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Hat Verständnis für Maßnahme: Hubert Stehr, Vorstand der Raiffeisenbank im Oberland. Daneben die Gmunder Raiffeisenbank.

Droht auch bald in Miesbach der Strafzins?

Strafzins in Gmund: Das sagt der Miesbacher Raiffeisenbank-Chef

Miesbach/Gmund - In Gmund müssen Kunden der Raiffeisenbank Strafzinsen zahlen, wenn sie mehr als 100.000 Euro auf dem Girokonto haben. Das sagt der Miesbacher Raiffeisenbank-Chef dazu.

„Es ist immer ungut, wenn man bei so etwas der Erste ist“, sagt Hubert Stehr. Dennoch: Der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank im Oberland mit Sitz in Miesbach und Sprecher der Raiffeisenbanken im Landkreis kann den Schritt verstehen, den seine Kollegen in Gmund getan haben. Sie verlangen ab September von Privat- und Firmenkunden, die große Summen auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto lagern, ein sogenanntes „Verwahr-Entgelt“: 0,4 Prozent auf alles, was über 100 000 Euro hinausgeht. Warum, erklärt der Gmunder Raiffeisenbank-Chef im Interview.

139 Kunden seien betroffen, sagt Josef Paul, Vorstandsmitglied der Gmunder Raiffeisenbank. Diese würden 40 Millionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten parken und dem Geldunternehmen damit 0,4 Prozent Kosten verursachen. „Ich kann nicht für jede Million 4000 Euro hinlegen“, erklärt Paul. Die Kosten gebe er deshalb nun nach dem Verursacherprinzip weiter.

Ein Vorstoß, den andere Geldinstitute noch nicht wagen – oder noch nicht für notwendig halten. Schon im April hatte der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Miesbach Tegernsee, Martin Mihalovits, erklärt, dass es in seinem Haus keinerlei Überlegungen gebe, einen Negativzins für Sparer einzuführen. „Wir versuchen so lange wie möglich, unsere Privatkunden vor den negativen Auswirkungen der EZB-Politik zu schützen“, sagte er damals.

Stehr erklärt, warum es kein einheitliches Vorgehen gibt: „Es hat ja jedes Haus ein anderes Kundenklientel und ist also anders aufgestellt.“ Deshalb würden die Verantwortlichen solche Entscheidungen auch intern im Haus und unabhängig von den anderen Niederlassungen treffen. Eine Absprache bei den Raiffeisenbanken gebe es im Vorfeld nicht, sagt Stehr. „Ich habe zwar davon gehört, dass in Gmund darüber nachgedacht wurde, aber im Detail wusste ich nichts.“

In Gmund haben laut Vorstandsmitglied Paul bereits die ersten Kunden Konsequenzen gezogen und auf andere Anlagen gewechselt. Eine andere Möglichkeit wäre, zu einer anderen Bank zu gehen. Möglicherweise eine zu kurz gedachte Entscheidung, warnt Stehr. „Wenn viele Kunden zu Banken abwandern, die kein Verwahr-Entgelt erheben, dann müssten vielleicht auch diese Institute irgendwann nachziehen.“

Mit Blick auf den geldpolitischen Kurs der Europäischen Zenralbank (EZB) sagt Stehr: „Wenn die derzeitige Entwicklung anhält, dann sind die Banken früher oder später gezwungen, so zu handeln.“ Auch wenn der Schritt in Gmund also jetzt noch die Ausnahme ist: „Aktuell ist nicht abzusehen, wie das in einem Jahr aussieht.“

Christine Merk

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