Ausstellung, Kulturabend, Symposium: Zwei Tage lang dreht sich im Waitzinger Keller alles um Ludwig Thoma.
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Ausstellung, Kulturabend, Symposium: Zwei Tage lang dreht sich im Waitzinger Keller alles um Ludwig Thoma

Symposium zum 100. Todestag

Experten referieren über Ludwig Thoma

  • Bettina Stuhlweißenburg
    VonBettina Stuhlweißenburg
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Begnadeter Schriftsteller, kritischer Beobachter seiner Zeit – und Antisemit: Ludwig Thoma hat viele Facetten. Anlässlich seines 100. Todestags am 26. August finden im Waitzinger Keller eine Ausstellung, ein Kulturabend und ein Symposium statt, in dessen Rahmen die namhaftesten Thoma-Experten Deutschlands referieren.

Miesbach - „Das Symposium ist zwar wissenschaftlich, richtet sich aber an jeden, der sich für Thoma interessiert“, betont Franz-Josef Rigo, der die Veranstaltung zu Thomas 100. Todestag angestoßen hat. Auch Schüler seien willkommen. Mit Blick auf die Titel der jeweiligen Vorträge wird deutlich, dass das Symposium auch Unterhaltungswert hat. So befasst sich zum Beispiel die Professorin Gertrud Maria Rösch mit dem Ehepaar Thoma im Künstlerkreis am Tegernsee. Sie hat den kompletten Briefwechsel zwischen dem Schriftsteller und seiner Frau – der schönen aus Manila stammenden Tänzerin Marietta di Rigardo – untersucht. „Thoma war immer auf der Suche nach der intakten Liebe – leider vergeblich“, sagt Rigo.

Der Augsburger Literaturwissenschaftler Klaus Wolf widmet sich unter dem Titel „Der eifersüchtige Mentor?“ dem Verhältnis Thomas zu Lena Christ. Die Talkrunde „Thoma auf der Couch“ mit dem Arzt und Psychotherapeuten Michael Koehle beleuchtet das Seelenleben des bayrischen Satirikers. „Thomas Leben ist auch psychologisch interessant“, sagt Rigo. So habe er bereits in seiner Kindheit traumatische Erfahrungen machen müssen. Zum Beispiel sei Thoma in Pflegefamilien aufgewachsen, nachdem ihn seine Mutter weggegeben hatte, weil sie damit überfordert war, sieben Kinder allein großzuziehen. „In ihm hat die Frage gebohrt: Warum werde ausgerechnet ich weggeschickt?“, erklärt Rigo. Zu Gast ist außerdem der Literaturwissenschaftler Professor Bernhard Gajek (92). Er referiert über „Ludwig Thoma und die Taschners“.

Freilich thematisiert das Symposium auch den Antisemitismus Thomas. „Wir werden darüber nicht schulterzuckend hinweggehen“, sagt Rigo. Hat ein Antisemit wie Thoma ein Programm zum 100. Todestag überhaupt verdient? „Hat es Richard Wagner verdient, dass die Crème de la Crème, allen voran die Bundeskanzlerin, nach Bayreuth zu den Festspielen fährt?“, fragt Rigo. Er findet, man müsse differenziert mit der dunklen Seite Thomas umgehen. Thoma sei eben auch Wortkünstler gewesen, Verfasser großartiger Romane wie „Der Ruepp“. Sein Werk und Leben seien historisch interessant. „Man kann daraus sehr viel über die Geschichte seiner Zeit lernen“, sagt Rigo. „Man erfährt, was die junge Weimarer Republik gefährdet hat und wie die Erfahrung des Ersten Weltkriegs die Menschen verändert hat.“

Teilnehmer des ganztägigen Symposiums am 26. August müssen nicht jede der insgesamt sieben Veranstaltungen besuchen. In den Pausen zwischen den einzelnen Vorträgen samt anschließender Diskussion besteht die Möglichkeit, zu gehen – oder zu kommen. Der genaue Ablauf mit detaillierten Uhrzeiten steht in Kürze fest.

Am Tag vor dem Symposium, dem Mittwoch, 25. August, findet außerdem ein Kulturabend statt. Unter dem Titel „Der Dichter im Schweinsgalopp“ rezitieren die Schauspielerin Stefanie von Poser („Wer früher stirbt ist länger tot“) sowie der Historiker Professor Wilhelm Liebhard aus Thomas Werk. Der Zither-Manä und das Maxl Trio musizieren dazu.

Außerdem ist von 25. August bis 10. September in der Kunstgalerie im Waitzinger Keller die Ausstellung „Thoma – Bohemian oder Spießer?“ zu sehen. Sie zeigt unter anderem das Hochzeitsfoto seiner Geliebten Maidi Liebermann. Außerdem eine Ausgabe der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“, in der Kurt Tucholsky nach der Lektüre von Thomas Erinnerungen befindet: „Welch ein Spießer!“.

Weitere Informationen

zu den drei Veranstaltungen unter dem Titel „Ludwig Thoma (1867 - 1921) – Zwischen Stammtisch und Erotik, Satire und Poesie“ gibt es unter www.waitzin ger-keller.de.

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