Muss umplanen: Zimmerermeister Daniel Kürn aus Holzkirchen zahlt teils fast doppelt so viel wie früher für sein Arbeitsmaterial – wenn er welches findet. Wegen der Preisschwankungen gelten seine Angebote nun nur noch zwei Wochen.
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Muss umplanen: Zimmerermeister Daniel Kürn aus Holzkirchen zahlt teils fast doppelt so viel wie früher für sein Arbeitsmaterial – wenn er welches findet. Wegen der Preisschwankungen gelten seine Angebote nun nur noch zwei Wochen.

Hauptprotagonisten bewerten Situation unterschiedlich

Teures Holz: Wer profitiert im Landkreis Miesbach vom Preissprung?

Wie treffen hoher Holzpreis und Holzknappheit Waldbesitzer, Sägewerke und Zimmerer? Drei der Protagonisten bewerten die Lage untrschiedlich.

Landkreis – Das Bauholz ist knapp – so schallt es dieser Tage durch den Medienwald. Schuld seien die verfressenen Borkenkäfer, der unersättliche amerikanische Baumarkt und die damit einhergehenden Preissteigerungen. Wir haben drei Akteure der Holzindustrie aus dem Landkreis um ihre Einschätzung der aktuellen Lage gebeten.

Der Waldbesitzer

Natürlich bekämen auch die Waldbesitzer etwas mit von der Holzknappheit, sagt Alexander Necker, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen. „Die Holzpreise fingen letzten Juli an zu springen. Damals lag der Preis für einen Kubikmeter Fichte noch bei 50 Euro. Heute sind es 90 Euro.“

Auch Necker sieht als Wurzel des Preiswachstums vorrangig den amerikanischen Markt. Die Nachfrage sei im vergangenen Sommer explodiert. Das liege auch daran, dass die kanadischen Waldbesitzer, die sonst den amerikanischen Markt abgedeckt haben, mit dem Borkenkäfer kämpfen und nicht genug liefern.

Für hiesige Waldbesitzer sei das Geschäft mit dem Holz dennoch keine Goldgrube: Sie verdienten pro verkauftem Kubikmeter 40 Euro mehr. „Das ist nicht die Welt.“ Die wahren Profiteure seien die Sägewerke.

Das Sägewerk

Eine Holzknappheit gebe es nicht, sagt Matthias Obermaier vom Sägewerk Martin Obermaier in Irschenberg. „Wenn ein Zimmerer kein Holz im Rahmen seines kalkulierten Preises findet, dann sagt er, es gibt kein Holz. Dabei gibt es genug Holz – der Preis ist das Problem.“ Die Knappheit beschränke sich auf bezahlbares Holz.

Obermaier stimmt Necker zu: „Natürlich profitieren wir von den Entwicklungen auf dem Holzmarkt.“ Vergangenen Sommer habe er 250 Euro pro Kubikmeter Holz bekommen, heute seien es 500 Euro – eine Verdoppelung. Aber er müsse sich am Markt orientieren. „Wenn alle mit dem Preis hochgehen, nur wir nicht, bekommen wir es mit einer Anfrageflut zu tun, die wir einfach nicht bewältigen können.“

Problematisch sei der Preisanstieg ohnehin kaum: „Wenn ein Dachstuhl vor dem Preisanstieg 3000 Euro gekostet hat und jetzt 6000 Euro kostet bei einem Haus für eine halbe Million – das macht das Ganze nicht unbezahlbar.“

Außerdem seien die Preise drei Jahrzehnte lang nicht gestiegen. In Oberbayern hätten deswegen 75 Prozent der Werke aufgehört. „Aufhören ist viel schwieriger als anfangen.“ Viele Sägewerke seien Familienbetriebe. Wenn jemand den Betrieb auflöst, der seit Generationen in Familienhand ist, könne man sicher sein: „Der hat sich mindestens zehn Jahre mit der Entscheidung gequält.“

Dass jetzt nicht nur Späne, sondern auch etwas Geld beim Sägen abfalle, sei bitter nötig: „Die meisten mittelständischen Sägewerke arbeiten mit Werkzeug aus den 1970ern.“ Es sei Zeit, dass die Sägeindustrie etwas Geld verdient, um auf den Stand der Technik aufzurüsten. Obermaier garantiert derweil: „Wir beliefern unsere Stammkundschaft genau wie davor.“ Niemand müsse sich Sorgen machen. Sein Sägewerk exportiere auch nicht nach Amerika. Dafür fehle die Infrastruktur.

Der Zimmerer

„Es ist schwierig, derzeit an Material zu kommen“, sagt Zimmerermeister Daniel Kürn aus Holzkirchen. Seine regulären Händler hätten oft keine Ware mehr. Er müsse daher viel telefonieren und sogar direkt zu den Sägewerken gehen. Das trift auch die Kunden: Abgesehen von den verlängerten Wartezeiten – sieben Wochen statt einer –, sei der Preis für sein Holz allein seit Dezember um 50 bis 80 Prozent gestiegen.

Kürn hat reagiert. Wegen der Preisschwankungen gelten seine Angebote mittlerweile nur noch zwei Wochen statt wie bislang sieben. „Wenn der Holzpreis mir meine Kalkulation über den Haufen wirft und meine Bauherren kein Verständnis zeigen, bleibe ich sonst auf den Kosten sitzen.“ Zum Glück habe er vernünftige Auftraggeber, die mit sich reden ließen. In dieser Lage seien nicht alle Zimmerer.

Um existenzbedrohende Preissprünge zu verhindern, hofft Kürn nun auf die Politik. Sie solle den Holzmarkt regulieren: „Jetzt muss die Regierung reagieren: Wenn bei uns die Ressourcen ausgehen, dann geht es nicht, dass deutsches Holz weiter ins Ausland verkauft wird.“

von Moritz Hackl

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