Landratsamt Miesbach Haupteingang
+
Der Fachbereich Jugend und Familie unter der Leitung von Robert Wein ist Teil des Landratsamts Miesbach.

Voraussichtliche Maßnahmen 2022

Systemsprenger und Teenagermütter: Kinder- und Jugendhilfe kostet Landkreis mehr als neun Millionen

  • Bettina Stuhlweißenburg
    VonBettina Stuhlweißenburg
    schließen

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, überforderte Teenagermütter, frühkindliche Förderung: Die Aufgaben des Fachbereichs Jugend und Familie sind facettenreich – und kosten Geld.

Landkreis – Aufwendungen in Höhe von 9 179 570 Euro fallen voraussichtlich im Jahr 2022 an. Damit rechnet Jugendamtsleiter Robert Wein, wie er in der jüngste Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistags darlegte. Die Summe ist höher als die für das laufende Jahr geplanten Ausgaben in Höhe von 8 570 580 Euro, aber niedriger als die Summe von 10 022 780 Euro, die für 2020 in den Haushalt eingestellt worden war.

Grund für die Schwankungen ist laut Wein die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die mal niedriger, mal höher ist. „Grundsätzlich steigen die Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe kontinuierlich“, so Wein.

Heimerziehung schlägt mit 2,3 Millionen zu Buche - auch Systemsprenger ohne adäquate Hilfsmöglichkeiten

Einen großen Posten macht 2022 mit 2,3 Millionen Euro die Heimerziehung aus. Unter den betroffenen Jugendlichen sind laut Wein auch sogenannte Systemsprenger – Kinder oder junge Menschen, deren Verhalten so schwierig ist, dass es im Grunde keine adäquate Hilfe für sie gibt. Wein zufolge wechselten sie jedes halbe Jahr die Einrichtung, da sie sich nirgendwo einfügen könnten. Aktuell ist keiner der aus dem Landkreis stammenden Systemsprenger in einer Einrichtung im Landkreis untergebracht – sie leben unter anderem in einer Einrichtung in Norddeutschland.

Robert Wein, Jugendamtsleiter im Landkreis Miesbach.

830 000 Euro sind für die Betreuung minderjähriger Flüchtlinge vorgesehen, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. Dieser Summe stehen allerdings Einnahmen in gleicher Höhe gegenüber, da sich das Amt die Mittel über den Bezirk Oberbayern zurückholen kann. „Das ist ein Nullsummenspiel“, sagt Wein.

An Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen fließen voraussichtlich 400 000 Euro, das sind laut Wein 100 000 Euro mehr als im laufenden Jahr: „Immer mehr Mütter kommen mit ihrem Baby nicht zurecht“ sagt Wein. Für die Arbeit der Erziehungsberatungsstelle sind 340 000 Euro vorgesehen. Für die Jugendsozialarbeit – darunter fallen laut Wein Sozialpädagogen, die sich an Schulen um schwierige Schüler kümmern – sind 334 000 Euro eingeplant. Hier fließen aber voraussichtlich 221 000 Euro zurück, unter anderem durch staatliche Fördermittel.

Unterstützung für Kitagebühren - auch freie Träger werden berücksichtigt

200 000 Euro sind berücksichtigt für den Bereich der Kindertagesstätten. Hier geht es um die Erstattung von Krippen- und Kindergartenbeiträgen für Eltern, deren Einkommen nicht reicht. Außerdem sind 30 000 Euro davon reserviert für den Fall, dass Eltern, die keinen bedarfsgerechten Betreuungsplatz bekommen, den Klageweg beschreiten. Derzeit gibt es keine Klagen, wie Wein auf Nachfrage von Kreisrätin Birgit Eibl (FW) sagte. „Ich bedanke mich bei den Kommunen, dass sie den Bedarf bisher immer decken konnten“, sagte Wein. Die Jugendgerichtshilfe ist mit 50 000 Euro berücksichtigt, für Fortbildungen und Supervision sind 20 000 Euro geplant.

Neben dem Haushalt für 2022 war auch die Vergabe von Zuschüssen an freie Träger im laufenden Jahr Thema. Der Ausschuss bewilligte dem Kinderschutzbund 4 550 Euro für die Durchführung des Theaterprojekts „Caramba Corontopia“, das Kindern ermöglichen soll, schädliche Folgen des Lockdowns zu verarbeiten. Die Verwaltung wollte dem Projekt lediglich 1000 Euro zugestehen.

Die Katholische Jugendstelle Miesbach erhält 5000 Euro für das Projekt „Berufseinsteiger.TV“, bei dem eine Internetplattform entsteht, auf der sich Ausbildungsbetriebe per Video vorstellen können.

+++ Lesen Sie auch: Jugendliche haben vergangenes Jahr besonders wenige Straftaten im Landkreis begangen. Das liegt zum Teil an Corona. Doch der Trend zeigt schon seit Jahren nach unten. +++

Eine Auswahl aller relevanten News und Geschichten erhalten Sie in unserem kostenlosen Newsletter regelmäßig und direkt per Mail. Melden Sie sich hier an für Tegernsee, hier für Miesbach und hier für Holzkirchen. (bst)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare