An schönen Tagen wird’s eng auf den Straßen, wie hier beim Einfädeln auf der B 318 bei Holzkirchen Richtung Tegernsee. Unter anderem hier sollen technische Geräte installiert werden, die Echtzeitdaten sammeln.
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An schönen Tagen wird’s eng auf den Straßen, wie hier beim Einfädeln auf der B 318 bei Holzkirchen Richtung Tegernsee. Unter anderem hier sollen technische Geräte installiert werden, die Echtzeitdaten sammeln.

Tourismus im Oberland

Task Force „Tagestourismus“ plant smarte Verkehrslenkung

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Noch vor Ostern nimmt die Task Force Tagestourismus ihre Arbeit auf. Auf der Agenda stehen smarte Verkehrslenkung – und eine Charmeoffensive.

  • Die Task Force will Verkehrsdaten in Echtzeit erheben und so Besucher lenken
  • Eine Kommunikationskampagne ist in Arbeit
  • Einheimische sollen verstehen, wie wichtig Tagesgäste für den Wohlstand der Region sind

Landkreis– Die Task Force, die Politiker und Interessensvertreter vor Kurzem gegründet haben, um die Herausforderungen des Tagestourismus in den Alpenlandkreisen zu stemmen (wir berichteten), kommt noch vor Ostern zusammen. Konkret ist es die Arbeitsgruppe Besucherlenkung, die sich trifft. Sie soll ein Projekt vorantreiben, das die Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) bereits vor einem Jahr angestoßen hat: Die digitale Verkehrslenkung mit Echtzeitdaten.

„Die Task Force bietet einen neuen Rahmen, das Vorhaben auf überregionaler Ebene anzupacken“, sagt Harald Gmeiner, Vorstand der ATS, die über den Verband Tourismus Oberbayern-München (TOM) Mitglied der Task Force ist. Das sei wichtig, schließlich seien Staus in Richtung Alpen kein Problem des Landkreises Miesbach: „Das betrifft auch die anderen Alpenlandkreise“, sagt Gmeiner.

Verkehrslenkung

Das Projekt sieht vor, auf den Strecken von der Autobahnabfahrt Weyarn Richtung Schliersee sowie von der Autobahnabfahrt Holzkirchen Richtung Tegernsee Sensorik zu installieren – technische Geräte, die Verkehrsdaten in Echtzeit erheben. Diese Daten sollen dann mit Wetterdaten und historischen Verkehrsdaten der zurückliegenden drei Jahre kombiniert werden, um Prognosen zu erstellen. „Wer am Freitag überlegt, am Sonntag einen Ausflug ins Oberland zu machen, soll dann sehen können, wo und wann er voraussichtlich im Stau steht“, erklärt Gmeiner. „Dann kann er sich überlegen, ob er zu einer anderen Zeit, an einen anderen Ort oder mit der Bahn fährt.“ Gmeiner hofft, auf diese Weise den Verkehr entzerren zu können.

Historische Daten liegen der ATS vor – sie hatte in den zurückliegenden drei Jahren Mobilfunkdaten auswerten lassen, die zeigen, wann wie viele Menschen in der Region waren und woher sie kommen. Schließlich sind verstopfte Straßen nichts Neues: „In den vergangenen fünf Jahren hat der Tagestourismus in der Region um 17 Prozent zugenommen. Das Problem beschäftigt uns nicht erst seit Corona.“

Bis das Vorhaben konkret wird, vergeht aber noch ein bisschen Zeit: „Wir haben noch keinen Förderbescheid vom Bayerischen Wirtschaftsministerium bekommen“, sagt Gmeiner. Wie teuer das Projekt ist? „Das wissen wir noch nicht.“ Trotzdem hofft Gmeiner, noch heuer die Sensorik an den Straßen installieren zu können. Damit steht die digitale Verkehrslenkung Nutzern längst noch nicht zur Verfügung. „Das zu entwickeln ist sehr komplex“, sagt Gmeiner. Im Gespräch sei man bisher mit dem Urban Institute – ein Unternehmen, das Technologien für „smarte Städte“ anbietet, mit Green City aus München, die in der digitalen Verkehrslenkung kompetent ist und mit dem Fraunhofer Institut. Wer den Zuschlag bekommt, entscheidet sich im Rahmen einer Ausschreibung.

Bis der Ausflugsverkehr im Oberland digital gesteuert werden kann, soll der bestehende Ausflugsticker Abhilfe schaffen. Das von der ATS entwickelte Instrument das auf www.oberbayern.de abrufbar ist, lenkt den Verkehr inzwischen oberbayernweit. „Allerdings ist das eine recht mühsame Sache, weil die Daten von uns per Hand eingepflegt werden müssen“, erklärt Gmeiner.

Imagekampagne

Ein weiteres Vorhaben brennt der Task Force unter den Nägeln: „Wir planen gerade eine Kommunikationskampagne in den sozialen Medien, die noch vor dem Sommer starten soll“, sagt Gmeiner. Mit dieser Charme-Offensive wollen die Tourismusverantwortlichen in der Region Tagesgäste zurückgewinnen, die sich durch das unfreundliche Schild am Miesbacher Ortseingang (wir berichteten) nicht mehr willkommen fühlen. Außerdem wollen sie Einheimischen vermitteln, wie wichtig der Tagestourismus für die Region ist. „Er bringt Lebensqualität“, sagt Gmeiner und nennt als Beispiel das 1600 Einwohner zählende Bayrischzell, das Skilifte, Wanderwege und ein Schwimmbad habe. „Nördlich von München haben Kommunen dieser Größe nicht mal einen Nahversorger.“

Tegernseer Tal Tourismus und Standortmarketing-Gesellschaft sind mit an Bord

Dieses Thema findet auch der Geschäftsführer Tegernseer Tal Tourismus (TTT), Christian Kausch wichtig: „Der Eindruck, es gebe eine Zwist zwischen Miesbach und München muss weg.“ Vielmehr müsse man sich als eine Region verstehen. Deshalb gefällt ihm auch die neue Task Force aus TOM, Europäischer Metropolregion München (EMM) und Tourismus-Initiative München (TIM), in der TTT Mitglied ist. „Wir stehen vor Herausforderungen, die auch andere Landkreise betreffen. Deshalb ist es wichtig, dass Kommunikation stattfindet.“

So sieht es auch Alexander Schmid, Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft, die Mitglied bei EMM ist. „Das Gegeneinander von Stadt und Land ist sehr peinlich.“ Die Task Force trage dazu bei, sich als Region wahrzunehmen. Sie können zudem helfen, Besucherströme umzulenken, „etwa nach Burghausen im Kreis Altötting.“ Einen festen Rhythmus für Treffen der Task Force gibt es nicht.

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