Es herrscht Handlungsbedarf: Das Museumsdepot im Feuerwehrhaus soll eine fachgerechte Verwahrung der Exponate wie der Gotzinger Trommel (vorne) ermöglichen, denn einige drohen laut Kurator Alexander Langheiter bereits Schaden zu nehmen. Für die Glasvitrinen bleibt bei der neuen Ausstattung kein Platz.
+
Es herrscht Handlungsbedarf: Das Museumsdepot im Feuerwehrhaus soll eine fachgerechte Verwahrung der Exponate wie der Gotzinger Trommel (vorne) ermöglichen, denn einige drohen laut Kurator Alexander Langheiter bereits Schaden zu nehmen. Für die Glasvitrinen bleibt bei der neuen Ausstattung kein Platz.

Geplanter Umbau

Teure Billiglösung: Museumsdepot von Miesbach soll eine Million Euro kosten

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
    schließen

Nachdem das Museum bis auf Weiteres nicht realisiert wird, soll zumindest das Depot im Feuerwehrhaus modernisiert und sachgerecht ausgestattet werden. Doch auch das hat seinen Preis. Knapp eine Million Euro soll das Projekt kosten – und wirft alte Grundsatzfragen auf.

Miesbach – Auch die Billiglösung ist noch ganz schön teuer. Nachdem das seit Jahren im Kloster geplante Museum nicht zuletzt aus finanziellen Gründen der Kinderbetreuung den Vortritt lassen musste (wir berichteten), soll nun – gewissermaßen als Minimalersatz – das bestehende Depot im zweiten Stock des Feuerwehrhauses ertüchtigt werden. Schauräume sind dort aufgrund der beengten Lage zwar nicht mehr möglich, jedoch sollen zumindest die Exponate fachgerecht gelagert und geschützt werden. Wie das gehen soll, stellte das beauftragte Münchner Architekturbüro Thilo Oerter/Sissi Katikaridis am Donnerstagabend im Stadtrat vor.

Das Konzept sieht vor, die rechteckige Fläche in fünf aufeinander folgende Streifen aufzuteilen: Von Norden weg nach dem Treppenhaus folgt einer für große Teile und ein klimastabiler Raum für problematische Exponate wie Druckgrafiken. Dann ein Bereich für Bilder und Möbel, einer mit einem Schiebeschranksystem für Kleider, Vasen und Skulpturen sowie Schubladenschränke für die grafische Sammlung und Metallteile, wobei dort auch noch ein Sicherheitsraum für besonders wertvolle Stücke vorgesehen ist. Die ehemalige Wohnung mit eigenem Treppenhaus und WC soll als Werkstatt, Aktionsraum und Teeküche genutzt werden.

Ernüchternde Kosten

Alles zusammen liegen die Kosten dafür bei 984.000 Euro. Das Konzept könne jedoch in drei Bauabschnitte aufgeteilt werden: Depot und Quarantäne mit 500.000 Euro, Büro und Werkstatt mit 165.000 Euro sowie den Anbau eines Lastenaufzugs an der äußeren Nordseite mit 300.000 Euro.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema: „Schluss mit den Lippenbekenntnissen“

Während Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) darauf verwies, dass die Stadt dafür verantwortlich sei, dass die „Schätze aus der Vergangenheit keinen Schaden nehmen“, stellte Paul Fertl (SPD) klar: „Eine Million ist ein No-Go.“ Das Feuerwehrhaus sei nie mehr als ein Provisorium gewesen, denn es gehe am Ziel eines Museums vorbei. „Die Exponate müssen öffentlich zugänglich gemacht werden.“

Alternativstandorte gesucht

Für Braunmiller, der auch andere Standorte vom Planungsbüro prüfen lassen will und dafür die Fraktionen aufgefordert hatte, bis September Vorschläge einzureichen, hatte Fertl gleich einen solchen parat: das Kulturzentrum Waitzinger Keller. Dort könnten die Stücke gelagert und ausgestellt werden. Eine weitere Option sei das Gersthaus, das im Zuge des Ersatzbaus des Landratsamts frei werden würde – eine Chance für die Stadt, die den Dialog mit dem Kreis suchen solle.

Waitzinger Keller auf dem Prüfstand

Markus Seemüller (FWG) stimmte Fertl zu: „Zeigen und deponieren in einem Gebäude ist unschlagbar.“ Er wünsche sich daher eine ergebnisoffene Untersuchung des Waitzinger Kellers unter Einbindung des Museumsvereins. Dagegen meinte Manfred Burger (Grüne), dass ein Depot wichtiger sei als ein Museum, wenngleich alles in einem Haus günstiger wäre. Zudem solle sich auch der Verein mit Vorschlägen beteiligen dürfen. Erhard Pohl (CSU) sah ebenfalls die Verpflichtung, diese „unglaublichen Schätze“ zu erhalten und zu präsentieren. Ein Depot allein sei nicht der große Wurf – an dem solle man aber dranbleiben.

Nachdem Pohl als zusätzlichen Beschlussvorschlag eingebracht hatte, der Bürgermeister möge auch Präsentationsmöglichkeiten abfragen, stellte Fertl die Grundsatzfrage: „Wollen wir ein Museum?“ Die gehöre zusammen mit dem Depot geklärt. Seemüller wiederum lehnte eine Grundsatzfrage durch die Hintertür ab – „lediglich Präsentationsmöglichkeiten abfragen ist aber in Ordnung“. In der Abstimmung wurde die Alternativstandortprüfung
mehrheitlich angenommen wie Pohls Ergänzung.

ddy

Neugierig auf den Miesbach-Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung. Noch mehr Nachrichten aus der Region Miesbach lesen Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare