine Dauerlösung.

Miesbach – Der Stadtentwicklungsausschuss ist aus dem Tritt gekommen. Was vor zwei Jahren als ambitionierte Schnittstelle zwischen den Mitmach-Stammtischen der Geschäftsleuten, dem Gewerbeverband GWM und dem Stadtrat installiert worden war, um effizient Ideen von der Basis in die Tat umzusetzen, dümpelt mittlerweile etwas ziellos vor sich hin. Nachdem der Vertrag von Citymanager Schorsch Danner nicht verlängert worden war, fehlt die richtungsweisende Hand.

Nicht nur wegen des knappen Geldes mangelt es derzeit an Perspektiven. Der Verwaltungs- und Diskussionsapparat im Rathaus hat den Kreativmotor abgewürgt. Erste Auflösungserscheinungen werden sichtbar. So hat sich Geschäftsfrau Stefanie Mawick vom Stammtisch Fraunhoferstraße mittlerweile aus dem Stadtentwicklungsausschuss zurückgezogen. Über ihre Nachfolge wird in der heutigen Sitzung mit Ortsbegehung (ab 18 Uhr am Rathaus) gesprochen.

„Ich finde es schade, dass es irgendwie nicht weitergeht“, sagt Mawick. Man sei beim Stammtisch mit viel Elan gestartet, doch was sich tatsächlich umsetzen ließ, sei wenig: ein paar Bänke und der beleuchtete Handlauf am Lebzelterberg. „Mitarbeiten soll Spaß machen, aber dazu muss am Ende etwas herauskommen.“

Geschäftsfrau Uschi Liebhardt vom Stammtisch Marktplatz kann Mawicks Entscheidung nachvollziehen. „Der Ausschuss dümpelt gerade etwas“, sagt sie. Dennoch habe das Gremium seine Bedeutung. „Das große Konzept zum Marktplatz liegt derzeit auf Eis, aber man auch im Kleinen vieles verändern und verschönern.“ In der derzeitigen Situation sei es sinnvoll, den Fokus dem anzupassen: Was kostet wenig und bringt viel?

Wie Mawick sagt auch Liebhardt, dass es nicht nur um den Marktplatz allein geht. „Die Optik der ganzen Stadt ist für Tagesgäste wichtig.“ Da gebe es einiges, das man anpacken könne. Aktuell habe man die Chance, sich um vermeintliche Kleinigkeiten wie Papierkörbe zu kümmern, bevor es wieder um die großen Komplexe geht.

Auch für Stadtplaner Otto Kurz sind es derzeit die „Low-Budget-Themen“, die der Ausschuss in den Vordergrund stellen sollte. „Die Geldfrage blockiert alles“, stellt er fest. Will man die großen Themen anpacken, dann müsse auch etwas geschehen. Immer wieder aufschieben sei keine Option, sonst lasse sich die Mitmach-Bereitschaft nicht hochhalten. Sein Tipp: „Man sollte nun versuchen, im Kleinen mehr Qualität und Angebote zu entwickeln und mit einfachen Dingen Pep reinbringen.“

Als große Chance sieht Kurz – wie auch Mawick – den geplanten Neubau am Landratsamt. „Diese Investition wird sich positiv auf die Stadt auswirken“, prophezeit er. Deshalb sei es ratsam, „dieses Projekt positiv zu begleiten und sich einzubringen“. Neben der Aufwertung gehe es vor allem um zusätzlichen Parkraum, der durch das neue Parkdeck entstehen soll – gerade mit Blick auf eine museale Nutzung des benachbarten Klostergeländes. Generell wertet der Stadtplaner ein Museum als „tollen Impuls an einem tollen Standort“. Allerdings brauche man dazu Partner. „Als alleiniger Träger wird es kaum funktionieren.“

Auch Lisa Hilbich, die die für alle Bürger offene Initiative Marktplatz im Stadtentwicklungsausschuss vertritt, befürwortet einen größeren Aktionsradius. „Themen gibt es ja genug“, sagt sie. „Der Marktplatz sollte nicht das einzige Projekt sein.“ Im Mittelpunkt sieht sie generell die Diskussion und den Austausch mit dem Ziel, gemeinsam die Stadt voranzubringen. Daraus könne viel entstehen.

Aktuell sieht auch sie die kleinen Aspekte im Vordergrund, „mit denen man etwas ohne großen Aufwand verbessern kann“. Am Ende müssten konkrete Ergebnisse stehen, betont sie. „Unseren Leuten geht es letztlich um pragmatische Lösungen.“ Wichtig sei auf jeden Fall, dass der Ausschuss erhalten bleibt. „Denn die Stadt hat sich damit ein gutes Instrument geschaffen.“

Dem stimmt Markus Seemüller zu. Der Stadtrat der Freien Wähler will ein fünfköpfiges Gremium installieren, das Kompromisslösungen zur Gestaltung des Marktplatzes erarbeiten soll (wir berichteten). Ist dieser Prozess in einigen Monaten abgeschlossen, sei aus seiner Sicht der Stadtentwicklungsausschuss wieder am Zug: „Dann geht es darum, dieses Ergebnis zu besprechen und zu justieren – auch mit Blick auf das Jubiläum 100 Jahre Stadterhebung, das wir 2018 feiern.“ Der Stadtentwicklungsausschuss sei eine wichtige Drehscheibe für Bürger, die sich beteiligen wollen. „Auf dieses Instrument kann die Stadt stolz sein.“ Die großen Themen werden bald wieder kommen.

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