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Die Suchtberatungsstelle der Miesbacher Caritas ist auch während des Lockdowns geöffnet. Symbolbild.

Hilfe in der Pandemie

Suchtambulanz verzeichnet leichten Anstieg: Caritas-Mitarbeiter im Interview - Beratungen möglich

  • Christine Merk
    vonChristine Merk
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Matthias Dürlich von der Miesbacher Caritas erklärt im Interview, wie eine Suchthilfe-Beratung abläuft. Die Anfragen bei dem Wohlfahrtsverband sind in jüngster Zeit leicht gestiegen.

Miesbach – Kurzarbeit, Kontaktsperren, Verlust des Jobs – die Corona-Auswirkungen belasten viele Menschen. Das merken auch die Mitarbeiter der Fachambulanz für Suchtkranke im Caritas-Zentrum Miesbach. Sie wollen jedem, der sein Konsumverhalten ändern will, Mut machen zu einer Beratung. Wie diese Hilfe aussieht, erklärt Matthias Dürlich im Gespräch.

Herr Dürlich, die Corona-Pandemie bedeutet für viele Menschen eine große Belastung. Merken Sie das in der Suchtambulanz?

Dürlich: Wir verzeichnen zwar eine leichte Steigerung bei den Anfragen, doch sie ist tatsächlich nicht sehr groß. Was wir aber schon bemerken ist, dass die Menschen persönliche Belastungen thematisieren, die mit Corona zusammenhängen. Zum Beispiel die fehlenden Kontakte, dass sie es vermissen, Menschen treffen zu können.

Matthias Dürlich

Kommen die Hilfesuchenden aus eigener Initiative auf Sie zu?

Dürlich: Das ist unterschiedlich. Manche nehmen den Kontakt auf, weil sie selbst merken, dass ihr Konsum von Alkohol oder anderen Drogen zu viel wird. Für manche ist der Verlust des Führerscheins der Auslöser, um bei uns anzurufen. Andere werden vom Arzt, von Familienangehörigen oder Freunden auf ihr Suchtverhalten angesprochen.

Die häufigsten Suchtmittel sind?

Dürlich: Ein großer Bereich ist der Alkohol, dann kommen Cannabis und andere Rauschmittel. Und was sich gerade sehr entwickelt, ist die Sucht im Bereich Medien.

Heißt?

Dürlich: Internet und Glücksspiele spielen eine Rolle – das merken wir vor allem in unseren Elternkursen. Früher waren Zigaretten das Thema Nummer eins, heute dreht sich der Streit in den Familien vor allem um Smartphone und Games. Wieviel darf mein Kind konsumieren? Wo sind die Grenzen? Das sind die Fragen, die die Eltern beschäftigen.

Eine Entwicklung, die für Eltern schwer zu kontrollieren ist ...

Dürlich: Ja, und die Lockdowns wegen Corona verschärfen diese Entwicklung. Schulunterricht findet oft online statt, Kinder und Jugendliche dürfen sich nicht treffen und sind viel zuhause. Das fördert natürlich den Konsum. Die Mediensucht ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.

Wie können Sie Menschen helfen, die zu Ihnen kommen?

Dürlich: Die Grundlage für alles Weitere ist, das Ziel genau zu klären. Geht es ums Reduzieren oder ums Aufhören? Was will der oder die Betroffene? Wir erfragen die Geschichte, den Verlauf des Suchtverhaltens. Auf dieser Basis können wir bei der Umsetzung coachen.

Sie bieten direkt eine Therapie an?

Dürlich: Ja, wir führen selbst eine ambulante Suchtbehandlung durch, können aber auch in eine Fachklinik vermitteln.

Die Suchtkrankheit eines Menschen betrifft ja auch Angehörige. Dürfen sich auch diese an Ihre Beratungsstelle wenden?

Dürlich: Natürlich. Wir sind auch Ansprechpartner für Familienangehörige, für Eltern, Kinder, Geschwister und auch für Freunde. In Holzkirchen gibt es auch eine Angehörigengruppe.

Das Gespräch führte Christine Merk.

Kontakt: Caritas Zentrum Miesbach, Fachambulanz für Suchterkrankung, Franz- und Johann-Wallach-Straße 12, Telefon 0 80 25 / 28 06 60; Email: fachambulanz-mb@caritasmuenchen.de.

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