Tausende Liter an Desinfektionsmittel füllten die Helfer des THW-Ortsverband Miesbach im Pandemiejahr 2020 ab.
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Tausende Liter an Desinfektionsmittel füllten die Helfer des THW-Ortsverband Miesbach im Pandemiejahr 2020 ab.

Corona-Jahresbilanz des THW

Technisches Hilfswerk bei 258 Einsätzen 8500 Stunden im Einsatz

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Das Corona-Jahr 2020 hat auch das Technische Hilfswerk (THW) gefordert. Jetzt legte der Ortsverband MIesbach seine Jahresbilanz vor.

Miesbach – Für den Kampf gegen Wellen ist das Technische Hilfswerk (THW) eigentlich gerüstet. Doch anders als bei Hochwasserlagen konnten die Helfer des Ortsverbands Miesbach bei der Corona-Pandemie nicht auf Erfahrungen und ein gut gefülltes Lager zurückgreifen. Denn statt Sandsäcken brauchte es bei dem unbekannten Virus deutlich komplexere Schutzmaßnahmen, um die Infektionswelle einzudämmen. Ein Jahr, nachdem Ministerpräsident Markus Söder am 16. März den Katastrophenfall für Bayern ausgerufen hat, zieht das THW Miesbach nun Bilanz. Wobei man eigentlich eher von einer Zwischenbilanz sprechen muss, denn ein Ende des Einsatzes ist vor dem Hintergrund einer sich möglicherweise auch im Landkreis Miesbach aufbauenden dritten Welle nicht in Sicht.

Der erste Alarm ging am 19. März gegen 9 Uhr morgens ein. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz traf sich am Landratsamt. Das THW Miesbach wurde dabei mit der Absicherung der Corona-Teststation an der Wendelsteinstraße und mit dem Aufbau einer Zugangsschleuse am Krankenhaus Agatharied beauftragt. Je schneller die Infektionszahlen stiegen, umso klarer wurde allen Beteiligten, dass es „in großem Umfang an allen Mitteln zur Eindämmung der Pandemie“ fehlte, teilt das THW mit.

Tausende Liter Desinfektionsmittel abgefüllt

Gegen diesen Mangel sollten die Helfer dann in den kommenden vier Monaten ankämpfen. Mit dem Ziel, das Krankenhaus, Arztpraxen, Alten- und Pflegeheime, Schulen, Kindergärten, Rathäuser, Religionsgemeinschaften und sogar andere Hilfsorganisationen wie die Feuerwehren im Landkreis mit Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstung zu versorgen. All das gab’s nicht einfach in einer Lagerhalle um die Ecke. Vielmehr musste das THW mehrfach verschiedene deutsche Flughäfen ansteuern, um die großen Gebinde direkt aus dem Rumpf der Frachtmaschinen abzuholen. Im Materiallager des Landkreises kümmerte sich dann ein eigenes Team des THW ums Verstauen, Verwalten und Ausliefern. So füllten die Helfer tausende Liter Desinfektionsmittel in 1750 Flaschen ab.

33 Tonnen Ausrüstung im Landkreis verteilt

Im Schichtbetrieb waren die Teams vier Monate lang jeden Tag im Einsatz. Bereits bis Ende April lieferten sie 1000 Fuhren Schutzmaterialien an die vom Landratsamt ausgewählten Empfänger aus. Anfang Juli hatten die auf zwei Gruppen aufgeteilten 50 Ehrenamtlichen in 5200 Einsatzstunden 33 Tonnen Ausrüstung in mehr als 1700 Lieferungen im Landkreis verteilt. Rund 24 000 Kilometer kamen bei den Transportfahrten der Einsatzkräfte zusammen.

Ab dem Sommer entspannte sich die Situation. Die erste Welle flachte ab, Masken, Handschuhe und Desinfektionsflüssigkeit waren in ausreichender Zahl vorhanden. Der alltägliche Dienstbetrieb, den das THW die ganze Zeit über parallel aufrechterhalten hatte, lief jedoch weiter. Von Einsätzen bei Unwettern, Verkehrsunfällen und Sprengeinsätzen wurden die Helfer auch in diesem Jahr nicht verschont. Drei Mal wöchentlich trafen sich die Mitglieder des Stabs in Onlinemeetings zum Briefing und zu Beratungen. Auch die regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen der Erwachsenen und Jugendlichen fanden überwiegend digital statt.

258 Einsätze waren Corona geschuldet

Bis heute dauern die Aufträge zum Schutz von Einrichtungen wie zum Beispiel Altenheimen und Asylunterkünften an, um die das THW hunderte Meter Schutzzäunen aufstellen und auch wieder abbauen musste beziehungsweise muss. Dazu kommen weiterhin Containertransporte sowie der Auf- und Umbau von Testzentren. Von den insgesamt zirka 16 300 Einsatzstunden im Jahr 2020 waren allein 8500 Stunden in 258 Einsätzen Corona geschuldet.

Soziales Leben blieb auf der Strecke

Das soziale Leben des THW-Ortsverbands Miesbach blieb dafür auf der Strecke. So musste beispielsweise die Trauerfeier für einen Kameraden, der dem THW Miesbach fast 60 Jahre gedient hatte, entfallen, ebenso wie die bundesweite Feier zum 70-jährigen Bestehen des THW am 22. August. Umso mehr hoffen die Helfer, dass 2021 ein einsatzärmeres, dafür aber wieder ein mit kameradschaftlichen Aktivitäten reicher gesegnetes Jahr wird.

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