„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus geröllmassen gerettet werden

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Schwierige Gesamtsituation: Anders als viele andere Unternehmen der Luftfahrt-Industrie steht Telair nicht auf der Kippe. Dennoch muss der Flugzeug-Zulieferer dosiert Personal reduzieren.
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Schwierige Gesamtsituation: Anders als viele andere Unternehmen der Luftfahrt-Industrie steht Telair nicht auf der Kippe. Dennoch muss der Flugzeug-Zulieferer dosiert Personal reduzieren.

Die Folgen des harten Sparkurses bei Airbus

Telair in Miesbach: Kurzarbeit, Stellenabbau und neue Chancen

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Der Flugzeugbauer Airbus tritt nach dem coronabedingten Auftragsrückgang auf die Kostenbremse. Das hat für Zulieferer wie Telair Folgen. Für den Frachtladesystem-Hersteller in Miesbach bedeutet das einen Rückgang im Auftragsvolumen. Die Pandemie eröffnet zwar auch neue Chancen, doch insgesamt plant das Unternehmen mit Stellenabbau.

Es ist eine ambivalente Situation. Bei Telair in Miesbach herrscht seit April Kurzarbeit. Wie in der gesamten Branche hat das Coronavirus auch hier Teile lahmgelegt. Dennoch gibt es aktuell viel zu tun. Denn durch die Pandemie ergeben sich neue Anforderungen und Aufträge.

Das Szenario sieht aktuell so aus: Die meisten Flüge sind gestrichen, der Großteil der Passagierflugzeuge bleibt am Boden – die Nachfrage nach Verkehrsflugzeugen ist weltweit eingebrochen. Airbus will deshalb 15 000 Stellen weltweit streichen, 5100 davon in Deutschland. Das Beben erreicht auch Telair, wenn auch nicht mit voller Wucht.

Passagierflugzeuge bleiben am Boden

Telair-Geschäftsführer Wolfgang Tatzer

Zwar rüstet Telair bis auf die A380 alle Airbus-Modelle mit Frachtladesystemen aus, aber gleichzeitig gehören auch Boeing und alle anderen größeren Flugzeugbauer zum Kundenkreis der Miesbacher. „Während wir bei Airbus Passagiermaschinen ausrüsten, sind es bei Boeing ausschließlich Frachtmaschinen“, erklärt Wolfgang Tatzer. Der 57-Jährige hat im Oktober 2019 Marko Enderlein als Geschäftsführer abgelöst, der innerhalb des Konzerns in den Vorstand rückte. Zwar werden derzeit weniger Flugzeuge gebaut, doch Airbus produziere sogar mehr, als aktuell ausgeliefert werde, sagt Tatzer. „Man baut mehr Flugzeuge als momentan vom Markt benötigt, auch um die Zuliefersysteme am Laufen zu halten.“ Das halte die Lieferkette stabil. Das Schlüsselsegment sind aber die Frachtflugzeuge.

„Die sind aktuell umso mehr gefragt“, erklärt Tatzer. Denn 50 Prozent des gesamten weltweiten Cargo-Volumens wird mit Passagierflugzeugen transportiert. Da diese nun aber zu 95 Prozent am Boden stehen, fehlt Kapazität. Entsprechend groß sei die Nachfrage. Deshalb werden mittlerweile Passagierflugzeuge umgebaut: Sitzelemente werden gegen Frachtladesysteme ausgetauscht.

Diese Strategie hilft Telair, denn nach dem Stopp habe Airbus im April und Mai nichts mehr abgenommen. Erst im Juni habe sich die Lage wieder etwas stabilisiert.

Weitere Rückgänge bei den Aufträgen absehbar

Eines ist laut Tatzer jedoch klar: Die Aufträge von Airbus wird es vorerst nicht mehr so wie früher geben. Für 2020 werde der Rückgang etwa 30 Prozent betragen, für 2021 liegt er bei 40 Prozent der ursprünglich geplanten Raten. „Das kann auch das Frachtgeschäft nicht ausgleichen“, weiß Tatzer. „Wir sind zwar nicht in Schwierigkeiten, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen.“

Wie eng Telair mit den beiden Branchenriesen verbunden ist, hat auch die Frühphase der Corona-Krise gezeigt. Im April sperrten Airbus und Boeing zwei Wochen lang komplett zu – Telair folgte parallel. Mittlerweile läuft in Miesbach Kurzarbeit. Das soll bis zum Jahresende so bleiben.

Kurzarbeit im Dialog mit Mitarbeitern

„Das hilft uns sehr“, gibt der Geschäftsführer zu. Die rund 360 Telair-Mitarbeiter ziehen mit. „Die Belegschaft geht wirklich toll mit diesem Thema um“, betont er. Auch der Betriebsrat habe gut mitgearbeitet. So sei die Lage stabil. Mehr Aufträge von Boeing, weniger von Airbus – das bedeutet, dass von Monat zu Monat die Kurzarbeit neu verteilt werden muss. „Der Markt schwankt, die Zahlen verändern sich“, erklärt Tatzer. „Entsprechend müssen wir flexibel reagieren.“

Neben dem Umrüsten auf Frachtflugzeuge bleibt Telair, das hier Weltmarktführer ist, das Reparaturgeschäft. Denn die Ladesysteme in den ausgelieferten Maschinen müssen gewartet werden. Das wickeln die Airlines mit Telair und ihren Partnern ab.

Alles in allem strebt die Telair GmbH aber einen „vorsichtigen Personalabbau“ an, wie Tatzer erklärt: „Das lässt sich wegen Corona nicht verhindern.“ Jedoch soll dieser dosiert verlaufen – mit Schwerpunkt auf Zeitarbeitskräfte, offene Stellen und Altersteilzeit. „Wir müssen sehen, wie sich der Markt in der Zukunft entwickelt.“ Eine Vollbelegschaft sei jedenfalls nicht machbar. „Wir werden sanft anpassen.“ Denn Kurzarbeit funktioniere ja auch nicht ewig.

ddy

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