+
Zu anders für die Kolpingstraße: Für den Stadtrat ist das geplante Pfarrheim nicht regionaltypisch. Dafür erfüllt die Planung die Raumwünsche der Kirchengemeinde.

Wegen der Optik

Miesbachs Stadtrat macht mobil gegen neues Pfarrheim

  • schließen

Miesbachs neues Pfarrheim wird zunehmend zum Zankapfel. Zu wuchtig und zu wenig heimattypisch sei es geplant, kritisiert der Stadtrat. Noch will man im Dialog zu einer Einigung kommen. Falls dies nicht gelingt, hat die Stadt vor, mit einer Gestaltungssatzung Druck auf die katholische Gemeinde auszuüben.

Es ist ein Streit, der aus biblischer Sicht wohl nicht gerade Gott wohlgefällig sein dürfte: Der Miesbacher Stadtrat stört sich an der äußeren Erscheinung, die das neue Pfarrheim der katholischen Kirchengemeinde haben soll. Der Vorwurf: Der Bau passe optisch nicht in die Umgebung, sei zu wuchtig und nicht typisch für die Region. Bislang wurde kein Kompromiss gefunden. Warum auch? Planungsrechtlich ist der Bau kaum zu verhindern.

In der Sitzung am Donnerstagabend brachte sich die Stadt gewissermaßen in Stellung. Zwar wurde einstimmig beschlossen, den Dialog mit der Kirchengemeinde zu suchen, doch in einem zweiten Beschluss wurde die Verwaltung bei vier Gegenstimmen beauftragt, die Eckpunkte für das Aufstellen einer Gestaltungssatzung vorzubereiten – gewissermaßen ein schärferes Schwert, um der Kirche den Beelzebub auszutreiben.

Wie groß die Ablehnung ist, hatte die vorangegangene Diskussion gezeigt. Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) äußerte sich noch diplomatisch: „Das Raumprogramm ist hervorragend, aber die Hülle gefällt uns nicht.“ Darüber sei oft mit der Kirchengemeinde gesprochen worden, „aber sind auf eine Mauer gestoßen“.

Ihre Fraktionskollegen wurden deutlicher: „Das ist ein massiver Bau, der nicht in die Straße passt“, betonte Franz Mayer. „Viele Bürger verstehen das nicht. Und wer muss es sich anhören, wenn das Haus steht? Wir!“ Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) insistierte vor allem auf Vordach und Dachüberstand: „Das darf in unserer niederschlagsreichen Gegend schon fordern.“ Und Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) stellte fest: „Dieser Bau könnte auch in Frankfurt stehen.“

Inge Jooß (SPD), selbst Mitglied des Pfarrgemeinderats, brach indes eine Lanze für das Projekt. „Mir fehlt die Offenheit in dieser Diskussion“, stellte sie fest. Die Kolpingstraße sei „weiß Gott kein Bild der Einheitlichkeit. Alles, was je gebaut worden ist, findet dort statt. Aber wenn man dort durchgeht, hat man das Gefühl, da leben die Leute.“

Der Neubau ist laut Jooß sachlich und zeige, dass er 2019 gebaut wurde. „Für einen Dachvorstand, Sprossen an den Fenstern und ein paar Schnitzereien brauchen wir kein Pfarrheim.“ Einen Dialog findet Jooß gut, doch jetzt eine Gestaltungssatzung vorzubereiten, sei „der Hammer. Da ist es kein Wunder, wenn die Leute sagen: Da halten wir dagegen.“ Hedwig Schmidt (SPD) nahm zudem Planer Olufemi in Schutz: „Der Architekt hängt vom Bauherrn ab.“

Auslöser für das Tätigwerden der Stadt war die laufende Frist des eingereichten Vorbescheidsantrags der Kirche. „Der bringt uns in Zugzwang“, stellte Bauamtsleiter Lutz Breitwieser fest. Denn das Einfügen des Pfarrheims nach § 34 Baugesetzbuch beziehe sich nur auf Art und Maß der Nutzung, nicht aber auf die Gestaltung. Für letztere brauche es eine eigene Satzung.

Ein positives Signal hat die Kirchengemeinde bereits gesendet. Den mit dem Antrag eingereichten Fragenkatalog zur Gestaltung zog sie nach Rücksprache mit der Stadt vor der Sitzung zurück. Damit hat sich der Druck, die zweimonatige Entscheidungsfrist einzuhalten, entspannt. Breitwieser: „Wir müssen jetzt nichts zur Gestaltung sagen, was später fix ist.“ Die gewonnene Zeit solle die Kirchengemeinde nun nutzen, um in sich zu gehen, mahnte nicht nur Pongratz.

ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Sonnen-Arbeitswoche: So sibirisch-fies wird das Wochenende
Ein traumhafter Föhn-Tag jagt den anderen. Selbst am Freitag noch Traumwetter in ganz Oberbayern. Unser Tipp: Genießen Sie es, denn am Wochenende wird‘s richtig, richtig …
Nach Sonnen-Arbeitswoche: So sibirisch-fies wird das Wochenende
Nach Pause im Vorjahr: 1000-Lichterglanz mit neuem Konzept
Der 1000-Lichterglanz in Miesbach ist zurück. Aber nicht als Party mit lauter Musik, sondern in seiner ursprünglich gedachten Fassung: als stimmungsvoller Einkaufsabend.
Nach Pause im Vorjahr: 1000-Lichterglanz mit neuem Konzept
Leonie I. und David I. regieren das junge Faschingsvolk
Bis zum Rosenmontag warten rund 30 Auftritte auf Leonie Müller und David Schabert. Die beiden regieren kommende Saison als Leonie I. und David I. das junge Haushamer …
Leonie I. und David I. regieren das junge Faschingsvolk
Albtraum in Miesbacher Bar: Barkeeper soll 22-Jährige vergewaltigt haben
Dieser Fall hielt die Kreisstadt in Atem: Eine junge Frau schlief in einer Bar ein, dann soll der Barkeeper (36) zugegriffen haben. Jetzt hat der Prozess begonnen. Der …
Albtraum in Miesbacher Bar: Barkeeper soll 22-Jährige vergewaltigt haben

Kommentare